Die Pandemie gefährdet Berufe aus der Medien- und Kreativbranche auf existenzielle Art.

Medien in Zeiten von Corona – 26.03.2020

Grosser Notstand bei Selbständigen und Freien

Für viele Selbständige und Freischaffende fallen Aufträge aus. Die Gewerkschaft syndicom hat eine breite Erhebung durchgeführt. Die Zwischenergebnisse sind erschreckend.

In der Medien- und Kreativbranche liegt ein massiver Notstand vor. Über 1200 Selbständige und Freischaffende haben bereits an der Erhebung von syndicom teilgenommen und ihre Angaben zeigen klar: Der Bundesrat muss die Selbständigerwerbenden und Freischaffenden in der Medienbranche, visuellen Kommunikation und Kreativwirtschaft wie den Rest der Wirtschaft unterstützen, sonst drohen viele berufliche Existenzen zu zerbrechen.

Rund die Hälfte der Selbständigen haben keine Aufträge mehr

Die Zwischenresultate der Umfrage von syndicom, an der innerhalb von 36 Stunden über 1200 Selbständige und Freischaffende teilgenommen haben, zeigt, dass bereits jetzt 89 Prozent von Auftragsabsagen aufgrund des Coronavirus ergangen sind. Die finanziellen Ausfälle belaufen sich gemäss syndicom bei 37 Prozent der Befragten schon jetzt auf mindestens 90 Prozent eines durchschnittlichen Monatseinkommens. Von den über 1200 Selbständigerwerbenden und Freischaffenden könnten die Hälfte nur noch bis maximal ein oder zwei Monate mit ihren finanziellen Mitteln über die Runden kommen – 10 Prozent der Befragten hätten bereits jetzt keine Reserven mehr.

Die Gewerkschaft syndicom fordert von Bund und Kantonen, die Selbständigerwebenden unmittelbar zu unterstützen. syndicom hat sich mit diesen dringenden Anliegen an den Bundesrat gewandt. Die momentan vorherrschende Situation verlange besondere und dringende Massnahmen, um diese Gruppe von Erwerbstätigen vor der Zahlungsunfähigkeit, Prekarität und Verarmung zu schützen. Die bisher geplanten Unterstützungsmassnahmen des Bundes würden in ihrer momentanen Form für diese Gruppe von Erwerbsabhängigen und Arbeitnehmenden nicht greifen und seien unzureichend, so die Gewerkschaft. Der Bundesrat und die zuständigen Bundesämter wie das Seco und das Bakom stünden in der Verantwortung, auch den Selbständigen und Freischaffenden in allen Branchen die dringend nötigen finanziellen Mittel zu sprechen.

Momentane Krise nur die Spitze des Eisbergs

Selbständigerwerbende und Freischaffende seien durch die Sozialversicherungen in der Schweiz kaum abgesichert. Aufgrund dessen gehörten sie zu einer wirtschaftlich besonders betroffenen Gruppe. Die Erhebung von syndicom zeigt auf, dass diese Erwerbstätigen durch ihren fragilen und oft prekären Arbeitsstatus in der Vergangenheit keine finanziellen Reserven aufbauen konnten. Der existenzbedrohende Zustand der Selbständigerwerbenden und Freischaffenden durch die Coronavirus-Pandemie ist demnach auch Ausdruck von fehlender sozialer Absicherung.

syndicom setzt sich dafür ein, dass die Arbeitsbedingungen von Selbständigen und Freischaffenden insbesondere in Bezug auf die Altersvorsorge und bei Arbeitslosigkeit verbessert wird. Die Erhebung der Auftragssituation wird vorerst noch bis am 22. März 2020 weitergeführt. Die Selbständigen werden zudem dazu angehalten, ihre Auftragsausfälle detailliert zu dokumentieren.

syndicom organisiert als Gewerkschaft der Medien- und Kommunikationsbranchen in ihren Reihen mehr als 1‘050 Mitglieder, die als Freischaffende oder Selbständige in den Medienberufen und in der Visuellen Kommunikation sowie in der Kreativwirtschaft arbeiten. Damit stellt syndicom die mitgliederstärkste Gewerkschaft in diesen Kategorien dar und zählt im Verbund mit allen ihren Branchen und Sektoren in der Logistik, in den Informations- und Kommunikationstechnologien und in der grafischen Industrie insgesamt gut 30‘000 Mitglieder.

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