11. Juli 2007 von Bettina Büsser

“Ich will kein Insider mehr sein, sondern ein Outsider”

Kurt W. Zimmermann war unter anderem “SonntagsZeitung”-Chefredaktor und Tamedia-Manager, ist heute Medien-Kritiker – und hat keine Zeit für ein Chefredaktor-Amt.

Klartext: Anfang 2004 wurden Sie in der “Weltwoche” als neuer Medien-Kolumnist begrüsst. In der gleichen Nummer erschien Ihr Artikel “Lob des Zynismus”. War das eine Programmvorschau für Ihre Medien-Kolumnen?
ZIMMERMANN: Nein, es war eine Koinzidenz. Ich hatte mit Roger Köppel darüber diskutiert, dass in der Schweiz kritische Leute gerne als Zyniker abqualifiziert werden, und ihm vorgeschlagen, einen Text zu schreiben, der den Zynismus als philosophische Schule darstellt.
Klartext: Leute, die mit Ihnen zusammengearbeitet haben, finden Ihre Kolumne tatsächlich zynisch: “Zimmi prangert darin an, was er früher bei der ‚SonntagsZeitung‘ oder bei ‚Facts‘ gepredigt hat” – Geschichten hochstemmen, Unternehmer bejubeln und später niederschreiben. So wie Sie es in Ihrer Kolumne zum “Fall Behring” beschrieben haben.
ZIMMERMANN: Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche (lacht), sagt Robert Gernhardt.
Klartext: Es reicht nicht aus, ein Elch zu sein, um ein Kolumnist zu werden.
ZIMMERMANN: Ich bin vielleicht in einer etwas besonderen Rolle, weil ich das, worüber ich schreibe, selber erlebt habe. Ich bin kein Professor und kein Medienkritiker, der nur aus Distanzbeobachtung schreibt. Ich habe viele Höhen und Tiefen des alltäglichen Mediengeschäfts selber mitgemacht. Deswegen kann man mir vermutlich nicht so schnell etwas vormachen. Das ist eine realistische, aber keine zynische Haltung.
Klartext: Sie haben in einer Ihrer Kolumnen den “Hysterie”-Koeffizienten definiert – das heisst, wie häufig in einer Zeitung das Wort “Skandal” vorkommt. Zu Ihrer Zeit haben Sie doch auch so gearbeitet.
ZIMMERMANN: Ich glaube nicht, dass wir zu meiner Chefredaktoren-Zeit so gearbeitet haben. Damals wurde nicht jeder Furz zum nationalen Skandal hochgestemmt. Es hat sich in den letzten zehn Jahren im Journalismus ein ziemlich galoppierender Wechsel vollzogen. Zu meiner Zeit waren diese Lemming-Effekte, diese wechselseitigen Hysteriespiralen, nicht beobachtbar. Seither hat es sich akzentuiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass damals Treibjagd-Phänomene wie der “Fall Aliesch”, der “Fall Regli” oder der “Fall Borer” in diesem Ausmass stattfanden. Ich behaupte nicht, dass wir früher alle Heilige waren, aber da hat ein Quantensprung stattgefunden. Die Tageszeitungen denken heute sehr stark in Kampagnen-Kriterien. Es war früher dem “Blick” und allenfalls den Wochentiteln vorbehalten, Geschichten neu zu lancieren oder Geschichten zu Affären zu machen. Nun sind die Tageszeitungen viel stärker auf diese Eskalationstretmühle aufgestiegen. Der “Fall Behring”, den Sie erwähnt haben, war ein klassischer Fall.
Klartext: Beim “Fall Werner K. Rey” geschah doch in etwa dasselbe.
ZIMMERMANN: Ich kenne zwei echte historische Beispiele, den “Fall Rey” und den “Fall Kopp”. Inzwischen aber hetzen wir von Medienaffäre zu Medienaffäre, von inszenierter “Staatskrise” zu inszenierter “Staatskrise”. Der Rhythmus hat zugenommen, der “Beat” liegt heute bei 128 Schlägen pro Minute, früher waren es vielleicht 40 oder 50 Schläge. Wenn eine Zeitung zu meiner Zeit eine gute Geschichte gebracht hat, haben die anderen Zeitungen eher kritisch gefragt: Steckt wirklich etwas dahinter? Ein an sich natürliches Verhalten für Journalisten, finde ich. Inzwischen stösst eine Zeitung, Zeitschrift oder das Fernsehen eine Story an, und dann springen alle auf diesen Zug auf, anstatt die Geschichte zu hinterfragen. Dadurch kommt dieser Zug natürlich erst recht in Fahrt.
Klartext: Als “SonntagsZeitung”-Chefredaktor haben Sie wahrscheinlich hie und da auch gefragt: “Warum haben wir diese Geschichte nicht?” – und dann nachgezogen.
ZIMMERMANN: Jeder gute Chefredaktor – sonst hat er seinen Beruf verfehlt – muss sich masslos darüber ärgern, wenn eine andere Zeitung eine gute Geschichte hat. Er darf diese gute Geschichte aber nicht a priori als gute Geschichte akzeptieren. Er hat die Pflicht, ein bisschen dahinter zu blicken und zu fragen: Haben die Jungs von der Dufourstrasse, von der Falkenstrasse oder von der Werdstrasse wirklich ihren Job gemacht?

