23. September 2009 von Helen Brügger

Adieu, Roger!

Roger de Diesbach, Journalist und ehemaliger Chefredaktor der Freiburger Zeitung „La Liberté“, einer der Grossen unseres Berufs, ist im Alter von 65 Jahren gestorben. Gelebt und gearbeitet hat er stets nach seiner Überzeugung: „Informieren ist die erste und einzige Aufgabe der Journalisten.“

Roger de Diesbach gilt als Erfinder des Recherchierjournalismus in der Westschweiz: In seinem Buch „Presse futile, presse inutile“ erzählt er die spannende Geschichte des von ihm gegründeten BRRI (Bureau de reportages et de recherches d’information), das in den achtziger Jahren eine ganze Generation von JournalistInnen geprägt und während acht Jahren die Schweizer Presse mit journalistischen Knüllern beliefert hat. De Diesbach war „immer nur Aktivist für den Journalismus“. In den Zeiten des Kalten Kriegs genügte ein solcher Aktivismus allerdings bereits, um als Staatsfeind verdächtigt zu werden. Die Fichen, die über den verdächtigen Offizier de Diesbach angelegt wurden, sprechen Bände. Einfach, weil der Journalist de Diesbach es wagte, über Skandale der Schweizer Armee und Politik zu recherchieren, wie beispielsweise die Affäre Jeanmaire, die Geschäftsbeziehungen zum Apartheidstaat Südafrika oder den Skandal der Pilatus-Porter-Flugzeuge, die die Schweiz an kriegsführende Länder lieferte.

Sein Einsatz für die Unabhängigkeit der „Liberté“ hat sich gelohnt: Noch immer gehört die Freiburger Zeitung zu den wenigen Blättern, in denen freier Journalismus stattfindet, die von keinem grossen Verlagshaus abhängig sind; immer hat Roger de Diesbach die Verleger daran erinnert, dass sie kein Recht haben „ihre Zeitungen in vulgäre Geldpumpen zu verwandeln.“ Doch sein eigentlicher Appell richtet sich an uns JournalistInnen: “Wer sich zum Lautsprecher der Mächtigen, Moralisten, Richter und Ganoven macht, ist kein Journalist.”

* Zitate aus: Roger de Diesbach, Presse futile, presse inutile, Plaidoyer pour le journalisme, Slatkine, Genf 2007.

  1. […] Würdigung zum Tod Roger de Diesbachs unter «KLARTEXTaktuell»: «Adieu Roger» […]

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