10. Juli 2007 von Klartext

Urheber haben Rechte

hs./ Alle wissen, dass es Urheberrechte gibt. Aber welche Medienschaffenden waren nicht schon unsicher, wie sie mit ihren Urheberrechten an Text oder Foto umgehen müssen? Wer kennt den entsprechenden Artikel im Gesamtarbeitsvertrag? Was sollte eine Fotografin auf der Rückseite ihrer Bilder vermerken, damit ihre Urheberrechte (besser) beachtet werden? Ist es kostenlos und folgenfrei, Bilder als Illustration zu publizieren, wenn sie im Internet frei zugänglich sind? Was tut eigentlich die Pro Litteris, die AutorInnen und UrheberInnen vertritt? Diese Fragen beantwortet ein Workshop, der vom Schweizer Forum für Kommunikationsrecht in Zusammenarbeit mit den Freien Berufsjournalistinnen und -journalisten Zürich und dem Zürcher Presseverein organisiert wird. Er richtet sich an freie JournalistInnen, FotografInnen, ZeichnerInnen und RedaktorInnen sowie an JuristInnen, die an praxistauglichen Lösungen für alltägliche Fragen interessiert sind. Den Kurs geben die beiden Rechtsanwälte Dr. Daniel Alder und Dr. Michael Hamm; er kostet 35 Franken. Die Zahl der Teilnehmenden ist auf 30 beschränkt.

Urheberrecht im journalistischen Alltag, Mittwoch, 13. November 2002, 17 bis 19.30 Uhr, ETH Hauptgebäude, Raum E 33.3, Rämistrasse 101, Zürich. Anmeldung erforderlich bis zum 4. November 2002, unter www.sf-fs.ch.

10. Juli 2007 von Fredi Lerch

Der Fehltritt von Binggis

HAST DU SEINE STIMME AUCH IM OHR? Sein sonores Baseldeutsch, wenn er in der “Radio-Musik-Box”, im “Spasspartout” oder im “Kaktus” zu hören ist? Jürg Bingler ist ein Mann mit menschenfreundlichem Humor, Satire-Redaktor bei DRS 1 seit 22 Jahren; über 500-mal ist er als Verseschmied “Binggis” aufgetreten. Ein routinierter Radiomacher, der weiss, was drin liegt und was nicht – aber auch, was wirkt. Ein trittsicherer Grenzgänger: Macht er einen Fehltritt, könnte es sein, dass keine Grenzüberschreitung, sondern eine plötzliche Grenzverschiebung vorliegt.

“HALLOOO, LIEBI LÜT!”, flötet die Sprecherin, “das isch Schwizer Radio DRS 1! Nöi mit über 280 Signet, zähmal meh Wätterfrosch pro Tag und vil meh Verpackig als Inhalt. Schwizer Radio DRS 1: jung, smart und luschtig. Schwizer Radio DRS 1: ds gröschte Lokalradio vo der Schwiz.” Diese Parodie auf einen DRS-1-Trailer hat Bingler für die Satiresendung “Kaktus” vom 1. Mai 2002 geschrieben und produziert. Nach ihrer Ausstrahlung war Radio-intern Feuer im Dach: Der Leiter Ton von DRS 1, Walter Kälin, fühlte sich ans Bein gepinkelt, der Programmleiter Christoph Gebel gar in die Wade gebissen. Er verfügte, der Autor Bingler sei als “illoyal” zu massregeln. Die Rüge auszusprechen hatte Fritz Zaugg, Leiter Hörspiel und Unterhaltung: Die eigene Firma Betreffendes sei zuerst den Vorgesetzten zur Genehmigung vorzulegen. “Noch so eine Satire und du bist deine Stelle los.”

“WER SICH GETROFFEN FÜHLT, DER WAR GEMEINT.” Diese Faustregel für gute Satire stammt von Werner Finck, dem mutigsten deutschen Kabarettisten der Kriegs- und Nachkriegszeit. Zitiert hat sie anlässlich der Verleihung des “Salzburger Stiers” für Kleinkunst in Winterthur am 1. Juni Radiodirektor Walter Rüegg als Pointe seiner Ansprache. Das ärgerte Bingler, der die Radioübertragung dieser Ansprache live und loyal zu moderieren hatte. Deshalb schrieb er Rüegg einen Brief und fragte: “Ist denn Satire noch echte Satire, wenn die Betroffenen diese vorher selber zensurieren, auch wenn es ‚nur‘ die Chefredaktion ist?” Rüegg belehrte daraufhin per Mail: Das Wort “Zensur” sei in dieser Geschichte “weiss Gott fehl am Platz”, denn er habe nicht vor, seine Weisung, “dass alles, was das Haus über sich selbst berichtet, über das Pult des Chefredaktors muss”, als “Zensurmassnahme” zu verstehen. Im Übrigen müsse man als Autor “nicht immer Zensur wittern, wenn jemand den eigenen Beitrag nicht so toll findet”. Da ist was dran. Gebel hatte ja via Zaugg tatsächlich nicht mit Zensur, sondern bloss mit Entlassung gedroht.

SATIRE, HAT RÜEGG IN WINTERTHUR DEFINIERT, sei “absichtsvolle Alternative zu dem, was bei uns manchmal mit etwas moralinsaurem Unterton und vorwurfsvoll gern als ‚Sauglattismus‘ bezeichnet wird”. Eine bemerkenswerte Formulierung, subtil grundiert von jenem Ressentiment, das ehemalige Lokalradio-Cracks wie Rüegg oder sein Adlat Gebel hegen müssen gegen altgediente DRS-Intellektuelle mit ihrer fixen Idee von gehaltvollem Radio. Mag sein, die Formulierung wurde inspiriert vom Ärger über Binglers Trailer-Parodie, die genau diese Tendenz zum Sauglattismus im Staatsradio auf die Schippe genommen hatte.

MÄNGISCH CHEHRT’S AB AUEM TRÄIE. Im September hielten nun sowohl der Direktor des Bundesamts für Kommunikation, Marc Furrer, als auch sein Chef Moritz Leuenberger öffentlich fest, Radio DRS 3 werde seiner “Zielvorgabe”, “amtlich bewilligter Störsender” zu sein, nicht mehr gerecht – Leuenberger stellte einen Beirat in Aussicht, der DRS 3 per “diskursiver Qualitätssicherung” an diese Zielvorgabe erinnern solle. Nicht nur Rüegg und Gebel begriffen: Der Bundesrat prüft Massnahmen, damit das Staatsradio unter dem Stromlinienterror der Einschaltquoten-Fetischisten nicht ganz in Mainstream-Geplätscher und Sprachdurchfall versumpft.

NEUE BEFEHLSAUSGABE. Quasi folgerichtig hatte Fritz Zaugg als Meldeläufer seiner Vorgesetzten dem Untergebenen Bingler im September Neues zu übermitteln: In gnadenreichem Ratschluss hätten Rüegg und Gebel für richtig befunden, Satire-Beiträge über Sachverhalte, die die eigene Firma betreffen, wieder zu erlauben. Man wird die Neuigkeit interpretieren dürfen als Befehl zur satirischen Selbstkritik als vorauseilender Gehorsam von Radiogenerälen gegenüber einem grummelnden Bundesrat. Die schönste Satire ist eben doch die Realsatire.

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