Klartext: Wie definieren Sie Ihre heutige Rolle? In Ihren “Weltwoche”-Kolumnen bezeichnen Sie sich einerseits als “Medien-Überwachungsgeschwader”, zählen sich als “kleiner Medienkolumnist” aber auch zu einem “unbedeutenden Berufsstand”.
ZIMMERMANN: Ich glaube nicht, dass ich mir irgend eine Sonderrolle zubillige. Ich gehöre bedauerlicherweise zu einer etwas raren Spezies, denn in der Schweiz gibt es ganz wenige Medien-Kolumnisten. Ich fände es lustig und interessant, wenn es mehr gäbe. Ich sehe mich als amüsierten und manchmal verärgerten Beobachter und Beschreiber des Mediengeschehens, trete aber nicht mit dem Anspruch an, die Medien zu verändern.
Klartext: Ist das für Sie allgemein die Funktion von Medienjournalismus: beobachten und beschreiben?
ZIMMERMANN: Beobachten und beschreiben ist nicht nur die Funktion von Medienjournalisten, es ist überhaupt die Funktion von Journalisten. Ich bin etwas skeptisch gegenüber der Tendenz, dass Journalisten Stellungen beziehen und deklamatorisches Engagement beweisen sollen. Wir hatten das bis in die 60er Jahre in der Schweiz, mit der so genannten Parteipresse. Dann gab es eine Zwischenphase, in der die Forumszeitungen stark gefragt waren. Damals schien das Postulat der Objektivität wieder auf. Nun ist eine Phase im Gange, in welcher der subjektive Stellungsbezug von Journalisten nicht mehr tabuisiert ist. Es gibt wieder mehr Kollegen, die die Welt beeinflussen und nicht nur beobachten wollen. Ich finde aber, Journalisten haben Beobachter zu sein.
Klartext: Aber wer beschreibt, der nimmt Stellung, schätzt ein. Man kann das gleiche Glas als halb leer oder halb voll beschreiben.
ZIMMERMANN: Natürlich. Ich als Medienkonsument habe ein primäres Bedürfnis: Sachgerechtigkeit. Ich will zuerst mal die Fakten auf dem Tisch haben, ungefiltert. Ich habe mir schon den Scherz erlaubt, wertende Adjektive in so genannten Nachrichtenspalten auszuzählen. Da sehen wir, dass vom traditionellen journalistischen Handwerk – zuerst einmal die Fakten aufzulisten – zum Teil unglaublich wenig übrig geblieben ist. Die Meinung dringt zum Teil durch alle Poren. Ich habe nichts gegen Meinungen, aber ich finde, sie sind nicht prioritär in unserem Beruf. Ausser Sie sind Kolumnist, dann können Sie sich gewisse Freiheiten herausnehmen: Als Kolumnist bin ich ein Meinungsjournalist. Aber ich lese nicht Zeitungen, um mir 200 Meinungsjournalisten zu Gemüte zu führen.

Klartext: Sie bringen in Ihren Kolumnen häufig Listen, Statistiken, Ratings – wir haben das ausgezählt und kommen auf ein Verhältnis von 7:9, also sieben Kolumnen mit Statistiken etc., neun ohne. Listen und Ratings sind ja eigentlich noch keine grossen Aussagen.
ZIMMERMANN: Wenn die Listen meine These stützen, sind die Listen akzeptierbar (lacht). Nein, ich bin hier, wie alle Journalisten, auch ein Opfer der eigenen Resonanz. Ich hab mal ein, zwei dieser Listen gemacht, das haben alle Leute interessant gefunden, weil es so was im Medienjournalismus bisher nicht gab. Mit den Listen versuche ich manchmal, Meinung etwas zu objektivieren oder eine qualitative Aussage einigermassen mit quantitativen Fakten zu unterstützen. Mehr ist es nicht.
Klartext: Sie machen sich gleichzeitig in Ihren Kolumnen darüber lustig. Sie schreiben etwa: “Was also tut der Kolumnist, wenn die Aktualität kein Thema diktiert? In solchen Fällen gibt es (…) nur eine sichere Lösung: Man macht ein Rating. Das Rating ist das publizistische Allwetterformat. Es ist zeitlos, subjektiv und geistig anspruchslos.”
ZIMMERMANN: Ich glaube, dass Journalisten, die frei von Selbstironie sind …
Klartext: … Selbstironie? Oder eine Geste gegenüber Ihren geschätzten Lesern?
ZIMMERMANN: Nein. Ich leide vielleicht an einem Grundsatzfehler, denn ich halte Leser grundsätzlich für intelligent. Wenn ich ein Rating bringe und gleichzeitig sage, es handle sich dabei um ein Rückgrat der Medienindustrie, das in Stunden der Not angewendet werde – es würde mich wundern, wenn die Leser das nicht verstehen. Wir dürfen nicht vergessen: Die Medienindustrie bewegt sich zwischen Informationsvermittlung und Entertainment. Ich möchte informativ sein, möchte aber auch unterhaltend sein.

