9. Juli 2007 von Klartext

Mehr Geld

Die SRG will die Schweizer Lokalradios vermehrt zur Kasse bitten. 1992 laufen die Verträge mit den Privatradios aus, die diesen bislang erlaubten, Sendungen der SRG-Radioprogramme zum Billigtarif von 500 Franken pro Jahr zu übernehmen. 19 Privatradiostationen profitieren derzeit vom Discountpreis, der bei der SRG kaum die zusätzlichen Mehrkosten deckt. Viele von ihnen übernehmen nicht nur die Jour-nale und Nachrichtensendungen, sondern auch Hintergrundmagazine wie das “Echo der Zeit” oder das Musik-Nachtprogramm. Dies soll auch künftig möglich sein, denn die SRG hat ein Interesse daran, möglichst viele Hörerinnen und Hörer zu erreichen. Doch die Privaten werden dafür mehr bezahlen müssen. Wie hoch die Tarife liegen werden, ist derzeit noch nicht festgelegt. Der Vorschlag für ein neues Vertragsmodell wird erst im Frühling vorliegen.

Weniger Geld
Das Schweizerische Inserategeschäft ist weiterhin auf Talfahrt. Laut Statistik des “Verbandes Schweizer Werbegesellschaften” (VSW) haben die 51 erfassten Tageszeitungen 1990 einen durchschnittlichen Verlust von 1,6 Prozent (4502 Anzeigenseiten) hinnehmen müssen. Die 20 Zeitungen, die ihre Inserate selbst akquirieren und in der “Vereinigung Schweizerischer Eigenregie-Zeitungen” (VSEZ) zusammengeschlossen sind, kamen auf ein Minus von 1,3 Prozent (1516 Seiten). Wie erwartet, war der grösste Rückgang bei den Stellenanzeigen zu verbuchen (VSEZ: 5,6 Prozent, VSW: 3,5 Prozent). Aufgeschreckt haben die Schweizer Verleger jedoch nicht die relativ moderaten Einbussen im Jahresdurchschnitt, sondern der bedrohliche Rückgang des Inseratevolumens in den letzten Monaten des Jahres 1990. Während die VSW-Titel im Dezember 1990 gegenüber dem Vorjahr bei den Stellenanzeigen ein Minus von 9,4 Prozent hinnehmen mussten, wurden die VSEZ-Zeitungen bedeutend drastischer zur Kasse gebeten: Ihr Verlust belief sich bei den Stellenanzeigen auf 32,1 Prozent. Sorgen macht den Zeitungsbossen aber vor allem die Tatsache, dass im Dezember auch die kommerziellen Inserate bedrohlich rückläufig waren. Im Vergleich zum Dezember 1989 belief sich der Verlust bei den VSW-Blättern auf 10,8 Prozent und bei den VSEZ-Zeitungen auf 8,6 Prozent. Dass dieser Trend auch 1991 anhalten wird, bezweifelt derzeit niemand. Da sie damit rechnen, dieses Jahr erheblich weniger Geld zu verdienen als in den Vorjahren, haben praktisch alle Verlage bereits Spar-übungen beschlossen oder ins Auge gefasst. Um die erwarteten Minus-Erträge etwas abzufedern, haben die Schweizer Tageszeitungen ihre Tarife für 1991 um durchschnittlich 6,56 Prozent angehoben.

Endlich Geld
Der Münchner Film-Grosshändler Leo Kirch und der “Axel Springer Verlag” haben das Kriegsbeil begraben. Nach jahrelangen Querelen um die Vorherrschaft beim deutschen Privat-TV “Sat 1” kamen die beiden Kontrahenten überein, alle im Zusammenhang mit dem Streit hängigen Prozesse einzustellen. Günter Wille, designierter “Springer”-Chef, darf sich für die nächsten zwei Jahre auf den Sessel des “Sat 1”-Aufsichtsratsvorsitzenden setzen. Dafür bleibt der von “Springer” stets als untragbar angefeindete Kirch-Mann Werner E. Klatten Vorsitzender der Geschäftsführung. Abgesegnet wurde auch der Kauf von 1300 Spielfilmen von der Zuger “MH Medienhandels AG” (MH) für 750 Millionen Mark. “Springer” hatte bislang gegen den “zu teuren” Mega-Deal – die MH hatte die Filme von Kirch gekauft – opponiert. Grund für den Sinneswandel von “Springer”: Der Hamburger Medienkonzern wollte mit “Sat 1” endlich auch Geld verdienen. Für 1990 kündigt Geschäftsführer Klatten denn auch einen Gewinn von fünf Millionen Mark an. Bei Ausgaben von total 535 Millionen Mark konnten letztes Jahr, so Klatten, Erlöse von 540 Millionen Mark er-wirtschaftet werden.

Kein Geld
Unerschütterlich ist der Glaube der PTT in ihr Flop-Medium “Videotex”. Bis in drei Jahren will der Gelbe Riese mit “Videotex” schwarze Zahlen schreiben. Dazu wären aber 200’000 Teilnehmer nötig, was eine Verdreifachung der bisherigen Kunden (rund 60’000) bedeuten würde. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten sich bis 1994 jedes Jahr rund 47’000 neue Teilnehmer für das neue Medium entscheiden. 1990 mochten aber nur gerade 25’000 Schweizerinnen und Schweizer ein “Videotex”-Gerät kaufen. Von den 18,8 Millionen Franken, die die PTT letztes Jahr mit “Videotex” umsetzten, mussten sie 10,8 Millionen Franken an private Datenbank-Anbieterfirmen weiterreichen. Die verbleibenden acht Millionen reichen bei weitem nicht aus, um die jährlichen Fehlbeträge, die “Videotex” den PTT einspielt, zu decken: Zur Zeit erreicht “Videotex” nur gerade einen Kostendeckungsgrad zwischen 20 und 30 Prozent. Die Fehlbeträge finanzieren die PTT aus dem Telefondienst. Branchenkenner sind sich einig, dass die PTT auch noch lange nach 1994 mit “Videotex” kein Geld verdienen werden.

