11. Juli 2007 von Klartext

Vater Schnyder schreibt Rechtsgeschichte

Das Bundesgericht hat erstmals ein Medienhaus wegen Persönlichkeitsverletzung zur Herausgabe des erzielten Gewinnes verpflichtet. Das Urteil setzt Pflöcke, die in der Praxis nicht stehen bleiben dürfen. Von Peter Studer.

Da hatte der Vater von Patty Schnyder besorgt den Privatdetektiv Rainer Hofmann auf Rainer Harnecker, den esoterischen Liebhaber seiner Tochter, angesetzt – und zuletzt nahm Hofmann selber mit Patty eine Beziehung auf. Das Verhältnis zwischen Vater und Tochter verschlechterte sich drastisch. Offenbar engagierte sich Beat Kraushaar vom „SonntagsBlick“ im Übermass für die Tochter. Jedenfalls klagte Willy Schnyder wegen sechs Artikeln und machte Persönlichkeitsverletzung geltend (schon der Presserat hatte den „SonntagsBlick“ in dieser Sache wegen mangelnder Fairness gerügt). Die Zürcher Gerichte gaben Schnyder teilweise recht: Er sei zu Unrecht als „Taliban“, als undurchsichtiger Geschäftemacher, Veruntreuer, Erpresser, Nötiger beschuldigt worden. Das Obergericht befahl eine Urteilsveröffentlichung; diese kompensiere einen allfälligen Genugtuungsanspruch auf Geldzahlung wegen seelischer Verletzung.

Erstes Urteil nach 22 Jahren
Vor Bundesgericht trat Vater Schnyder unter anderem noch mit dem Begehren an, es sei ihm der von Ringier mit den Angriffen auf ihn erzielte Gewinn herauszugeben: 75’000 Franken oder eine Summe nach gerichtlicher Schätzung. Tatsächlich hat der Gesetzgeber eine solche Herausgabe bei der Reform des Persönlichkeitsschutzes 1985 zusammen mit der Gegendarstellung sowie dem Publikationsverbot eingeführt (Art. 28 a ZGB). Jetzt fällte das Bundesgericht das erste Urteil auf Gewinnherausgabe gegen ein Medienhaus. Genauer: Es schob den „Schwarzen Peter“ mit dieser Anweisung an das Zürcher Obergericht zurück.*

Ist Nachweis überhaupt möglich?
Das Zürcher Obergericht wollte ursprünglich nichts davon wissen: Schnyder habe nicht nachgewiesen, welche Auflagesteigerungen aus den einzelnen verletzenden Artikeln resultiert hätten. Schnyder hingegen meinte, die Zahlen müsse Ringier liefern oder sonst halt das Gericht schätzen. Beides wäre gleichermassen schwierig, hat doch der stellvertretende „Blick“-Chefredaktor Markus Rohr 2006 in einem Referat an der Herzberg-Tagung des Vereins „Qualität im Journalismus“ glaubhaft gemacht, dass grobe Skandalgeschichten in der Schweiz eher nicht zu Auflagesteigerungen führten. So war ja auch aufgrund zahlreicher Indizien der „Fall Borer“ (2002) ein Rohrkrepierer für das Haus Ringier.
Auf vollen drei Seiten schlägt sich das Bundesgericht mit der theoretischen Begründung eines solchen Herausgabebefehls herum; das sei der KLARTEXT-LeserInnenschaft hier erspart. Jedenfalls hat das Gericht den Anspruch auf Herausgabe des Gewinns grundsätzlich bejaht. Es bestätigt, nunmehr müsse es sich vom Gewinn als auch vom Zusammenhang zwischen verletzenden Artikeln und ebendiesem Gewinn „objektiv“ überzeugen. An die Beweisbarkeit dürfe man aber nicht so hohe Ansprüche stellen, dass der entsprechende Gesetzesanspruch auf Gewinnherausgabe ausgehebelt werde.

Gericht argumentiert mit Werbeslogan
Das Bundesgericht erkennt zunächst, der „SonntagsBlick“ sei eine „typische Kioskzeitung“, deren Verkaufszahlen „a priori stärkeren Schwankungen unterworfen“ seien. Fachleute beziffern diese Schwankungen allerdings auf bloss etwa fünf Prozent. Nach eigenen Internet-Werbeangaben, so das Bundesgericht, sei das Blatt „hautnah dabei“. Und dann spekulieren die Lausanner Richter – im Brustton des Indikativs: „Wer hautnah dabei sein will, muss die natürliche Neugier des Publikums auf vermeintliche und echte Skandale …, insbesondere aber auch auf (Home-)Stories … gar aus der Intimsphäre … schüren und befriedigen.“ Es sei „gerichtsnotorisch, dass der ‚SonntagsBlick‘ sich hierzu auf permanenter persönlichkeitsrechtlicher Gratwanderung befindet und es dabei auch zu Persönlichkeitsverletzungen kommen kann“. Die regelmässige Befriedigung der geweckten LeserInnengelüste geschehe „unter anderem durch gross aufgemachte Berichte über das private Ungemach bekannter Zeitgenossen“.