Klartext: Sie halten Ihr Publikum für intelligent. Wer ist denn Ihr Zielpublikum?
ZIMMERMANN: Ich erziele mit dieser Medienkolumne eine für mich überraschend grosse Resonanz, auch ausserhalb des so genannten Medienkuchens. Wenn ich es an der Resonanz messe, dann wende ich mich eigentlich an ein breites Publikum. Natürlich bin ich prioritär immer noch ein Branchen-Insider, der auch ein bisschen für Branchen-Insider schreibt. Aber es geht doch weit darüber hinaus. Die meisten Leute haben heute keine Primärerfahrungen mehr, was in der Politik, der Wirtschaft läuft. Ihre Wahrnehmung der Welt ist nur noch durch den medialen Filter denkbar, sie sind medial völlig abhängig. Und ich glaube, jeder Filter oder Gate-keeper ist es wert, thematisiert zu werden. Bei jedem Filter, durch den die Leute etwas wahrnehmen, können sie betrogen oder aufgeklärt werden. Eine Zeitung ist wie eine Firewall für die Leser, und ich glaube, die Filter, die Informationen selektionieren, müssen hinterfragt werden.
Klartext: Dann haben Sie einen aufklärerischen Anspruch?
ZIMMERMANN: Das tönt mir jetzt etwas sehr nach Moses Mendelssohn. Aber wenn ich nur den Kaspar oder den dummen August machen möchte, würde ich keine Kolumne schreiben.

Klartext: Es fällt auf, dass Sie in Ihren Kolumnen sehr oft über Zeitungen schreiben, wenig über Zeitschriften, relativ selten über Fernsehen und fast nie über Radio. Widerspiegelt sich da Ihre Einschätzung von der Wichtigkeit der Medien?
ZIMMERMANN: Ich schreibe primär über Zeitungen und Zeitschriften. Ich schreibe eher wenig über Fernsehen, weil Fernsehen das einzige Medienthema ist, das in den normalen Titeln von “Blick” bis “Willisauer Bote” permanent thematisiert und beobachtet wird. Wenn ich eingangs gesagt habe, ich gehöre zu einer sehr seltenen Spezies, stimmt das: Es gibt ganz wenige Medienkritiker in der Schweiz, die das Thema “Medien” ganzheitlich angehen. Es gibt aber sehr viele Fernsehkritiker. Beim Radio wiederum ist es doch so: Wenn wir die drei DRS-Kanäle mal ausscheiden, ist Radio in der Schweiz Dudelfunk. Ich sehe keinen journalistischen Reiz dabei, mich mit Dudelfunk zu beschäftigen.
Klartext: Apropos DRS: In Ihren Kolumnen kommt die SRG nicht gut weg. Einmal haben Sie ausgerechnet, wie viel Umsatz pro Mitarbeiter verschiedene Medienunternehmen erwirtschaften; die SRG hat schlecht abgeschnitten. Nicht mit einbezogen habe Sie aber beispielsweise, dass die SRG-Radios werbefrei sein müssen.
ZIMMERMANN: Man muss Medienunternehmen nicht nur nach publizistischen Kriterien, sondern auch nach betriebswirtschaftlichen Kriterien gerecht werden. Ich finde die betriebswirtschaftliche Sicht im Mediengeschäft heilsam, weil sie vor einer vorschnellen Ideologisierung schützt. Ich hätte die erwähnte Kolumne auch mit Vergnügen gebracht, wenn die SRG im Vergleich sehr effizient gewesen wäre. Verglichen mit den Schweizer Medienunternehmen ist sie aber nicht effizient.
Klartext: Wenn die SRG Programme anbieten muss, die nicht kostendeckend sein können, kann sie nicht funktionieren wie ein privates Medienunternehmen.
ZIMMERMANN: In den letzten vier, fünf Jahren ist die private Medienindustrie in der Schweiz durch einen enormen Schrumpfungsprozess gegangen, der auch einen enormen Effizienz-Gewinn gebracht hat. Sehr vieles, was man als absolut nötig empfand, wurde über Bord geworfen, weil es sich erwiesen hat, dass es eigentlich keine Publikumsresonanz hat. Die SRG wiederum hat einen Auftrag, sie ist in diesem Punkt deutlich weniger flexibel. Aber die SRG hat mit diesem öffentlichen Auftrag natürlich einen wunderbaren Tarnmantel, um Ineffizienzen in der Kostenfrage zu bemänteln.

