Aktuell – 11.04.2014

Der Verkauf von Le Temps -– eine Erfolgsgeschichte

Ein Kommentar von Philipp Cueni

Die News ist: Ringier übernimmt die Zeitung "Le Temps", die von den bisherigen beiden Eigentümern Tamedia und Ringier selbst zum Kauf angeboten worden ist. Wir sind uns gewohnt, die Veränderungen in der Zeitungslandschaft der Schweiz eher skeptisch zu bewerten. Betrachtet man den Hintergrund des Verkaufs von Le Temps, kann man das durchaus als Erfolgsgeschichte kommentieren.

Zum Erfolg beigetragen haben die Medienszene der Romandie und in wichtiger Rolle auch Kader und Belegschaft der Zeitung selbst, welche vehement darauf hinwiesen, wie wichtig diese Qualitätszeitung für ihre Region sei. Wichtig war auch das Angebot der "Amis de Temps", welche den Verkäufern eine Trägerschaft aus der Romandie mit klaren Zukunftsversprechen anboten. Wort gehalten haben die bisherigen Besitzer, welche versprachen, die Zeitung nur an Käufer zu veräussern, welche eine nachhaltige Zukunft garantieren. Sie haben standgehalten gegenüber einem schnellen Verkaufsgewinn und den kolportierten Interessen der Blocher-Gruppe.

Offenbar sind dem Zürcher Verlagshaus die Romandie und der Qualitätsjournalismus etwas wert sind. Denn kommerziell ist "Le Temps" kein grosses Geschäft. Aber die Zeitung hat für die Medienlandschaft in der Westschweiz eine wichtige Bedeutung.

Damit zeigt Ringier verlegerische Verantwortung gegenüber der Publizistik und den Anforderungen der Demokratie. Es ist zu hoffen, dass der Qualitätszeitung auch die nötigen Mittel gewährt werden. Die Formulierung im Communiqué von Tamedia und Ringier, die von möglichen Synergien im Redaktionsbereich sprechen, lösen Skepsis aus. Der neue Besitzer wird nun beweisen müssen, dass er es mit der Qualität ernst meint.

Die Veränderung bei der Besitzerstruktur ist auch positiv für die Medienlandschaft in der Romandie zu werten. Die mächtige Tamedia zieht sich aus dem einen Titel zurück und legt ihren Schwerpunkt in diesem Landesteil eher auf den boulevardesken Bereich. Ringier mit seiner starken Boulevard-Tradition setzt für die französischsprachige Schweiz auf Qualitätstitel. Das stärkt die Vielfalt der Medienhäuser in dieser Region.

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Auch wenn der "Cercle des Amis du Temps" den Titel nicht erwerben konnten, wäre es gut, wenn er die Entwicklung bei "ihrer" Zeitung weiterhin kritisch begleitet – gerade was Synergien und Qualität betrifft. Aber strukturell ist es nachhaltiger, wenn die Zeitung von einem grossen Verlagshaus geführt wird. Michael Ringier sagte an der Jahresmedienkonferenz von letzter Woche im Gespräch mit edito.ch, der Konzern verstehe sich als Ganzes und es würde dort in Publizistik investiert, wo es nötig sei. Der Konzern hat eben ein "gutes Geschäftsergebnis" präsentiert. Wir dürfen also davon ausgehen, dass das Bekenntnis des Zürcher Medienhauses zur Romandie ("Herzenssache") ernst gemeint ist.

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