Amateursoziologische Prosa
Aus dieser amateursoziologischen Prosa folgert das Bundesgericht, die Kausalität zwischen unrechtmässiger Persönlichkeitsverletzung und Gewinnerzielung sei zu bejahen. Jedenfalls soweit die entsprechende Berichterstattung über Vater Schnyder durch die Aufmachung geeignet gewesen sei, „zur Erhaltung der Auflage und damit zur Gewinnerzielung beizutragen“.
Herauszugebender Gewinn sei – so die richterliche Schätzung im Grundsatz – die „Differenz zwischen dem tatsächlichen und dem hypothetischen Vermögensstand des Verletzers mit und ohne die inkriminierte Berichterstattung [der Serie gegen Vater Schnyder]“. An welche Summen ist da zu denken? Während der öffentlich-mündlichen Urteilsberatung hat der Referent des Falls einen Betrag von 50’000 Franken beantragt. Dem mochten die Mitrichter nicht einfach so zustimmen: Es fehle an Sachabklärungen über die Betragshöhe. Zuletzt dann einigte sich die Richterbank auf die Weiterreichung des „Schwarzen Peters“: Es wäre „aus mehreren Gründen nicht opportun“, wenn das Bundesgericht jetzt diese Schätzung selber vornehmen würde, seien doch vielleicht noch Beweise zu erheben. Mit tadelndem Unterton: Das solle gefälligst das Zürcher Obergericht tun. Dieses wäre über die Dienstanweisung aus Lausanne wohl nicht gerade begeistert gewesen, hatte es doch die Klage auf Gewinnherausgabe in diesem Fall bereits abgewiesen. Das Bundesgericht tröstete daher Vater Schnyder schon einmal vorsorglich, es stehe dann wieder als Rekursinstanz zur Verfügung.
Die Strafübung bleibt dem Zürcher Obergericht jetzt aber doch erspart. Kurz nach der Urteilsverkündung hat Vater Schnyder ein Vergleichsangebot des Hauses Ringier angenommen. Damit ist der Fall erledigt.

Ungeahnte Risiken
Drei Schlussbemerkungen: 1. Achtung „Tages-Anzeiger“! Der höchst agressive Slogan „Wir bleiben dran“ offenbart bisher ungeahnte Risiken – jedenfalls beim nächsten Persönlichkeitsverletzungsprozess. 2. Die Herausgabe einer Boulevardzeitung rückt allmählich in die Zone einer Kausalhaftung. Das heisst: Das Medienhaus würde ohne Rücksicht auf den bewiesenen konkreten Kausalzusammenhang zwischen einzelnen Artikeln und schuldhaften Vermögens- oder Seelenschädigungen im Einzelfall haften. Sondern einfach, weil es einen gefährlichen, mit angeblich aufreizenden Werbesprüchen garnierten Betrieb führt. Der Richter hält den Finger in den Wind und schätzt sehr ungefähr die Wahrscheinlichkeit des Schadens einer mehrteiligen „Kampagne“. 3. Schadenersatz war vom international geschäftenden Vater Schnyder – im Ausland interessiert sein Familienstreit nicht – kaum zu beweisen. Aber für mich ist schwer verständlich, dass die Gerichte Vater Schnyder nicht mit hohen Genugtuungssummen für die einzelnen Artikel zum Ausgleich seelischen Schmerzes verholfen haben. Stattdessen griffen sie ganz zuletzt in Lausanne zum unerprobten Schwert der Gewinnherausgabe. Nun mag die Gewinnherausgabe in gewissen Lebenssachverhalten bemessbar sein. Bei Zeitungen nicht, hängt doch die Sonntagsauflage von vielen Faktoren bis hin zum Wetter ab – und kaum je von einer Skandalstory allein. Da ist Gewinnherausgabe als Wiedergutmachung untauglich.

* Urteil 5C.66/2006 vom 7. Dezember 2006

Der Autor

Der Jurist Peter Studer war Chefredaktor des „Tages-Anzeigers“ und des Schweizer Fernsehens. Bis Ende 2007 präsidiert er den Schweizer Presserat.

11. Juli 2007 von Bettina Büsser

„Es lohnt sich auch heute, eine klare Meinung zu vertreten“

Markus Spillmann, seit April 2006 Chefredaktor der „Neuen Zürcher Zeitung“, erläutert seine Vorstellungen von gut gemachten und bürgerlich gesinnten Medien.

Klartext: Schaut man die neue NZZ an – die neue Frontseite mit Anrissen aus allen Ressorts, das neue Beilagenregime – hat man das Gefühl, Sie seien für NZZ-Verhältnisse ein Revolutionär.
Markus SPILLMANN: Ich glaube nicht, dass ich ein Revolutionär bin. Das Redesign einer Zeitung ist immer das Produkt eines Teams. Wir haben intern schon länger darüber gesprochen; es gab schon länger dauernde Vorarbeiten, sorgfältige Analysen und viele Gespräche in der Redaktion. Ich habe letztlich einfach Geschwindigkeit hineingebracht und entschieden: Jetzt wagen wir diesen Schritt. So gesehen ist das keine Revolution.
Klartext: Aber auffällig, gerade, weil sich die Frontseite der NZZ wahrnehmbar verändert hat.
SPILLMANN: Es ist eine Abkehr vom bisherigen Konzept der „Neuen Zürcher Zeitung“, die genuin gesehen keine Frontseite gepflegt hat. Seite eins war die Bund-Auftakt-Seite des Auslands. Das war eine berechtigte Form, sie hat aber auch immer wieder dazu geführt, dass wir die Aktualität und die Vielfalt anderer Teile der Zeitung nicht adäquat abbilden konnten. Für mich war klar, diese Zeitung braucht eine Frontseite.