Klartext: Sie haben in einer Ihrer Kolumnen ausgezählt, wie viele Kommentare die Chefredaktoren grösserer Tageszeitungen in einem Jahr geschrieben haben, und erklärt: Wer viele Kommentare schreibt, hat das Redaktionsmanagement im Griff. Der Inhalt der Kommentare war kein Thema.
ZIMMERMANN: Ich habe für meine Texte nur 4400 Anschläge zur Verfügung, ich kann nicht immer die ganze Welt erklären. Da bitte ich um Nachsicht. Meiner Meinung nach hat der Umstrukturierungsprozess innerhalb der Medienbranche auch das Anforderungsprofil von Chefredaktoren sehr stark verändert. Chefredaktoren wurden Mitte der 90er Jahre, als wirtschaftliche Fragen immer wichtiger wurden, notgedrungen von Ober-Journalisten zu Unter-Managern. Die sehr heilsame Restrukturierung der Branche hat nun dazu geführt, dass heute Chefredaktoren nicht mehr daran gemessen werden müssen, ob sie vier Stellen in der Dokumentation abgebaut haben, sondern an ihrer journalistischen Leistungskraft. Wie es vor 20 Jahren war. – Ich habe in meiner Kolumne gegen die Chefredaktoren gestichelt, die selber nicht mehr schreiben können. Zwei Chefredaktoren haben mir dann gesagt: Eigentlich sähen sie das anders, aber sie wollten sich jetzt Mühe geben (lacht). Und zwei, drei Chefredaktoren haben ihre Frequenz ganz gewaltig gesteigert.
Klartext: Das heisst, Sie sind eine moralische Instanz?
ZIMMERMANN: Nein, das bin ich nicht. Aber ich versuche die Vorgänge in der Medienindustrie nicht losgelöst von gesamtgesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Entwicklungen zu betrachten. Wenn ich falsch liege, verhaue ich mich natürlich gewaltig. Wenn ich richtig liege, werden andere Leute zu einer ähnlichen Schlussfolgerung kommen. Aber eine Instanz, das will und kann ich nicht werden.

Klartext: In Ihren Kolumnen haben Sie auch den “Glaubwürdigkeitsverlust der Medien” thematisiert. Ist das für Sie eines der wichtigsten aktuellen Probleme der Medienbranche?
ZIMMERMANN: Im nicht-kommerziellen Teil ist ein eklatanter Glaubwürdigkeitsverlust das grösste Problem der Medien. Die Leser glauben nicht mehr, was in den Zeitungen steht. Eine der Ursachen ist die Skandalisierungs- und Personalisierungswelle, die wir seit etwa Mitte der 90er Jahre erlebt haben. Ich habe kürzlich in einer Kolumne geschrieben: Wenn man die letzten acht grossen Medienaffären der Schweiz betrachtet, von Borer bis Aliesch – in jedem einzelnen Fall musste sich das Medienhaus hinterher entschuldigen. Fast alle grossen Medienhypes in den letzten zehn Jahren haben mit einer Entschuldigung geendet. Der Leser sieht: Meine Zeitung hat wochenlang auf einem Botschafter, einem Regierungsrat herumgehackt, und das Ganze endet mit einer öffentlichen Entschuldigung, Dass dann die Zeitung nicht unbedingt einen Glaubwürdigkeitszuwachs erlebt, erstaunt nicht. Aber das Problem ist meiner Meinung nach korrigierbar.
Klartext: Wie?
ZIMMERMANN: Die Medien sind zum Glück ein innovationsarmes Gewerbe, man muss gar keine neuen Ideen haben. Es ist ganz einfach: Zurück zum guten alten dialektischen Recherchejournalismus, zuerst die Recherche und dann die Meinung. – Ich war als Journalist auch kein Kind von Traurigkeit. Wir haben uns vor 15 oder 20 Jahren ebenfalls bemüht, Geschichten möglichst gut und möglichst attraktiv zu verkaufen – aber wir haben nicht schon in der Brennstufe, sondern erst in der Endstufe die These gebildet. Wir haben uns gesagt: Lass uns diese Geschichte sauber ausrecherchieren, dann sehen wir, wie sie läuft – nicht umgekehrt. Wir hatten zum Teil, das muss ich fairerweise sagen, Zeit dafür, das zu tun. Heute legt man schon in der Vorstufe zuerst einmal die Story-Line fest und setzt dann zu einer Schein-Recherche an, welche die vordefinierte Story-Line zu bestätigen hat. Natürlich hat es mit Produktionsdruck zu tun – das entschuldigt es aber nicht.
Klartext: Dann müssten Sie eigentlich in Ihrer Kolumne die Medienunternehmer massiv tadeln, weil sie nicht die Ressourcen bereitstellen, um über die Story-Line hinaus zu recherchieren.
ZIMMERMANN: Quantität ist nicht immer identisch mit Qualität. Ich glaube, es war notwendig, dass die Zeitungen mal ihre Kosten angeschaut haben. Jede Organisation setzt mit der Zeit Fett an; die Zeitungen hätten noch lange Fett angesetzt, wenn nicht Aussendruck entstanden wäre. Ich glaube, wir können sagen: Die Zeitungen, die heute mit 20 Prozent weniger Budget kutschieren müssen als noch vor ein paar Jahren, sind nicht schlechter als damals. Sie sind auch nicht besser. Besser werden sie, wenn dort investiert wird, wo die Unterscheidungsmerkmale liegen: bei der Eigenleistung. Natürlich braucht das Ressourcen.
Klartext: Sie haben ja in Ihrer Kolumne auch die “zunehmende Durchwirkung von Journalismus und Public Relations” thematisiert. Ein hohes Risiko bei Sparmassnahmen liegt darin, dass mehr PR abgedruckt wird. Das wirkt sich ebenfalls auf die Glaubwürdigkeit aus.
ZIMMERMANN: Richtig. Aber wir müssen überlegen, ob wir eine akademische Diskussion führen oder eine praktische Diskussion über die Medienrealität. Für mich ist es leicht, von meinem beschaulichen Hochsitz aus die eine oder andere Fehlentwicklung zu hinterfragen. Wäre ich Chefredaktor im alltäglichen Gewühl, wäre meine Perspektive natürlich eine andere. Nehmen wir einen Chefredaktor einer kleinen Fachzeitschrift. Der ist so brutal unter Druck heute, dass wir ihm nicht damit kommen müssen, er habe einen PR-haltigen Text nicht als “Publireportage” bezeichnet. Da bin ich ausserordentlich nachsichtig. Bei den grossen Flaggschiffen können wir schon etwas kritischer sein. Ich halte nichts davon, dass die NZZ – immer noch unser bester und traditionsreichster Titel – nun mit irgendwelchen obskuren Publireportagen über die Bank Leu oder die Immobilienbranche nach dem hinterletzten Inserenten fischt.

