Aktuell – 10.04.2013, 22:44

Den Wert des Journalismus sichern

Ein Kommentar von Philipp Cueni

Welchen Wert hat der Journalismus? Die guten Nachrichten: Weltweit ­haben Redaktionen Mitarbeitende freigestellt, um die gigantische Datenmenge zu den Offshore-Steuerparadiesen zu recherchieren. In der Schweiz haben «SonntagsZeitung»/«Le-Matin-Dimanche» zwei Journalisten drei Monate nur dafür frei gestellt. Dann: Markus Spillmann, Chef­redaktor der NZZ, plädiert in seiner Zeitung für die Relevanz des Journalismus, spricht sich für Kompetenz, Exklusivität und Qualität im Journalismus aus. Und Pietro Supino, VR-Präsident von Tamedia, schreibt im «Magazin» unter dem Titel «Journalismus gewinnt noch mehr an ­Bedeutung»: «Der investigative Journalismus ist aufwendig und teuer –  und er ist mehr denn  je notwendig.» Und weiter: «Natürlich ist auch die angemessene Ausstattung von Redaktionen mit Ressourcen eine Frage der Qualitätssicherung.»

Nein, es ist dennoch nicht alles gut! Markus Spillmann’s Plädoyer für den Journalismus liest sich wie ein Handbuch eines Managers. Und er warnt: Nur solide kapitalisierte Unternehmungen dürften die Transformation in die Zukunft des Journalismus schaffen. Die Journalisten müssten –  unter anderem –  sehr effizient arbeiten könnten. Schmerzfrei werde dieser ganze Prozess nicht sein, weder für Kunden noch für Belegschaften. Warm ­anziehen also, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Jetzt zur wirklich schlechten Nachricht: Tamedia spart schon wieder im grossen Mass. Einen Abbau von 34 Millionen hat das Medienhaus angekündigt –  und es macht den Anschein, als treffe das Sparprogramm vor allem Zeitungen und Zeitschriften.

Der Tamedia-Abbau ist für viele ein Schock: Wie sollen Journalisten an die Zukunft des Journalismus glauben, wenn ausgerechnet der Gigant Tamedia trotz ansehnlicher Gewinne gerade bei der Publizistik spart und allenfalls Stellen abbaut? Wo ist der Tatbeweis der Verlagshäuser für die hohe Bedeutung des Journalismus?

Die Politik protestiert in der Romandie gegen den Abbau bei Tamedia  und erinnert an die demokratierelevante Bedeutung der Medien, an die Notwendigkeit von Vielfalt und Qualität im Journalismus. Richtig, darüber darf nicht alleine der Verwaltungsrat der Tamedia entscheiden. Gut, wenn die eben gewählte neue Eidgenössische Medienkommission diese Debatte breit und offen führt: Wie sichern wir den Wert des Journalismus?

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