Klartext: Auch die Abschaffung der Ratsprotokolle wirkt wie ein fundamentaler Schritt – weg von der NZZ als „Instanz“, die protokolliert, was geschehen ist. Muss man nun mit dem Schlimmsten rechnen? Boulevard?
SPILLMANN: Was bitte hat Boulevard mit Ratsprotokollierung zu tun? Boulevard ist eine Stilform und ein publizistisches Konzept. Man kann der NZZ andichten, weil sie nun Farbbilder bringt, mache sie Boulevard. Aber das ist Quatsch. – Die Ratsprotokollierung hatte für uns lange Zeit eine sehr wichtige Funktion. Es ist die authentischste Form, um das politische Parlamentsgeschehen wiederzugeben. Es war eine Dienstleistung, die gerechtfertigt war, weil sie sonst niemand erbracht hat. Unterdessen übernehmen das aber in Bern die Parlamentsdienste; die Protokolle stehen innerhalb von kürzester Zeit im Internet. Gleichzeitig hat die Protokollierung sehr viele personelle Ressourcen von hoch qualifizierten Journalisten gebunden. Ich bin aber der Meinung, dass wir wieder stärker unsere journalistischen Qualitäten hervorheben müssen. Da wir nicht einfach immer mehr Personal anstellen können, müssen wir die Prioritäten richtig setzen. Eine Quintessenz daraus ist nun, dass wir darauf verzichten, die Protokollierung zu leisten. In Bern war die Reaktion übrigens so, dass es gar keine Reaktion gab.
Klartext: Auch nicht beim Zürcher Kantonsrat oder vom Zürcher Gemeinderat?
SPILLMANN: Beim Kantonsrat dauert es mehrere Wochen, bis die Protokolle im Netz stehen. Dort reagierten die Protokollführer: „Jetzt müssen wir ein bisschen schneller arbeiten.“ Beim Gemeinderat gibt es diesen Dienst nicht. Deshalb haben wir da auch am längsten über die Abschaffung debattiert. Wir haben uns jetzt trotzdem dafür entschieden. Auslöser war die mehrtägige Verkehrsrichtplan-Debatte im Kantonsrat. Journalistisch ist es unbefriedigend, seitenweise Protokolle zu erstellen. Also haben wir entschieden, diese Debatte zu synthetisieren, die wichtigen Entscheidungen darzulegen. Damit haben wir die neue Form der Ratsberichterstattung quasi eingeführt und festgestellt, dass sie gar nicht so schlecht ist.
Klartext: Geht es nun weiter mit den Veränderungen bei der NZZ? Und wenn ja, wo?
SPILLMANN: Sie meinen bei der Zeitung? – Es gibt verschiedene Projekte, die wir vorantreiben werden und auch vorantreiben müssen. Aber wir arbeiten jetzt erst mal auf dieser Basis weiter, denn es ist nicht sinnvoll, wenn man immer wieder Veränderungen vornimmt. Beim Radio- und Fernsehprogramm werden wir bald eine Korrektur vornehmen. Da haben wir einen Fehler gemacht und zu stark reduziert. Wir haben an den Reaktionen festgestellt, dass unsere Leserinnen und Leser es tatsächlich noch nutzen. Wir sind für viele Leute eben auch eine Programmzeitschrift.

Klartext: Ebenfalls viele Reaktionen brachte die Abschaffung des Magazins „Ticket“. Es gab einen organisierten Protest von Kulturschaffenden. Wie haben Sie darauf reagiert?
SPILLMANN: Ich reagiere immer gleich bei solchen Sachen: Ich nehme sie ernst. Ich erhalte jeden Tag Dutzende von Mails und Briefen und versuche, alle persönlich zu beantworten. Der „Ticket“-Entscheid war nicht ein primär publizistischer Entscheid. „Ticket“ hat zwar in der Leserschaft gute Resonanz gefunden, aber es war unternehmerisch betrachtet einfach nicht zu verantworten, weiterzumachen. Was viele Leserinnen und Leser in einer ersten Reaktion nicht begreifen: Wir sind ein am Markt operierendes, privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen. Wenn man uns dann Qualitätsabbau vorwirft, wenn ich ein Produkt einstelle, das bis über beide Ohren defizitär ist, muss ich einfach sagen: Wenn wir solche unternehmerisch notwendigen Schritte nicht tun können, leidet an anderen Orten die Qualität.
Klartext: Hatte die NZZ Abo-Abbestellungen wegen der „Ticket“-Einstellung oder wegen der sonstigen Veränderungen?
SPILLMANN: Jede Veränderung in einer Zeitung führt zu einer Flut von Lob und Tadel. Die Entscheidungen bei „Ticket“ und Fernsehprogramm erhielten eher Tadel, das Redesign ist sehr gut angekommen. Über konkrete Zahlen von Abbestellungen gebe ich keine Auskunft, aber sie sind marginal. Ich möchte keinen einzigen Leser verlieren, aber man muss auch sagen: Unsere Kernkompetenz liegt nicht im Fernsehprogramm, sie liegt im „Feuilleton“, in „Literatur und Kunst“, im „Ausland“, in der „Wirtschaft“, im „Inland“. Da sind die Bereiche, wo ich keine Abstriche vorgenommen habe und sicherlich auch keine Abstriche vornehmen werde.

