10. Juli 2007 von Klartext

Unmut bei SR DRS

hs./ “Wen haben Sie heute schon gerüeggt?”, lautet das neue interne Witzchen, mit dem die MitarbeiterInnen von Schweizer Radio DRS ihre Stimmung zu heben versuchen. Aber böse Sprüche ändern die Situation noch nicht. Deshalb lancierten fünf SSM-GewerkschafterInnen eine Petition für ein “besseres Betriebsklima bei SR DRS”. Dieses hat sich in den letzten Wochen und Monaten verschlechtert (siehe Seite 38). Die PetitionärInnen beklagen die “zunehmende Hierarchisierung und einen ausgeprägten Top-Down-Führungsstil”. Sie kritisieren, “dass bei SR DRS vermehrt einzelne MitarbeiterInnen eingeschüchtert werden – auch Angestellte, die ihre Kritik strikt intern formulieren und/oder direkt an ihre Vorgesetzten richten”. Vor allem empören sich die PetitionärInnen noch immer über die “Entgleisung von DRS-1-Leiter Christoph Gebel”, die sie als “sichtbares Zeichen für diesen Klimawandel” erachten. Gebel hatte in einem internen Mail, das durch Versehen publik wurde, die MacherInnen der nach 30 Jahren eingestellten “Radio-Musik-Box” angegriffen: “Alle 30 Jahre einmal etwas arbeiten und schon wehleidig (…) sollen sie sich doch auf unsere Kosten noch einmal besaufen (…) es gibt in der Nähe von Friedhöfen extra Beizen, die auf den Leichenschmaus vorbereitet” seien.
Die PetitionärInnen fordern einen Führungsstil, “der sich auszeichnet durch Offenheit, Transparenz und Dialogbereitschaft – und der Wissen und Anregungen der Mitarbeitenden ebenso ernst nimmt wie allfällige Kritik”. Die grossen Veränderungen der nächsten Jahre könnten nicht gegen die Mitarbeitenden durchgesetzt werden, “wenn sie erfolgreich sein sollen”.

10. Juli 2007 von Klartext

Aufklärungsbedarf

nl./ Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes (DEZA) hat in Jugoslawien die Publikation eines Handbuchs für Medienschaffende zu der sensiblen Berichterstattungsthematik Frauenhandel/Trafficking mitfinanziert. Pierre Maurer, stellvertretender Koordinator der DEZA in Jugoslawien, erklärt gegenüber KLARTEXT, dass die Unterstützung für ein solches Projekt auf der Linie des übrigen humanitären Engagements der Schweiz auf dem Balkan liege. “Und die Reaktionen seit der Veröffentlichung bestätigen uns”, so Maurer, “dass in diesem Bereich durchaus ein Bedürfnis nach Aufklärung besteht.”
Die Publikation wendet sich an JournalistInnen, Redaktionen und Medienunternehmen, in erster Linie solche aus der Bundesrepublik Jugoslawien. Auf knapp hundert Seiten werden die essenziellen Fakten und Hintergründe zu “Trafficking” präsentiert, wie etwa die Gesetzeslage in den Ländern des Südbalkans, Funktionsweise der mafiösen Strukturen, die “Trafficking” betreiben sowie die Rolle der Medien. Eine englische Ausgabe des Handbuchs richtet sich an internationale Medienschaffende, die sich des heiklen und komplexen Themas annehmen wollen.
Das Handbuch ist das Resultat einjähriger Recherchen der Belgrader Journalistin Jelena Bjelica in ganz Osteuropa. Anlass für die Publikation war die Berichterstattungsweise zum Thema in den jugoslawischen Medien. Oft habe das Interesse an sensationsgeladenen Stories mit dem auflage- und einschaltquotensteigernden Mix von Sex & Crime im Vordergrund gestanden, sagt Bjelica. Seit der Veröffentlichung des Handbuchs im August habe sich dies bereits wahrnehmbar geändert. “Einzelnen Artikeln und Reportagen merkt man an, dass die AutorInnen das Handbuch gelesen haben.” Insbesondere der korrekten Terminologie werde nun mehr Beachtung geschenkt und vermehrt von “Trafficking” gesprochen, und nicht mehr verharmlosend oder vereinfachend von Frauenhandel oder Ähnlichem.

Jelena Bjelica: “Trafficking in Human Beings in the Balkans – Manual for Journalists”. Belgrad 2002.

Aktuelles Heft:

 

EDITO
Ausgabe: 5 | 2018

  • Schaffhausen für Öffentlichkeitsprinzip
  • Fragen im “Opferzeitalter”
  • Umweltskandale in Chile
  • Regionaler Online-Journalismus
  • Ist vor “No Billag” nach “No Billag”?
  • Bilder von Flurina Rothenberger
  • und anderes mehr