Aktuell – 03.09.2018

In den Nischen blüht es

Mit wenigen Ausnahmen fristet der Umweltjournalismus ein eher bescheidenes Dasein. Doch neue Onlinemagazine lassen hoffen.

Das Versprechen prangt am Kopf der Internetseite. Das «Guardian Environment Network» bringe die weltbesten Inhalte zu grünen Themen zusammen, heisst es da. Der neuste Artikel handelt von Indigenen in Brasilien, die sich gegen eine Goldm­­ine wehren. Der neuste Artikel? Er trägt das Datum vom 14. Februar 2018. Seither wurde das Umwelt-Netzwerk nicht mehr aktualisiert. Ende Sommer wird es definitiv eingestellt. Immerhin: Die vielen bisher publizierten Artikel bleiben verfügbar.

Beeindruckende Umweltberichterstattung. Trotz dieses Abbaus bleibt die ­britische Zeitung «The Guardian» eine der ersten Adressen für Umweltjournalismus. ­Die Fülle an umweltrelevanten Artikeln ist beeindruckend. An einem einzigen Tag ­erscheinen da Beiträge über Klimawandel, Elektromobilität, Food Waste, Trinkwasserverlust, seltene Tierarten, Entsorgung von Atommüll und so weiter. Meinungsstücke zu einer umweltverträglichen Wirtschaft fehlen ebenso wenig wie ein Velo-Blog. Die Vielfalt an Storytelling-Formaten ist breit: Die Geschichte über eine ausgestorbene Vogelart in ­Hawaii wird in einem 360-Grad-Animationsfilm erzählt. Die Umweltberichterstattung ­gehört zum Markenzeichen des «Guardian».

Etwas Vergleichbares gibt es in der Schweiz nicht. Hier köchelt der Umweltjournalismus auf deutlich kleinerer Flamme. Zwar verfügen die grossen Redaktionen noch über Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich in der Materie auskennen. Und wenn ein aussergewöhnlich heisser und trockener Sommer das Land heimsucht, ist auch der Klimawandel überall präsent. Doch eine Berichterstattung, die Umweltfragen kontinuierlich, systematisch sowie in vielfältigen Erzählformen beackert, sucht man vergeblich.

Neue Onlinemagazine lassen hoffen. Dass man umweltjournalistisch dennoch nicht auf dem Trockenen sitzt, ist neuen Onlinepublikationen zu verdanken. Der Mangel in den Redaktionen hat zu Gegenreaktionen im Internet geführt. In der Deutschschweiz versucht das Onlinemagazin «Das Lamm» sich Gehör zu verschaffen, indem es «kritische Fragen zu Nachhaltigkeitsthemen» stellt – eben weil die etablierten Schweizer Medien dies oft nur «stiefmütterlich» täten. Ganz besonders blüht es in Deutschland in den medialen Nischen. Bereits etabliert sind etwa die preisgekrönten Plattformen «Klimafakten» und «klimaretter.info». Oder das Portal «Grüner Journalismus»: Dieses publiziert nicht nur eigene Beiträge, sondern es stellt auch zur Diskussion, was guter Umweltjournalismus überhaupt leisten soll.

Die Onlinepublikationen erreichen nicht die Reichweiten traditioneller Medien. Vielfach leben sie mehr vom Idealismus ihrer Journalisten als vom Geld ihrer Leser. Doch sie könnten der Beginn eines neuen Umweltjournalismus sein – und bieten bereits jetzt eine willkommene Ergänzung zum «Guardian», dem Star der Branche.

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Autor:
Markus Hofmann, Journalist beim «Echo der Zeit»

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2 Kommentare

#1

Von Tanja Keller
18.09.2018
Guten Tag Herr Hofmann
Danke für den Bericht zum Thema Umweltjournalismus.

Schade, haben sie noch nie unsere Seite: greenpeace-magazin.ch besucht
Dort finden sie vielleicht die Berichterstattung, die Umweltfragen kontinuierlich, systematisch sowie in vielfältigen Erzählformen beackert.
Wir versuchen seit Jahren mehrheitlich Greenpeace unabhängige und umweltrelevante Themen in verschieden Formen aufzubereiten und haben mittlerweile eine treue Stammleserschaft.

Oder das von einem unabhängigen Deutschen Verlag geführte Magazin: https://www.greenpeace-magazin.de/ welches sich seit Jahren dem konstruktiven Journalismus im Umweltbereich widmet.

Oder die Investigativ Journalismus Plattform von Greenpeace UK: https://unearthed.greenpeace.org/about/
Fördert ebenfalls unabhängige Umwelt-Themen welche von LerserInnen unterstützt und gefördert werden.

Freundliche Grüsse
Tanja Keller / Redaktions-Verantwortliche, Greenpeace Magazin Schweiz

#2

Von Markus Hofmann
20.09.2018
Liebe Frau Keller
Danke für Ihren Kommentar!
Zum einen: Ich habe nur ganz wenige Beispiele für (neue) Umweltpublikationen nennen können. Es gibt selbstverständlich noch viele weitere, die ebenfalls erwähnenswert gewesen wären.
Zum anderen: Ich kenne das Greenpeace Magazin. Darin finden sich immer wieder sehr interessante Berichte, die ich gerne lese. Trotzdem ist es eine NGO-Publikation, wenn auch eine, die mit journalistischen Mitteln arbeitet. Dasselbe gilt etwa auch für das lesenswerte Magazin von Pro Natura oder weitere Publikationen von Umweltschutzorganisationen.
Mit freundlichen Grüssen
Markus Hofmann

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