Briefe, Fundstücke u.a.m. – 14.01.2019

«Brief an …» SRG-Verwaltungsrat und SRG-Geschäftsleitung

 

Aus aktuellem Anlass (Debatte zum Radiostudio Bern in der Fernmeldekommission des Nationalrats) rezykliert: «Brief an» aus der EDITO-Print-Ausgabe 05/18

Sehr geehrter SRG-Verwaltungsrat, sehr geehrte SRG-Geschäftsleitung

Es geht, fürchten wir, im Moment bei Ihnen etwas rutschig zu. Denn mit dem Entscheid, das Radiostudio Bern nach Zürich zu verlegen, stehen Sie wirklich mit allen Füssen in Fettnäpfen.

So viel Ärger auf sich zu ziehen: Das muss Ihnen erst einmal jemand nachmachen. Es ärgern sich die Mitarbeitenden des Berner Radiostudios, Stadt und Kanton Bern, fast alle Schweizer Parteipräsidentinnen und -präsidenten (so sehr, dass sie die SRG-Standorte gesetzlich festschreiben wollen). Es ärgert sich die Gewerkschaft ssm (so sehr, dass sie sich juristische Schritte überlegt) und die Radio- und Fernsehgenossenschaft Bern Freiburg Wallis (so sehr, dass sie sich allerlei Gedanken macht, die Sie nicht unbedingt mögen).

Und, was bisher undenkbar war: Seite an Seite ärgern sich frühere Gegner und Befürworter der No-Billag-Initiative. Letzteren geht natürlich so ein Entscheid runter wie Öl, weil er die Stellung der SRG sicher nicht stärkt.

Öl ins Feuer all dieser Verärgerten waren seltsame Erklärungen von Ihrer Seite, etwa dass die föderalistische Struktur der SRG mit dem Entscheid irgendwie sogar gestärkt werde. Und, als Krönung, die durchgesickerte Information, dass sich SRG-Generaldirektor Gilles Marchand über den Spareffekt der Studio-Verlegung nicht sicher gewesen sei, sich aber trotzdem dafür ausgesprochen habe, weil das Vorgehen – also der Widerstand von Mitarbeitenden – «gegen die SRG sonst künftig Schule machen könnte».

Da fragen wir uns kurz, ob da wirklich moderne Personalführung im Spiel ist oder nicht doch eher Dressursport. Doch lassen wir das. Es geht ja eigentlich ums Sparen. Sie wollen ja, dass das Radiostudio von der Berner Schwarztorstrasse nach Zürich zieht, damit die Räume an der Schwarztorstrasse frei werden. Dorthin sollen dann Teile der SRG, unter anderem die Generaldirektion, ziehen, die jetzt an der Berner Giacomettistrasse mit hoher Miete residieren.

Warum, fragen wir uns, so kompliziert? Wie wäre es, wenn Sie einfach die Generaldirektion nach Zürich verschieben – es muss ja nicht unbedingt ein Grossraumbüro für alle sein – und das Berner Radiostudio Berner Radiostudio sein lassen. Sie sparen erstens Mietkosten (an der Giacomettistrasse), zweitens Umzugskosten (nur eine Partei zieht um), drittens Umbaukosten (zöge die Generaldirektion an die Schwarztorstrasse, müssten die Räume wohl an ihre Bedürfnisse angepasst werden).

Und Sie gewinnen, viertens, viel Goodwill. Denn höchstwahrscheinlich wünschen sich die Bernerinnen und Berner eher Programmschaffende in der Stadt als Verwaltung. Davon gibt es in Bern ja bereits genug.

Dann wäre doch alles in Butter statt in Fettnäpfen, findet, freundlich grüssend

EDITO

Bettina Büsser

Redaktorin EDITO

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