Klartext: Sie haben auch geschrieben, ein Zeichen für den Glaubwürdigkeitsverlust der Medien sei, dass niemand mehr Gegendarstellungen fordere, weil man den Medien sowieso nicht glaube. Eben haben Sie gesagt, die Medienunternehmen hätten sich bei den Medienhype-Fällen entschuldigen müssen. Ist das nicht ein Widerspruch?
ZIMMERMANN: Nein, es ist kein Widerspruch. Auf der einen Seite haben die Medien tatsächlich mit einem Glaubwürdigkeitsverlust zu kämpfen. Auf der anderen Seite haben sie aber nicht unbedingt einen Macht- oder einen Einflussverlust hinnehmen müssen. Denn das politische und wirtschaftliche Milieu empfindet die Wahrnehmung der eigenen Partei oder des eigenen Unternehmens auch immer stärker durch die Medien gesteuert. Das Publikum glaubt den Burschen zwar nicht mehr richtig, aber die Opinion-Leaders wollen sich mit diesen Burschen gut stellen. Also greift man nicht mehr zum Mittel des einfachen Volkes, zur Gegendarstellung, sondern übt über ganz andere Schienen Druck aus: Man geht direkt zum Verleger oder zum Chefredaktor.
Klartext: Sie haben ja selbst mindestens zweimal eine Gegendarstellung verlangt. Eine bezog sich auf einen “Weltwoche”-Artikel von 2002, die andere kürzlich auf einen “Zwischenruf” in der “Basler Zeitung”.
ZIMMERMANN: Bei diesem “Weltwoche”-Artikel über mich, wie in der “Basler Zeitung”, habe ich der Redaktion gemailt, sie sollen bitte nicht so einen Quatsch über mich erzählen, und ich fände es angebracht, wenn sie eine Richtigstellung veröffentlichen würden. Das haben sie getan.
Klartext: Wenn Sie persönlich betroffen sind, wenden Sie sich an den Chefredaktor?
ZIMMERMANN: Ich halte es wie jedes andere Medienobjekt: Wenn etwas nicht stimmt, sage ich, sie sollen es bitte richtig stellen. Dass ich nun nicht dem Leserbriefredaktor einen eingeschriebenen Brief sende, sondern mit dem Chefredaktor rede, ist ja wohl logisch. Denn es gibt kaum Chefredaktoren in der Schweiz, mit denen ich nicht irgendeine gemeinsame Vergangenheit habe.