Klartext: Neben der Einstellung des „Ticket“ gab es auch einen Stellenabbau, zum Beispiel im Bereich „Zürich Kultur“. Wie viele Stellen sind insgesamt abgebaut worden?
SPILLMANN: Insgesamt haben wir – mit dem „Ticket“ – im tiefen zweistelligen Bereich Stellen eingespart, also weniger als fünfzehn. Es waren Entlassungen dabei, Frühpensionierungen, zum Teil haben wir interne Umplatzierungen vorgenommen. In „Zürich Kultur“ gab es viele Teilzeitpensen; da ist es schwierig zu sagen, wie viele Stellen es genau sind. Unter dem Strich wurde dort aber ein bisschen reduziert. Ich hätte „Ticket“ sehr gerne weitergeführt und wir haben auch intensiv versucht, es im Anzeigenmarkt besser zu positionieren. Ich mache niemandem einen Vorwurf, dass er bei uns nicht inserieren will. Aber wenn sich dann just jene Klientel über die Einstellung beschwert, die nie oder höchst selten in „Ticket“ inseriert hat, habe ich Mühe. Da kommt die Mentalität zum Vorschein, die Institution NZZ müsse einfach alles bieten, egal, ob es finanzierbar ist oder nicht. Aber ich erhalte keine staatlichen Subventionen, ich muss am Ende des Monats den Leuten ihren Lohn bezahlen können.
Klartext: Bei „Zürich Kultur“ wurde vor allem wahrgenommen, dass Daniele Muscionico geht, die eine sehr profilierte Schreiberin ist. Es heisst, es wurde ihr ein schlechterer Vertrag angeboten, und das hatte zur Konsequenz, dass sie wegging.
SPILLMANN: Das stimmt einfach nicht. Sie hatte ein anderes Angebot und hat es angenommen. Aber ich halte grundsätzlich eisern daran fest, dass ich über Personalinternas keine Auskunft gebe.
Klartext: „Ticket“ fiel weg, nun gibt es „Z. Die schönen Seiten“ – eine Hochglanz-Beilage, die sich für Anzeigen im Luxussegment eignet.
SPILLMANN: „Ticket“ und „Z“ haben nichts miteinander zu tun! „Z“ ist das Resultat einer Evaluation: Wir haben bereits seit zwei Jahren die Beilage „Uhren und Schmuck“ und die beiden „Mode“-Beilagen in Magazinform hergestellt. Man war aus den Erfahrungen dieser zweijährigen Phase überzeugt davon, dass man ein eigenständiges Magazin in diesem oberen Konsumgütersegment positionieren kann. Es war aber auch immer klar, dass es nicht einfach eine weitere PR-Postille werden darf, sondern dass wir einen eigenständigen publizistischen Beitrag leisten wollen. „Z“ ist im übrigen nicht ein Produkt der „Neuen Zürcher Zeitung“, sondern ein Produkt aus dem Hause NZZ, das den zwei Trägertiteln „Neue Zürcher Zeitung“ und „NZZ am Sonntag“ beigelegt wird.

