Aktuell – 05.06.2014

"Brief an”: Sehr geehrtes Krautreporter-Team

(aus dem aktuellen Heft)

Brief an …

Sehr geehrtes Krautreporter-Team

Ihr seid, schreibt ihr auf www.krautreporter.de, "nicht wahnsinnig", sondern habt "bloss, sehr, sehr grosse Lust, die Sache selbst in die Hand zu nehmen". Denn, so findet ihr, "der Online-Journalismus ist kaputt": Vielen Medien seien Klicks wichtiger als Geschichten, auch in seriösen Online-Medien breite sich der Boulevard aus und niemand könne mehr den Überblick behalten, wenn die Welt nur noch in Eilmeldungen erklärt werde.

Also soll aus eurer Crowdfunding-Plattform für Journalismus ein Online-Magazin werden, das täglich vier "ausführliche, möglichst multimediale Beiträge von tollen Autoren" bringt, "emotional, relevant, journalistisch". 25 Reporter wollen mit-machen, und ihr sammelt nun Geld: Das Jahresabo kostet 60 Euro, und wenn ihr das Erst-Finanzierungsziel von 900 000 Euro (oder 15 000 Abonnenten/Mitglieder) erreicht habt, legt ihr los.

Ein Quäntchen Wahnsinn, finden wir, braucht es schon, um eine solche Idee realisieren zu wollen: ein Online- Magazin ganz ohne Werbung und Native Advertising, dafür finanziert von Mitgliedern, die sich ihr Abo auch sparen könnten, weil die Inhalte gratis zugänglich sind. Denn auch ihr könnt das Problem der Online-Gratiskultur nicht lösen. "Die Grundversion eines Beitrags wird immer frei online sein – alles, was darüber hinausgeht, ist Mitgliedern vorbehalten", schreibt uns dazu euer Geschäftsführer Sebastian Esser: "Wir glauben, dass es wichtig ist, dass man auf uns verlinken kann und dass wir so viele Leser wie möglich erreichen. Ausserdem glauben wir nicht, dass eine Paywall vor den Inhalten auf Dauer attraktiv genug ist – stattdessen geben wir unseren Mitgliedern andere Vorteile."

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Die Vorteile sind etwa: Zugriff auf exklusive Inhalte, Newsletter und Kommentar- und Sortierfunktionen – alles einleuchtende Dienstleistungen für die Mitglieder. Heikler dünkt uns, dass ihr versprecht, die Mitglieder auch als Experten zu beteiligen und in Recherchen einzubeziehen. Das kann, meinen wir, sehr gut kommen – aber auch auf die Mitgliedschaft pochende Besserwisser, Fanatiker und Trolle anziehen.

Wie auch immer: Uns gefällt euer Wahnsinn. Und sollte er in die Schweiz schwappen: Willkommen!

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