Klartext: In den Artikeln, die zu diesen Richtigstellungen führten, geht es um Ihre frühere Arbeit als Tamedia-Manager. Bei den Recherchen für dieses Interview hörten wir auch von Tamedia-Mitarbeitern: “Mit der TV3- und der Winner-Internet-Strategie hat Zimmermann keinen Erfolg gehabt, dabei gingen Summen im dreistelligen Millionenbereich verloren – und jetzt erklärt er in der “Weltwoche”, wie die Medienunternehmen zu funktionieren hätten. Das nervt!” Wie stellen Sie sich dazu?
ZIMMERMANN: Die Frage hat zwei Teile. Erstens: Wie ist aus heutiger Sicht meine Performance als Tamedia-Manager einzuschätzen? Und zweitens: Wie ist meine Tamedia-Tätigkeit mit meiner heutigen Tätigkeit als Kolumnist verzahnt? Zum ersten Teil: Ich bin immer ein bisschen geschmeichelt, aber auch irritiert, dass ich in der Tamedia, ohne den Verwaltungsrat, die Geschäftsleitung und den CEO zu fragen, offenbar im Alleingang Fernsehen gemacht haben soll …
Klartext: Aber es wäre ein schlechter Leistungsausweis, wenn Sie sagen würden: Ich habe gar nichts gemacht.
ZIMMERMANN: Das habe ich nicht gesagt. Ich will nur sagen: Wenn Medienhäuser neue Projekte starten, kann das nur durch kollektive Entscheide funktionieren. Ich habe kürzlich im “Media Trend Journal” in einem Artikel gelesen, TV3 sei zu früh abgebrochen worden. TV3 war ein schwieriger Fall, ein Risiko-Investment, das hat man bei Tamedia gewusst.
Klartext: Was ist, aus heutiger Sicht, Ihre persönliche Bilanz Ihrer Arbeit bei Tamedia?
ZIMMERMANN: Eine Bilanz ist immer in Zahlen zu messen, sonst ist es keine Bilanz. Ich war damals für den “Tages-Anzeiger” zuständig, der lief gut, wir haben “Facts” zum Marktleader und die “SonntagsZeitung” zur Cashcow gemacht, wir lancierten den Stellenanzeiger “Alpha”, mit dem wir Hunderte von Millionen Franken verdient haben, wir haben die “Schweizer Familie” wieder zum Erfolg geführt und so weiter. Das gehörte alles zu meinem Verantwortungsbereich. In meinen Bereich fiel auch Fernsehen, wo wir in der Grössenordnung von 80 bis 100 Millionen Franken verlocht haben, und Internet, wo wir vielleicht 20 oder 25 Millionen Franken verloren haben. Man kann das als meine zwei Flops bezeichnen – aber ohne diese so genannten Flops wäre der Börsengang von Tamedia unmöglich gewesen. Macht man also eine Bilanz dieser Zeit, liege ich sicher in den schwarzen Zahlen.
Klartext: Aber der Verlust mit TV3 war und ist eine happige Sache.
ZIMMERMANN: Als TV3 eingestellt wurde, war ich schon nicht mehr bei Tamedia. Ich hätte es natürlich lieber gesehen, wenn man versucht hätte, TV3 durchzuziehen. Aber es war unter den damaligen wirtschaftlichen Realitäten illusorisch. Das Problem war: TV3 hat zwar seine Budgets immer erreicht, hat im Jahr 2001 einen Umsatz von bereits 40 Millionen Franken gemacht, schrieb aber immer noch Verluste. Der “Tages-Anzeiger” geriet genau in dieser Zeit – nicht selbst verschuldet – in die Talfahrt. Die Quersubventionierung vom “Tages-Anzeiger” zu TV3 hat nicht mehr funktioniert, das Haus konnte die Ausgaben von TV3 nicht mehr finanzieren. Schade. Denn wenn wir heute sehen, wie sich die Fernsehwerbung im Vergleich zu Print explosionsartig entwickelt hat, muss man sagen: Da hat Tamedia – nicht ich – schon sehr klar gesehen Ende der 90er Jahre.

Klartext: Sie sind Medienkolumnist und haben diese Tamedia-Geschichte im Rücken. Da kommt schnell der Vorwurf: Der predigt Wasser und hat Wein getrunken.
ZIMMERMANN: Mein Problem ist: Ich hab von früher die Jean Frey im Rücken, ich hab Curti Medien im Rücken, ich hab Ringier im Rücken, ich hab Tamedia im Rücken … Das einzige grössere Medienunternehmen in der Schweiz, bei dem ich nie gearbeitet habe und über das ich aufgrund meiner Biografie schreiben könnte, wäre also die NZZ-Gruppe.
Klartext: Das bedeutet, Sie haben ein sehr dringendes Bedürfnis nach dieser Medienkolumne, sonst würden Sie sagen: Das kann ich gar nicht machen, ich trage zu viel auf dem Rücken mit.
ZIMMERMANN: Ich habe es mir auch schon überlegt, tatsächlich. Auf der einen Seite glaube ich, ohne Selbstüberschätzung, dass ich relativ gute Medienkolumnen schreibe, weil ich erlebt habe, worüber ich schreibe. Auf der anderen Seite ist es logisch, dass all jene, denen diese Kolumnen nicht in den Kram passen, bei mir alte Rechnungen vermuten, die nun beglichen würden. Aber ich bringe meine Medienvergangenheit von 30 Jahren nicht los. Ich kann mir nur Mühe geben, eben nicht irgendwelche alten Geschichten aufzuwärmen.
Klartext: Wenn Sie heute in Ihrer Kolumne schreiben, die meisten Verlage hätten über das Kerngeschäft hinaus diversifiziert, deshalb gehe es ihnen gut, Tamedia hingegen habe das nicht getan, deshalb gehe es ihr schlecht, klingt doch schnell etwas mit.
ZIMMERMANN: Ich könnte sagen, ich schreibe nicht über Tamedia, weil ich da befangen bin. Dann könnte ich aber auch nicht über Ringier schreiben, denn da bin ich auch befangen. Und, was noch erschwerend dazu kommt: Ich habe ein Beratungsunternehmen und erhalte gelegentlich auch Aufträge von schweizerischen Medienunternehmen – also könnte ich über die auch nicht mehr schreiben. Natürlich schreibe ich nicht über sie, so lange meine Beratungsmandate laufen. Aber ich kann ja nicht sagen: Ich hatte einmal ein Mandat vom Unternehmen X, und ich schreibe jetzt mein ganzes Leben lang nicht mehr über dieses Unternehmen. Die Schweiz ist zu klein dafür. In den USA wäre das kein Problem, ich wäre einfach von der Ostküste an die Westküste gezogen.