Klartext: Die NZZ hat Auflage verloren. Laut den neuesten Zahlen ist auch die Leserschaft um fast sieben Prozent gesunken. Welche der neuen Massnahmen halten Sie in diesem Zusammenhang für relevant?
SPILLMANN: Wenn wir es genau wüssten, würden wir wahrscheinlich stärker in diese Richtung gehen können. Wobei: Wir werden uns nie einfach nur nach solchen Zahlen ausrichten. Wir haben ein publizistisches Konzept, das vom Qualitätsdenken lebt. Ich persönlich bin felsenfest davon überzeugt, dass es in der Schweiz auch im 21. Jahrhundert – trotz Internet und „20 Minuten“ – möglich ist, genügend kluge Köpfe zu finden, die sagen: Wenn ich schon zwanzig Minuten pro Tag lese, dann möchte ich diese Zeit in das Produkt investieren, das gute Information und gute Leistung liefert. Es ist klar, dass die NZZ heute nicht mehr von vorne bis hinten durchgelesen wird. Deshalb haben wir Einstiegshilfen geschaffen, damit die Leute schneller entscheiden können, was sie interessiert und was nicht.
Klartext: Eine auffällige Qualität der NZZ ist der Auslandteil. Wir haben im Impressum 43 Auslandskorrespondenten gezählt. Das ist eine hohe Zahl. Können Sie sagen, das sei etwas, was Sie nicht antasten müssen?
SPILLMANN: Die Auslandberichterstattung ist ganz klar eine Kernkompetenz dieser Zeitung und es geht darum, dass wir diese Kernstärken weiterpflegen.
Klartext: Die Stellen sind also gesetzt?
SPILLMANN: Das ist jetzt wieder die gewerkschaftliche Optik, Sie wollen eine Arbeitsplatzgarantie. Die kann ich so nicht geben. Aber die neue Front behält ihr klares Bekenntnis zur Auslandorientierung. Das ist unsere Stärke, das gibt es in diesem Land sonst so nicht und auch im internationalen Umfeld sind wir mit dieser Konzeption ziemlich einzigartig.
Klartext: Die Wirtschaft haben Sie jetzt nicht erwähnt.
SPILLMANN: Das war keine bewusste Auslassung. Denn Ausland heisst für mich auch immer Wirtschaft. Es gibt eine Wirtschaftskompetenz im Ausland und es gibt eine Wirtschaftskompetenz im Inland. In unserem Wirtschaftsteil ist es ebenfalls so, dass wir nicht einfach das aus nationaler Sicht wichtigste Wirtschaftsthema auf den Aufschlag nehmen, sondern möglicherweise die international noch gewichtigere Fusion zwischen zwei grossen, börsenkotierten Firmen. Also sind wir auch in der Wirtschaft anders positioniert als alle anderen, vielleicht mit Ausnahme der Fachpublikationen.

Klartext: Auch im Bereich Beilagen hat die NZZ einiges verändert. Das hat wohl zuerst zu Verwirrung geführt, weil die Leserinnen und Leser sich bestimmte Abläufe gewohnt sind.
SPILLMANN: Ich hatte vor der Restrukturierung der Beilagen am meisten Sorge, denn dort ist die Veränderung für den Leser, die Leserin am stärksten sichtbar. An eine neue Frontseite gewöhnt man sich blitzschnell. Wenn man aber eine bisher genutzte Beilage nicht mehr dort findet, wo sie bisher war, ist das ein stärkerer Eingriff. Erstaunlicherweise hat das – zumindest bisher – nicht zu einem Aufstand geführt. Das liegt sicher auch daran, dass wir versucht haben, den Leserinnen und Lesern die Neuerungen proaktiv zu erklären.
Klartext: Gab es Reaktionen wegen der Reportagenrubrik „Zeitbilder“? Sie wird statt zweimal nur noch einmal pro Monat erscheinen. Vor nicht allzu langer Zeit gab es noch wöchentlich „Zeitbilder“ mit Reportagen, die Journalistenpreise gewonnen haben.
SPILLMANN: Die „Zeitbilder“ wird es weiterhin geben, mit genau demselben Konzept, in demselben Umfang. Sie werden aber neu einmal pro Monat als Auftakt des Freitagsbundes „Dossier“ erscheinen. Tatsache ist, dass wir im Bereich der „Zeitbilder“ – wie ganz generell – schauen müssen, dass wir nicht mehr Gelder ausgeben, als wir einnehmen. Jeder, der im Medienbereich tätig ist und sich den Strukturwandel vor Augen führt, weiss, wovon ich spreche: Wir müssen mit den Ressourcen vernünftig umgehen und deshalb unter Umständen gewisse Dinge ein bisschen zurücknehmen. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir mit dieser Beilage auch weiterhin Preise gewinnen werden.

„Ich kenne kein Medienunternehmen,
in dem Redaktion und Chefredaktion eine derart grosse Freiheit geniessen wie bei der NZZ.“

