Aktuell – 23.01.2013

"Dreikönig” Lebrument wettert wieder

Ein Kommentar zur Dreikönigstagung der Verleger, von Philipp Cueni

Hanspeter Lebrument ist der Verlegertyp alter Schule, eher Patron als Verwaltungsratspräsident, sagt gerade hinaus, was er denkt, und oft wirkt der Verlegerpräsident gerade wegen seiner etwas knorrigen Art auch sympathisch. Lebrument ist nicht bekannt dafür, dass er sich in seinen Reden analytisch auf Probleme und Schwächen der Branche einlässt. Bekannt ist er hingegen dafür, dass er gerne Feinde der Branche ortet und dann mit grossem Geschütz auf diese zielt. Alle Jahre wieder – an der Dreikönigstagung oder am Jahreskongress der Verleger. Lieblingsgegner Lebruments waren etwa oder sind die Journalistenverbände, der Presserat, die Medienwissenschaft, die Bundespolitiker, Google und natürlich die SRG.

Das Ritual hat sich auch anlässlich der Dreikönigstagung 2013 wiederholt: Der Generaldirektor der SRG wollte ihm, Lebrument, einen Maulkorb anlegen – wie das hätte geschehen sollen, wurde übrigens dann nicht klar. Die SRG, so Lebrument weiter, agiere intransparent und unfair, ihr Angriff sei hinterhältig. Der Verlegerpräsident sprach gar von einem Krieg zwischen der SRG und den Verlegern. Und er ging sogar soweit, die SRG als wesentlichen Grund für die zunehmende Medienkonzentration zu orten. Auf gleiche Stufe wie die SRG setzte Lebrument dieses Jahr übrigens auch Google.

Ob dieses Herumpoltern von Lebrument den Verlegern wirklich etwas bringt, muss der Verlegerverband ("Schweizer Medien") selbst beurteilen. Interessanter wäre genauer zu analysieren, wo die Online-Aktivitäten der SRG tatsächlich die Ursache für die wirtschaftliche Schwierigkeiten der Verlage sind. Und herauszuarbeiten, ob der globale Gigant Google eine Gefahr für die Verlagshäuser oder sogar für alle Medienhäuser der Schweiz, also auch für die SRG, darstellt – wie dies übrigens SRG-Generaldirektor Roger de Weck seit einiger Zeit vertritt. Interessant wäre schliesslich auch zu hinterfragen, warum die meisten Verlage im Online-Bereich hinter der SRG herhinken, und wo sie allenfalls welche Strategiefehler gemacht hatten.

Es mag nachvollziehbar sein, dass die Verleger gewisse Angebotselemente der SRG auf Online als zu ähnlich zu einem Zeitungstext bewerten und dort eine unfaire Wettbewerbssituation monieren. Und selbstverständlich ist es legitim, wenn sich die Verleger dagegen wehren, wenn ihr Geschäftsmodell durch den Service public unterlaufen würde. Eine grober Vergleich der Websites der SRG und der diversen Zeitungen zeigt aber, dass die beiden Anbieter unterschiedliche Schwerpunkte setzen und vom Publikum vermutlich auch anders genutzt werden. So, wie auch heute der eine sich gerne über die NZZ oder den Tagi informiert und die andere lieber über die Tagesschau oder 10vor10 von SRF. Bemerkenswert ist auch, dass die Angebote der SRG in der Romandie noch die einzigen Alternativen zu den Publikationen aus dem Hause Tamedia sind und damit wesentlich zur Vielfalt beitragen.

Die Argumentation via Feindbilder, wie von Lebrument gerne praktiziert, verhindert eine eigentliche Auseinandersetzung des Verlegerverbandes mit den wirtschaftlichen Problemen der Branche – und auch einen selbstkritischen Blick auf die eigenen Leistungen.

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Der erste öffentliche Auftritt von Tamedia-CEO Christoph Tonini auch an der Dreikönigstagung setzte einen interessanten Kontrapunkt zu Lebruments Rede. Auch bei Tonini ging es um die Frage der Online-Aktivitäten der Verlage. Doch Tonini analysierte nüchtern die schwierige Position der Schweizer Verlagshäuser vor allem gegenüber den "Gorillas" wie Google, Facebook, Apple, Amazon. Er zeigte auf, wie dominant diese globalen Konzerne kommerziell, aber auch als Gatekeeper agieren. Die SRG erwähnte der Tamedia-CEO kein einziges Mal.
Organisiert wird die Verlegertagung vom Medieninstitut. Neben Lebrument und Tonini sprachen neben anderen auch der CEO der Publigroupe, der stellvertretende Chefredaktor der Österreichischen Zeitung "Der Standard" oder der Geschäftsführer der Deutschen FAZ.

 

Lebruments "Krieg” – ein Kommentar von Bettina Büsser
Das Zitat:
"Zwischen der SRG und den privaten Verlegern herrscht ein eigentlicher Krieg” (Hanspeter Lebrument, Präsident Verband Schweizer Medien, Dreikönigstagung 2013)
Das Gedicht:
‘s ist Krieg! ‘s ist Krieg! O Gottes Engel wehre, Und rede Du darein! ‘s ist leider Krieg – und ich begehre Nicht schuld daran zu sein!
Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen Und blutig, bleich und blass, Die Geister der Erschlagenen zu mir kämen, Und vor mir weinten, was?
Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten, Verstümmelt und halb tot Im Staub sich vor mir wälzten und mir fluchten In ihrer Todesnot?
Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute, So glücklich vor dem Krieg, Nun alle elend, alle arme Leute, Wehklagten über mich?
Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten Freund, Freund und Feind ins Grab Versammelten und mir zu Ehren krähten Von einer Leich herab?
Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre? Die könnten mich nicht freun! ‘s ist leider Krieg – und ich begehre Nicht schuld daran zu sein!
(Matthias Claudius, Journalist und Dichter, 1774)
Ob Herr Lebrument tatsächlich etwas in dieser Art gemeint hat? Bettina Büsser.

 

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