Klartext: Ihre Partnerin, Uli Rubner, ist nun Mitglied der Tamedia-Geschäftsleitung, das ist ja nochmals ein sehr heikler Punkt.
ZIMMERMANN: Wenn ich der Gefahr erliegen würde, zum Pressesprecher meiner Frau zu werden, müsste ich aufhören. Ich werde dieser Gefahr nicht erliegen. Ich glaube, wenn es in der Schweizer Medienindustrie ein Paar gibt, das nun wirklich alles darüber weiss, wie man mit Interessenkonflikten umgeht, sind es Uli und ich. Wir waren ein Medienleben lang immer Konkurrenten. Wir haben 20 Jahre Erfahrung im Handling von potenziellen Interessenkonflikten, das ist ein gutes Training.
Klartext: Damals waren Sie aber Konkurrent, heute sind Sie Kolumnist.
ZIMMERMANN: Jetzt besteht das mögliche Risiko darin, dass ich bei meiner Frau Insiderwissen absauge. Würde ich es tun, würde ich meiner Frau und mir selber gewaltig schaden. So blöd bin ich nicht. Kommt dazu, dass ich eigentlich keinen Sinn darin sehe, mich zu einem Insider zu machen. Denn ich will kein Insider mehr sein, ich will ein Outsider sein.
Klartext: Sie haben in einer Kolumne kritisiert, dass der Ex-Bundesratssprecher Achille Casanova SF-DRS-Ombudsmann wird: “Man kann im Journalismus nicht am Freitag als Heiratsschwindler aktiv sein, um dann am Montag als Standesbeamter zur Arbeit zu gehen.” War Ihr Prozess vom Insider zum Outsider etwas anderes?
ZIMMERMANN: Sie dürfen nicht vergessen: Ich führe eine ganz gewöhnliche Firma, eine kleine zwar, aber ich muss doch in dieser Firma arbeiten und meine Mitarbeiter bezahlen. Ich bin nicht hauptberuflich Kolumnist, das ist nur meine verbleibende journalistische Fingerübung, mehr auf der Hobby-Ebene. Das Kolumnenschreiben hat sich damals einfach so ergeben. Roger Köppel hat angerufen und gesagt: Du, Zimmi, schreib doch eine Medienkolumne. Da habe ich gesagt: Ja, das tue ich gerne. Dann hat René Lüchinger von der “Bilanz” angerufen und gesagt: Zimmi, schreib doch für mich auch eine Kolumne. Da hab ich gesagt: Mach ich auch noch. Dann hat Andreas Durisch von der “SonntagsZeitung” angerufen und gefragt: Könntest du für mich auch eine Kolumne schreiben? Ich bin einfach hineingerutscht und habe dann festgestellt, dass ich mit grossem Vergnügen Kolumnen schreibe. Und deshalb – das ist vielleicht etwas eigennützig – überlege ich mir nicht Tag und Nacht, ob ich jetzt möglicherweise aufgrund meiner Biografie in einer etwas delikaten Position sei. Ich tus einfach gern.

Klartext: Stichwort Roger Köppel: In Ihren “Weltwoche”-Kolumnen sprechen Sie sich gegen Staatsgelder für Zeitungen, gegen ein “Staatsfernsehen” und “staatliche Medienkontrolle” aus. Sie schreiben auch, die meisten JournalistInnen seien Linke, gegen die SVP und Angehörige der Fraktion “Perus Mütter klagen an”, wie Sie das formulieren – so gesehen, haben Sie hervorragend zum Köppel-Kurs in der “Weltwoche” gepasst.
ZIMMERMANN: Ich habe mit Roger Köppel nicht über irgendwelche politischen Marschrichtungen diskutiert und mich nie als Hilfskraft des bürgerlichen Flügels in der Schweiz gesehen. Ich sehe mich nicht als Politiker. Dass ich kein Linker bin, sollte einigermassen bekannt sein in Insiderkreisen. Aber ich bin nicht politisch getrieben.
Klartext: Sie sind kürzlich als möglicher “Weltwoche”-Chefredaktor genannt worden.
ZIMMERMANN: Ich fühle mich natürlich ausserordentlich geehrt. Aber: Nein, ich werde das nicht machen.
Klartext: Wären Sie gerne wieder Chefredaktor?
ZIMMERMANN: Nein. Um ehrlich zu sein: Ich hab keine Zeit dafür.

Das Gespräch führten Bettina Büsser und Hans Stutz am 18. Juli 2005 in Zürich.