Klartext: Sie haben im letzten Jahr schwarze Zahlen erwirtschaftet, zuvor waren sie rot – wird sich Ihr Spielraum vergrössern?
SPILLMANN: Ich fühle mich nicht eingeengt in meinem Spielraum, im Gegenteil. Ich kenne kein Medienunternehmen, in dem Redaktion und Chefredaktion eine derart grosse Freiheit geniessen wie bei der NZZ.
Klartext: Die Freiheit könnte noch grösser werden.
SPILLMANN: Man kann nie genug haben, das ist klar. Aber ich bin nicht nur Chefredaktor, ich bin auch Vorsitzender der Geschäftsleitung. Ich bin zusammen mit dem Verlagsleiter Daniel Hofer und dem Finanzchef Alfred Hümmerich auch für das Unternehmerische verantwortlich. Wir haben ein Aktionariat, das sehr zurückhaltend ist und in dem aufgrund der Vinkulierungsvorschriften Einzelpersonen sehr wenig Einfluss geniessen – das ist aus journalistischer Sicht perfekt. Der journalistische Spielraum ist so weit gesteckt, wie ich statutarisch gehen kann. Denn laut unserem Statut ist es unsere Zweckbestimmung, bürgerlich-liberale, unabhängige Qualitätszeitungen herauszugeben, daran fühle ich mich gebunden. Aber wie ich diese Zweckbestimmung interpretiere und umsetze, darin bin ich sehr, sehr frei. Dann gibt es noch die unternehmerische Situation. Da ist das Korsett natürlich enger geschnürt, denn unsere Branche steckt in dem wahrscheinlich profundesten Wandel seit der Erfindung des Computers. Die Veränderung des Nutzungsverhaltens, der Strukturwandel im Bereich der Anzeigen, die Hedonisierung der Gesellschaft – das sind alles Faktoren, die uns und alle anderen zwingen, unsere Hausaufgaben zu machen.
Klartext: Ist es nicht schwierig, mit einem journalistischen Herz in der Geschäftsleitung das Korsett enger zu schnüren?
SPILLMANN: Schwierig ist vieles, und es ist nicht immer alles lustig. Es tat mir sehr weh, „Ticket“ einstellen zu müssen. Ich bin sicher nicht der knallharte Manager, dem es nichts ausmacht, Leute auf die Strasse zu stellen. Aber betrachten wir die Alternative: Da gibt es einen Manager, der dem Chefredaktor sec die Vorgaben mitteilt, und wenn dieser sie nicht einhält, wird er ausgewechselt. Das haben wir in Schweizer Medienhäusern oft genug mitverfolgen können. Da ist es mir angenehmer, wenn ich eine unternehmerische Mitverantwortung habe, eingebunden bin und mich einbringen kann. Ich habe ein Statut im Rücken, in dem das Primat der Publizistik festgeschrieben ist. Das heisst: Es gibt eine Grenze, wo ich sagen kann, stopp, das ist nicht mehr unsere Publizistik. Was wollen Sie mehr? Der Preis dafür ist, dass ich mit Widersprüchen leben und vielleicht auch einmal gegen den Journalismus entscheiden muss. Aber es nützt uns Journalisten nichts, wenn wir einfach so tun, als verändere sich die Situation nicht. Wir müssen realisieren, dass wir nicht mehr Geld ausgeben können, als wir einnehmen.

„Wir Journalisten müssen realisieren, dass wir nicht mehr Geld ausgeben können, als wir einnehmen.“

Klartext: Wenn man nachschaut, was Sie geschrieben haben, seit Sie Chefredaktor sind, findet man Texte zum World Economic Forum – das ist Chefsache …
SPILLMANN: Nein, nicht unbedingt.

Klartext: Es liegt auf der Hand, dass der NZZ-Chefredaktor in Davos ist. Aber Sie haben auch einen Kommentar zum Neubau des Zürcher Kongresshauses geschrieben – zu einem lokalen Thema, das ist unüblich. Ist das quasi symbolhaft, um dem regionalen Bereich mehr Gewicht zu geben als bisher?
SPILLMANN: Das klingt jetzt alles so schicksalsschwanger! Ich bin kein Taktierer und deshalb ist es auch nicht meine Art, einen Kommentar mit Blick darauf zu schreiben, ob ich vielleicht damit ein Symbol setzen kann. Die Sachlage war relativ einfach: Wir haben immer wieder über das Kongresshaus diskutiert. Irgendwann stellte sich die Frage: Welche Haltung haben wir als NZZ? Denn wir müssen eine Haltung haben, müssen unser Profil zeigen, sei es politisch oder bei Sachfragen. Es kann sein, dass sich die Fachleute im Haus uneinig sind. Dann mische ich mich ein und sage: Wir müssen uns jetzt auf eine Position festlegen. Beim Kongresshaus war das der Fall. Wir haben abgewogen, irgendwann habe ich den Kommentar geschrieben. Der Text wurde selbstverständlich von allen gegengelesen, das gilt für den Chef genauso wie für alle anderen.
Klartext: Bleiben wir bei der Region: Die NZZ hat lange nicht so gewirkt, als ob sie auch eine Regionalzeitung sein wolle.
SPILLMANN: Das wollen wir auch nicht. Wir sind keine Regionalzeitung, haben aber einen starken Regionalteil. Wir wollen dabei nicht bis ins Quartier gehen, sondern die kantonale, die regionale und überregionale Bedeutung von Zürich herausarbeiten. Zürich hat nun einmal eine gewisse Ausstrahlung auf den Rest des Landes, auch als Wirtschaftsstandort. Gleichzeitig ist Zürich unser Heimmarkt und wir haben eine sehr starke regionale Verankerung. Entsprechend hat das Regionalressort eine ganz wichtige Rolle im Chor aller Ressorts.