Zu wenig Geld
Der australo-britisch-amerikanische Medienmogul Rupert Murdoch steckt schwer in der Finanzklemme. Um die Neuerwerbungen seiner weltweiten Einkaufstouren der letzten Jahre bezahlen zu können, hat Murdoch zuviel gepumpt. Nun hat seine “News Corp. Ltd.” zu wenig Geld, um Kre-ditverpflichtungen und anfallende Zinsen bis Mitte 1991 zu erfüllen. Die “News Corp. Ltd.” musste im Januar der US-Wertpapier-Aufsichtsbehörde SEC bekanntgeben, sie verhandle mit ihren Gläubigern über eine Verlängerung der Kreditlaufzeiten. Sollten die Umschuldungsverhandlungen scheitern, könnten die Tage des Murdoch-Imperiums gezählt sein. Allein der “Westpac Banking Corp.” schuldet der Medienkonzern 600 Millionen Dollar. Doch auch die “Citibank”, die “Commonwealth Bank of Australia” und die “Midland Bank Plc.” warten auf die Verzinsung und Rückzahlung happiger Darlehen.

9. Juli 2007 von Klartext

Nebulös definiert

Die Medientruppe APF, ihrerseits von der “P-26” unterwandert, verliert den Status als Zensurbehörde – dafür kann sie schneller aufgeboten werden.

Die Nachricht klingt richtig sympathisch: Die Medientruppe APF (“Abteilung Presse und Funkspruch”) soll im vielzitierten Ernstfall nicht mehr – wie weiland im Zweiten Weltkrieg – Zensurbehörde sein und unbotmässige zivile Medien mit Pu-blikationsverboten schikanieren dürfen. So will es der Bundesrat, der kurz vor Weihnachten “die Überwachung des öffentlichen Nachrichten- und Informa-tionswesens sowie von Veröffentlichungen aller Art im Neutralitätsschutz- und Verteidigungsfall” als Aufgabe der APF aus der entsprechenden Verordnung strich.
Gleichzeitig mit der medienfreundlichen Bescherung sorgte die Regierung aber mit einer weiteren Retusche an der Verordnung dafür, dass künftig noch unklarer sein wird, unter welchen Bedingungen die – militärisch organisierten, offiziell aber dem Justizministerium unterstellten – APF-Soldaten tatsächlich zum Aktivdienst aufgeboten werden können.
Die alte Version nämlich unterschied drei APF-relevante Situationen: den “Normalfall”, den “Krisenfall” (“ausserordentliche Lage”) sowie den “Neutralitätsschutz- und Verteidigungsfall”. Wobei für den “Normal- und Krisenfall” die APF-“Zusammenarbeit mit andern Stellen” (Bundeskanzlei, Militärdepartement) – und damit das Einsatz-Prozedere der Truppe – einigermassen exakt vorgeschrieben war. Einzig im “Neutralitässchutz- und Verteidigungsfall” – also faktisch zu Kriegszeiten – sollte diese Zusammenarbeit mit Bundeskanzlei und Armeekommando “besonders geregelt”, für die Öffentlichkeit mithin undurchsichtig abgewickelt werden.
Genau diese intransparente “besondere Regelung” der Einsatz-Doktrin gilt jetzt bereits in einer beliebigen, womöglich höchst harmlosen Situation, von der erst noch niemand weiss, wer sie denn nach welchen Kriterien zur “ausserordentlichen Lage” erklärt hat. Denn die renovierte Fassung der APF-Verordnung kennt nur noch “ordentliche” und “ausserordentliche Lagen”: Auf einen Grossbrand in einer Zeitungsdruckerei, lässt sich daraus schliessen, soll die APF offenbar gleich reagieren wie auf einen Krieg – mit Aktivdienst.
Die deutlich schärfere Formulierung in der APF-Verordnung kann sich nach Meinung von Oberstleutnant Anton Schaller – bei der APF Chef der TV-Truppe, im Zivilberuf stellvertretender Chefredaktor des DRS-Fernsehens – in der Praxis “verhängnisvoll” auswirken: “Weil jetzt die APF, deren Einsatz in jedem Fall so weit wie möglich hinausgeschoben werden sollte, bereits in einer nebulös definierten ,ausserordentlichen Lage’, also viel zu früh, aufgeboten werden kann.”
Andern APF-Strategen, die längst von einem “richtigen Einsatz” träumen – wie et-wa der beamtete APF-Chef Roland Schneider oder der als APF-Kommandant fun-gierende PR-Berater Ulrich Bollmann – , kommt diese vom Bundesrat konzedierte Möglichkeit mit Sicherheit zupass. Und sie war ihnen wohl auch den Preis der Zensur-Abschaffung wert.
Trotzdem musste auch die Mehrheit der hohen APF-Herren, der die Neuregelung willkommen ist, einen Wermutstropfen schlucken. Kaum hatten sie sich über das bundesrätlich verordnete Geschenk gefreut, durften sie erfahren, was sie zuvor offensichtlich nicht gewusst hatten: dass ihre Truppe unterwandert ist. Oberst Efrem Cattelan, der Chef der famosen Geheimarmee “P-26”, verriet nämlich, dass seine Mannen im “feindbesetzten Land” via APF hätten alarmiert und zu ihren Einsatzorten beordert werden sollen: mittels verschlüsselter Botschaften, die von Radiostationen unter APF-Kommando ausgestrahlt worden wären.

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