11. Juli 2007 von Hans Stutz

Editorial

Fernsehdirektor Peter Schellenberg ist – so liess er mehrmals in den vielen Rückblick-Interviews der vergangenen Wochen anklingen – einigermassen zufrieden mit sich und seinem Werk: Ein starkes Schweizer Fernsehen DRS, das den Service-Public-Auftrag („eine Gerechtigkeitsleistung für die breite Masse“) erfüllt, nämlich: „Jede Person bekommt für den gleichen Preis Zugang zu Strom, Strassen, Fernsehen und anderem.“
Schellenberg ist zu Recht zufrieden. Im Gegensatz zu einigen grossspurigen Privat-TV-Promotoren, die „Reform, Reform“ schreien und ausschliesslich bessere Rahmenbedingungen für Werbung, Sponsoring und Sauglattismus meinen, verlangt er mehr Recherche und verbessertes journalistisches Handwerk. Und das zahlt sich aus: Öffentlich-rechtliches Fernsehen ist in den deutschsprachigen Ländern immer noch weit auf- und anregender als die privaten Sender, die – abgesehen von wenigen Sendegefässsen – weitgehend journalistische Schmalkost, ja Stumpfsinn bieten. Und es erreicht – nicht nur in der Schweiz – mehr ZuschauerInnen als jeder private Sender.
Die erreichte Qualität ist allerdings nicht gesichert. Kaum von Belang ist in diesem Zusammenhang die wenig transparente Wahl von Publisuisse-Direktorin Ingrid Deltenre zur SF-DRS-Direktorin – von der man sich präzisere Aussagen zu ihren Vorstellungen über die zukünftige Entwicklung von SF DRS gewünscht hätte. Weit bedeutungsvoller sind die Auseinandersetzungen um das neue Radio- und Fernsehgesetz (RTVG), das noch dieses Jahr in die eidgenössischen Räte kommt. Die privaten Lokalfernsehen haben in den Regionen bis heute nicht einmal ansatzweise den Nachweis erbracht, dass sie einen Service-public-Auftrag erfüllen können. Wenn sie, die meist von regional dominierenden Medienhäusern betrieben werden, einen Anteil an den Gebühren erhalten, schwächt dies vorerst einmal nur die SRG, ohne dass die lokalen Privat-TV-Veranstalter Gewähr bieten können für einen Journalismus, wie er für die demokratische Meinungsbildung in lokalen und regionalen Fragen notwendig wäre.

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