11. Juli 2007 von Klartext

„Code of Conduct“ für bezahlte Werbung

hs./ An der Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Presse erhielten auch Handelszeitung-CEO Ralph Büchi und Res Strehle, Chefredaktor „Das Magazin“ und Präsident der Konferenz der Chefredaktoren, einen kurzen Auftritt zugesprochen. Sie brauchten allerdings auch nur wenige Minuten, um den Anwesenden den „Code of Conduct“ – Empfehlungen zum Umgang mit bezahlter Werbung – vorzustellen. Als Grundsatz gelte, dass alle Akteure (Redaktionen, Verleger und Werber) in ihren Verhaltens- und Standesregeln „uneingeschränkt das Prinzip der vollen Transparenz gegenüber dem Publikum“ betonen würden. Für den Medienkonsumenten müsse immer klar erkennbar sein, „welche Inhalte redaktionell verantwortet und welche kommerziell beeinflusst, also von Dritten bezahlt“ würden. Insbesondere dürften Anzeigen „durch ihre Gestaltung nicht den Eindruck erwecken, sie seien redaktioneller Bestandteil des Mediums“. Auch müsse jede Form von Sponsoring deklariert werden.
Das ist bereits alles und das Ergebnis von Diskussionen, die sich über Monate hinwegzogen. Kein Wort verliert das Papier hingegen über die gern geübte Praxis, mit dem Buchen von Inseraten auch Berichterstattung im redaktionellen Teil aushandeln zu wollen. Unterschrieben haben diese sehr unverbindlichen Empfehlungen die Verlegerverbände der drei Landesteile und einige Verbände der Werbebranche. Mit ihrer Annahme wird sich ja auch garantiert nichts ändern.

11. Juli 2007 von Klartext

Demontagen

hs./ Der Film „Elisabeth Kopp – Eine Winterreise“ des ehemaligen Werbers Andreas Brütsch, in dem Elisabeth und Hans W. Kopp wieder um ihre gesellschaftliche und politische Rehabilitierung kämpfen, war für einige Schweizer Medien der Anlass, die einstige Bundesrätin und ihren Gatten weisszuwaschen. Allen voran „Die Weltwoche“, jener Titel, der im Januar 1989 – unmittelbar nach dem Rücktritt der Bundesrätin – die Mär vom „achten Bundesrat“ verbreitet hatte. Unter dem Titel „Bisweilen hiess der Departementschef Hans W. Kopp“ schrieb Urs Paul Engeler: „Denn da öffnet sich ein weites Feld, auf dem sich, wie man (…) immer konkreter vermutet, Geldwäscher, Geheimdienstler, Waffenhändler und eben Politiker tummeln, und dies in immer unglaublicheren Konfigurationen. Und immer wieder wird die Shakarchi Trading AG mit Vizepräsident Hans W. Kopp genannt – unter direktem Verweis zur Bundesanwaltschaft, die seiner Frau unterstellt war.“
Engeler selbst hat sich bisher – mindestens bis zum Klartext-Redaktionsschluss – nicht wieder zur Causa Kopp zu Wort gemeldet. Dafür tun es andere, beispielsweise Alex Baur. In einer Interviewfrage an Hans W. Kopp in der „Weltwoche“ vom 1. Februar 2007 meinte Baur, die „Füdlitätsch“-Affäre sei das Einzige, „was unter dem Strich von der ganzen ‚Affäre Kopp‘ übriggeblieben“ sei. (Das Anwaltspatent wurde Kopp für ein halbes Jahr entzogen.) Eine Woche vorher hatte Alex Baur noch geschrieben, der „Fall Trans K-B“, eine Risikokapitalfirma, die unter dubiosen Umständen Konkurs ging und deren Verwaltungsratspräsident Hans W. Kopp war, sei „das einzig Handfeste, was am Ende hängenblieb“. (Kopp wurde zu einer bedingten Gefängnisstrafe verurteilt.) Baur ist ganz offensichtlich flexibel, wenn es um die Koppsche Reinwaschung geht. Ansonsten vermittelt er den unzutreffenden Eindruck, der berühmte Telefonanruf der Bundesrätin hätte nach dem ersten Artikel über den Geldwäscherei-Verdacht gegen die Shakarchi Trading AG stattgefunden.
Genau bei diesem Artikel greift Kurt W. Zimmermann ein. Der „Weltwoche“-Kolumnist erklärt, der „Tages-Anzeiger“-Artikel vom 4. November 1988, „einer der grössten Flops der neueren Schweizer Mediengeschichte“, habe wesentlich zum Sturz von Elisabeth Kopp beigetragen. Dabei habe sich die Recherche der „Missetäter“ Hansjürg Utz, Beat Allenbach und Rolf Wespe als nicht haltbar erwiesen. Zimmermann übersieht jedoch, dass die Tagi-Berichterstattung vor dem – von Hans W. Kopp angerufenen – Bundesgericht standhielt. Dieses hielt fest: „In einem Gemeinwesen mit demokratischen Grundzügen ist der Anspruch der Presse, sich über die Führung der Staatsgeschäfte so erschöpfend als irgend möglich zu informieren, auf das elementare Recht des Bürgers zurückzuführen, zu wissen, wie von ihm selbst gewählte Mandatäre sich ihrer Aufgabe entledigen.“ Die Verbreitung des damals bestehenden Verdachtes gegen Hans W. Kopp sei „durch ein überwiegendes öffentliches Interesse“ gedeckt gewesen. Daran ändert nichts, dass sich der Verdacht später nicht erhärten liess.

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