11. Juli 2007 von GastautorIn

Tag-Wert

Ein Tag: 24 Stunden. Jeder Tag gleich lang, jeder Tag eine Zeiteinheit. Jeder? Nein, nicht jeder. Schliesslich gibt es Tage, die sind mehr wert. Kurstage zum Beispiel. Nicht irgendwelche Kurstage, sondern gewisse Kurstage. Nicht irgendwo, sondern bei der „führenden Journalismusschule der Schweiz“, dem MAZ. Denn dort kann ein Siebentagekurs auch fünf oder sechs Tage lang sein.
Wie zum Beispiel im vergangenen Herbst. Da stand ein siebentägiger Reportagekurs auf dem MAZ-Programm. Nicht auf dem Programm stand dagegen, dass der 2340 Franken teure Siebentagekurs an nur fünf Tagen stattfand. Von den sieben Tagen waren nämlich zwei Tage fürs einsame Schreiben zu Hause reserviert. „Die Kursausschreibung eine Mogelpackung?“ Nein, diesen Verdacht wies Studienleiter Rolf Wespe weit von sich. Diese Art der Ausschreibung habe beim MAZ Tradition, das mache man immer so. Ein Blick auf den Auszug der hausinternen EDV bewies: Das MAZ hatte konsequenterweise auch gleich für sieben Tage Kursräume reserviert …
Der Kurs, so legte das MAZ schriftlich dar, bestände aus fünf Kurstagen mit „Kontaktunterricht“, plus zwei Kurstagen des Typs „begleitetes Selbststudium“; summa summarum sieben Kurstage. Verrechnet, so das MAZ weiter, wurden jedoch grosszügigerweise nur sechs Kurstage. Der sechste Tag, so das MAZ, war für den Dozenten, der die Arbeiten der Kursteilnehmenden ausführlich korrigierte und kommentierte. Dazu hatte er zwar höchstens fünf Tage Zeit, dafür aber – bei zwölf KursteilnehmerInnen – zwölf Tage Geld zur Verfügung. Sieben, fünf, sechs, zwölf … langsam wurde klar: Der Tag war zur Währungseinheit mutiert. Zerfallen in Franken, Rappen, Recheneinheiten. Die Minute: ein Franken zwanzig, der Ganztag: dreihundertneunzig Stutz.
Nur am Kursende schien es kurz, als könnte der Tag wieder an zeitlicher Substanz gewinnen, als würde er doch noch mit dem Datum korrelieren. Simple Mathematik machte diese Illusion jedoch zunichte. Denn auf der Kursbestätigung stand: „ … bestätigt, teilgenommen zu haben … vom 2. Oktober bis 6. Oktober“ und dahinter – in Klammern – „7 Tage“. Es scheint, als seien manche Tage einfach mehr wert – zumindest am MAZ.

Eveline Dudda

11. Juli 2007 von Hans Stutz

His Master’s Voice

Wie weit kann ein Chefredaktor in einem Kommentar gehen, ohne dass er zum Sprecher seines Verlages mutiert? Diese Frage stellt sich nach einem Kommentar von Peter Hartmeier, heute Chefredaktor des „Tages-Anzeigers“, einst Tamedia-Kommunikationschef.
Aber schön der Reihe nach: Mitte April eröffnen Bakom und UVEK eine zweite Anhörungsrunde zu den Verbreitungsgebieten für die Regionalfernsehen mit Leistungsauftrag und Gebührengeldern. Ihr Vorschlag: Es solle in Zukunft ein Gebiet „Ostschweiz“ und ein Gebiet „Nordostschweiz“ geben. Als Favoriten starten Tele Ostschweiz und Tele Top ins Vergaberennen. Ohne Gebührengelder müsste der Veranstalter im Grossraum Zürich (TeleZüri) auskommen, da in dieser Region auch ohne Gebühren ein wirtschaftlich erfolgreiches Privatfernsehen betrieben werden könne.
Dieser Vorschlag ist den Herren bei der TeleZüri-Besitzerin Tamedia in den falschen Hals geraten. Andreas Meili, Leiter Elektronische Medien, lässt sich im „Tages-Anzeiger“ mit der Aussage zitieren, dass Zürich zweigeteilt werde. „Für den einen Teil gibt es Bundesgelder, für den anderen keine. Das ist keine freie Marktwirtschaft.“ Merke: Freie Marktwirtschaft ist dann, wenn auch Tamedia Gebührengelder erhält.
Und im danebenstehenden Kommentar ereifert sich Peter Hartmeier über Konzessionsgebühren und Heimatschutz für kleine und kleinste Sender, „damit die staatliche SRG ihr Monopol in allen Regionen aufrechterhalten kann“. Der Entscheid stehe für eine Wirtschaftspolitik, die die „Wirtschaftsmetropole Zürich zu schwächen“ suche. Und dem („in Medienfragen unbedarften“) Zürcher Regierungsrat wirft Hartmeier vor, sich nicht für die Interessen des Wirtschaftsgebietes eingesetzt zu haben. Merke: Das hätte der Regierungsrat selbstverständlich dann getan, wenn er sich für Tamedia eingesetzt hätte. Die Zeche zahle, so Hartmeier weiter, nun der Medienkonsument. TeleZüri, „der erfolgreichste private Fernsehsender der Schweiz“, erhalte keine Gebühren.
Fazit: Hätte Hartmeier als Kommunikationschef geschrieben, hätte er seine Aufgabe erfüllt.

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