11. Juli 2007 von Klartext

Jammern, bis die Zahlen schwarz sind

hs./ Krise ist fast überall und fast immer. Auch bei den Schweizer Zeitungsverlegern. Seit Jahren klagen sie über den Rückgang der Inserateeinnahmen und die konjunkturelle und strukturelle Lage. Und sie bauen Arbeitsstellen ab. Aber dann veröffentlichen sie ihre Geschäftsberichte und weisen namhafte Gewinne aus. So ist es seit Jahren – abgesehen von einigen Ausnahmen; im Geschäftsjahr 2003 schrieb beispielsweise die Tamedia-Gruppe rote Zahlen.
Auch für letztes Jahr weisen – mit einer Ausnahme – alle grossen Schweizer Medienverlage eindeutige Gewinnzahlen aus. Ja, das Jahr 2004 sei „ein Rekordjahr – zumindest was die Höhe des Jahresgewinnes betrifft“, frohlockt Michael Ringier, Verleger und Präsident des Verwaltungsrates der Ringier AG, in seinem Jahresbericht. Rund 55 Mio. Franken Gewinn schreibt die Ringier-Gruppe, die in der Schweiz in den vergangenen drei Jahren rund 350 Stellen abgebaut hat. Insgesamt weist die Ringier-Gruppe trotzdem noch rund 600 Stellen aus, weil sie vor allem in der Slowakei und in Rumänien neue Arbeitsplätze geschaffen hat. – Ringiers Geschäftsbericht ist zwar sehr dick, einige wichtige Informationen fanden aber trotzdem keinen Platz. Auch dieses Jahr verschweigt der Konzern, wie viel Dividende den EigentümerInnen – Michael Ringier, Evelyn Lingg-Ringier, Annette Ringier – ausbezahlt wurde.
Anders bei der börsenkotierten Tamedia-Gruppe: Den AktionärInnen wird dieses Jahr mit 15 Mio. Franken vergoldet. Der Berner Severin Coninx beispielsweise – mit 14,39 Prozent der Aktien grösster Aktionär – sackt allein 2,15 Mio. Franken ein. Auch die acht Mitglieder des Verwaltungsrates müssen nicht darben, ihnen wurden trotz 10-prozentiger Honorarkürzung noch 2 Mio. Franken für ihre Teilzeitarbeit ausbezahlt. Dazu kommt bei Verwaltungsratspräsident Hans-Heinrich Coninx 1,89 Mio. Dividendenertrag hinzu. Denn: Insgesamt hat die Tamedia ansehnlichen Gewinn bei weniger Umsatz erzielt und weist per Ende 2004 307 Stellen (= 17 Prozent) weniger aus, als ein Jahr zuvor.
Mehr Gewinn bei mehr Umsatz und weniger Vollzeitstellen weist auch Peter Wanners AZ Medien Gruppe aus. In Zahlen: 6,5 Mio. ausgewiesener Gewinn bei 185 Mio. Umsatz mit 520 Vollzeitstellen Ende 2004 (vor einem Jahr waren es noch 542 gewesen). An die AktionärInnen zahlt die AZ Medien Gruppe 150 Franken pro Aktie aus, insgesamt 1,62 Mio. Franken. Ein netter Beitrag an Wanners Familienkasse.
Auch die Südostschweiz-Mediengruppe von Verlegerverbandpräsident Hanspeter Lebrument meldet ein „erfreuliches Jahr“. Bei geringerem Umsatz (123,8 Mio., im Vorjahr 129 Mio.) stieg der Gewinn auf knapp 5,2 Mio. Franken. Hingegen sank die Zahl der Beschäftigten von 869 auf 825, nachdem die Südostschweiz-Mediengruppe Ende 2002 noch 892 Personen auf der Lohnliste hatte.
Aus der Reihe tanzt die Berner Espace Media Groupe (EMG), deren Umsatz markant, nämlich um 19 Prozent, angestiegen ist. Angestiegen sind auch die Vollzeitstellen, dies eine Folge des Einstieges bei der Bund Verlag AG. Bei einem Betriebsumsatz von 260 Mio. erzielte die EMG einen Gewinn von 21,5 Mio., was zwar beachtlich ist, jedoch weniger als 2003 (23,2 Mio.). Wie üblich, weist die EMG einen grossen Teil des Gewinnes dem EMG-Eigenkapital zu.
Stark angewachsen ist im vergangenen Jahr auch der Umsatz der NZZ Gruppe, vor allem auch, weil sie im Frühjahr 2004 die Aktienmehrheit der Luzerner LZ Medien erwerben konnte. Das Ergebnis: 21,8 Mio. Gewinn. Dazu beigetragen haben insbesondere die LZ Medien und die St. Galler-Tagblatt-Gruppe.
Nicht ganz die Kurve gekriegt hat die Edipresse-Gruppe von Pierre Lamunière. Sie weist einen Verlust von 7,9 Mio. aus, nachdem der Gewinn im Jahr 2003 noch 11,8 Mio. betragen hatte. Allerdings nimmt man diesen Verlust beim grössten Westschweizer Verlagshaus, das einen grossen Teil seines Umsatzes im Ausland erwirtschaftet, ziemlich gelassen. Verlustgrund seien Restrukturierungskosten und Investitionen in neue Produkte. Diese Aufwendungen würden sich, so Edipresse in einem Mediencommuniqué, bald als „äusserst vorteilhaft“ auswirken. Trotz ausgewiesenem Verlust nichts von Krise also.

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