„Wir müssen unser Profil zeigen, sei es politisch oder bei Sachfragen.“

Klartext: Die NZZ hat eine grosse Tradition der Ressorthoheit. Nun gibt es neu eine Nachrichtenredaktion, die für die „Kompakt“-Seite und die Frontseite zuständig ist. Hat das nicht Unruhe gebracht? Man kann kleine Königreiche nicht so einfach aufbrechen.
SPILLMANN: Das mit den Königreichen ist ein Klischee. Ich habe nicht den Eindruck, dass sich die Ressortleiter als Könige verstehen oder mich als Königstumsschleifer sehen. Meine Funktion ist es, die Gesamtzeitung zu repräsentieren und zu führen, der Ressortleiter hat die Funktion, sein Ressort zu führen. Wir führen eine sehr sachliche, kollegiale, faire, zum Teil durchaus auch kontroverse Auseinandersetzung um die Gesamtzeitung und das einzelne Ressort. Im manchen Ressorts bringe ich mich mehr ein, weil ich denke, dass wir den Kurs noch etwas ändern oder bestimmte Dinge anders lösen müssen.
Klartext: Mit der Nachrichtenredaktion ist aber ein neues Element hinzugekommen.
SPILLMANN: Sie ist in absolutem Konsens mit den Ressortleitern entstanden. Wenn man mir andichtet, ich würde sie als Instrument zum Aufbrechen der Ressorts brauchen, ist das Quatsch. Die Nachrichtenredaktion ist das Resultat einer nüchternen Analyse. Ich habe festgestellt, dass wir ein Element kreieren müssen, damit wir uns im Abschluss verstärken und über die Ressortgrenzen hinweg besser miteinander koordinieren können. Schliesslich haben wir eine neue Frontseite eingeführt und dazu braucht es eine entsprechende Struktur.

„Wir sind nicht ein Sprachrohr der FDP, ich sage das landauf, landab gerne immer wieder.“

Klartext: Sie sagten bei Ihrem Amtsantritt, die NZZ solle ein liberales Blatt bleiben, Sie wollten dies sogar noch akzentuieren. Was bedeutet „liberal“ in diesem Zusammenhang?
SPILLMANN: Es würde den Rahmen des Interviews sprengen, wenn ich jetzt zu einer Definition des Liberalismus ansetzte. Lassen Sie mich daher so antworten: Die Hedonisierung der Gesellschaft ist ein Faktum; gerade in der jüngeren Generation ist die ideelle oder ideologische Verbundenheit zum Beispiel mit einer politischen Partei schwächer als je zuvor. Das ist für uns sicherlich die grössere Herausforderung als für eine Forumszeitung oder eine Zeitung, die sich eher populär nach dem Mainstream richtet. Nichtsdestotrotz bin ich überzeugt davon, dass es sich auch in der heutigen Zeit lohnt, eine klare Meinung zu vertreten. Und sich daran zu halten. Das tun wir im Rahmen des liberalen Geistes oder der liberalen Idee, wie wir sie als NZZ ja schon seit jeher verkörpern.
Klartext: Als Chefredaktor haben Sie gewisse Vorstellungen, was Sie unter „liberal“ verstehen.
SPILLMANN: Ja. Aber es so allgemein zu definieren, ist schwierig. Ich zeige es lieber an einem konkreten Beispiel. Nehmen wir die Managerlöhne. Da, finde ich, hat die NZZ eine sehr gute, sehr liberale Position eingenommen. Wir haben darauf hingewiesen, dass wir einerseits diese letztlich doch sehr durch Neid geprägte Debatte daneben finden, auf der anderen Seite aber sehen, dass es eine gewisse staatspolitische und gesellschaftspolitische Mitverantwortung auch dieser Kaste gibt. Dass wir aber in diesem Zusammenhang das Aktienrecht als Instrument sehr stark gewichten und nicht so sehr den staatlichen Interventionismus. – Die liberale Haltung ist nicht einfach eine Ideologie, die einmal definiert und dann durchgezogen wird. Genau das ist das Spannende: Liberal ist nicht widerspruchsfrei, es ist letztlich ein Gedankenkonstrukt, in dem vor allem das sachliche, gute Argument viel zählt und der gesunde Menschenverstand eine gewisse Rolle spielt.

Klartext: Wie ist das heutige Verhältnis der NZZ zur FDP? Wie weit soll die Haltung der FDP in der NZZ durchscheinen?
SPILLMANN: Wir sind nicht ein Sprachrohr der FDP, ich sage das landauf, landab gerne immer wieder. Ich bin ganz bewusst nicht Parteimitglied; das hat nichts mit der Partei zu tun, sondern damit, dass daraus Interessenskonflikte entstehen können, die im modern verstandenen Journalismus nicht mehr akzeptabel sind. Punkt. Das ist auch kein Widerspruch zu meiner vorherigen Aussage, dass wir ein Profil haben müssen. Man kann als Journalist, als Meinungszeitung eine Meinung kundtun, die bürgerlich-liberal ist, wie das unser Auftrag ist, ohne deswegen ein Parteibuch zu tragen. Wir unterstützen eine liberale Politik, eine liberale Wirtschaftsordnung, eine liberale Gesellschaftsordnung. Wenn sich eine Partei auch diesem Credo verpflichtet fühlt – und ich glaube, es ist in diesem Land nur die FDP, die diesen Anspruch erfüllen kann –, dann ist es gut. Aber wenn sie als politische Partei Kompromisse eingehen muss, um Wahlen zu gewinnen, fühle ich mich als NZZ-Vertreter nicht verpflichtet, ihr zu folgen. Wir massen uns an, eine eigenständige Haltung anzunehmen.
Klartext: Es ist NZZ-Tradition, dass der Chefredaktor alle Kommentare gegenliest. Wie häufig spielt die liberale oder eben nicht liberale Haltung eine Rolle, wenn Sie bei einem Kommentar eingreifen?
SPILLMANN: Wir diskutieren Kommentare sehr intensiv, vor allem natürlich bei Inland- oder regionalen Themen. Ich habe die publizistische Verantwortung wahrzunehmen, das wird von mir erwartet, auch von meinen Vorgesetzten. Wenn ich das Gefühl habe, das geht mir jetzt zu weit, dann interveniere ich und dann wird diskutiert. Bei der NZZ ist ein Kommentar zwar gezeichnet, aber er hat immer auch die Position der Zeitung zu reflektieren. Es geht oft nicht um die grundsätzliche politische Dimension, sondern um die Tonalität, den Stil. Die NZZ ist keine Fertigmacher-Zeitung, auch in den Kommentaren.

Klartext: Auf die Zürcher Wahlen hin hat „NZZ Online“ eine ganze Reihe von Blogs mit allen Parteien gestartet, die stark genutzt werden. Was geschieht nach den Wahlen? Soll „NZZ Online“ zum Politblog-Zentrum der Schweiz werden?
SPILLMANN: Ich habe Freude an „nzzvotum“; es ist smart, wird gut genutzt, eine gute Form von intelligentem, crossmedialem Zusammenwirken zwischen Print und Online. Wir möchten gerne in diese Richtung weitergehen. Mein Anspruch dabei ist: Wir wollen die Besten sein. Denn das Unternehmen hat den Ruf zu verteidigen, in einem bestimmten Qualitätssegment die besten Produkte herzustellen. Es geht um unsere Publizistik, um Inhalt. Via welchen Kanal wir diesen Inhalt an unsere Nutzerinnen und Nutzer bringen, ist letztlich die Entscheidung dieser Klientel. Wir müssen fähig sein, den Inhalt kanalgerecht anzubieten und ihn auch zu finanzieren. Wir haben tolle Produkte – am Werktag, am Sonntag, im Magazin-Bereich, aber auch bei den elektronischen Medien. Wir haben ein tolles Unternehmen, wir haben hervorragende Mitarbeiter, wir haben einen exzellenten Ruf. Ich glaube, dass wir eine sehr gute Zukunft haben. Ich bin überzeugt, dass das Pendel wieder zurückschlagen wird: Irgendwann sind es die Leute müde, einfach nur mit schneller Information zugeschüttet zu werden.

Das Gespräch führten Bettina Büsser und Hans Stutz am 4. April 2007 in Zürich.

Geld aus der Provinz für die NZZ-Gruppe

hs./ Auch im vergangenen Jahr erwirtschaftete die NZZ-Gruppe einen respektablen Gewinn; sie verdankt ihn jedoch vor allem ihren Beteiligungen. Insgesamt wies die Gruppe 2006 einen Gewinn von 31,3 Millionen aus, was mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zu 2005 (13,6 Millionen) bedeutet. Der Geschäftsbereich NZZ, zu dem unter anderem die „Neue Zürcher Zeitung“ und die „NZZ am Sonntag“ gehören, tragen dazu lediglich 4,7 Millionen bei. (Was für die NZZ-Gruppe insofern erfreulich ist, als dass die „NZZ am Sonntag“ bereits fünf Jahre nach ihrer Lancierung die Gewinnzone erreichte.)
Rund 27 Millionen zum Unternehmensergebnis lieferten jedoch die von der NZZ-Gruppe kontrollierten regionalen Medienhäuser ab. Einträglich sind insbesondere die Mehrheitsbeteiligungen an der St. Galler Tagblatt AG (70 Prozent) und an der LZ Medien Holding AG (51 Prozent) in Luzern. Diese in ihren Regionen dominierenden Multimedia-Häuser werden ihre Stellung in den kommenden Jahren wohl noch ausbauen können.
Von strategischer Bedeutung sind die NZZ-Beteiligungen an den Zürcher Landzeitungen. Die NZZ-Gruppe unterstützt damit den Kampf dieser bürgerlich ausgerichteten Tageszeitungen (u. a. „Zürcher Unterländer“, „Zürichsee-Zeitung“, „Zürcher Oberländer“) gegen die ideologisch ungeliebte Tamedia, bzw. den in der Landschaft als „linksliberal“ verschrienen „Tages-Anzeiger“, der mit seiner Regionalzeitungsstrategie im Kanton expandieren will.

Gesprächspartner

Markus Spillmann, 39, ist seit dem 1. April 2006 Chefredaktor der „Neuen Zürcher Zeitung“ und auch Mitglied der Geschäftsleitung. Er studierte an der Universität Zürich Allgemeine Geschichte, Politische Wissenschaft und Volkswirtschaft. 1995 stieg er als Inlandredaktor beim „Badener Tagblatt“ in den Journalismus ein. Noch im gleichen Jahr wechselte er als Auslandsredaktor zur NZZ. Ab Frühjahr 2001 arbeitete er im Projektteam für die neue „NZZ am Sonntag“, deren Ressort „International“ er übernahm. Gleichzeitig amtete er auch als stellvertretender Chefredaktor.

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