2. November 2009 von Nick Lüthi

Cheyenne Mackay Loosli: «Setzen eigene Schwerpunkte»

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Mit zwölf war sie Kinderredaktorin bei DRS 3, heute leitet Cheyenne Mackay Loosli (30) die Info-Redaktion des Berner Alternativradios RaBe.

Wenn RadiomacherInnen nach den Wurzeln ihrer Berufung suchen, dann zeichnen sie früher oder später das nostalgieverklärte Bild mit dem Kassettengerät und den «Sendungen» fürs Kinderzimmer. Nicht so Cheyenne Mackay Loosli. Bei ihr ging es gleich richtig zur Sache. Bereits als Zwölfjährige konnte man sie auf DRS 3 hören. «Mehrere Dutzend Kinder hatten sich damals für die Sendung ‹Yoyo› beworben, am Schluss blieb eine Handvoll übrig, darunter auch ich», erinnert sich die heute 30-jährige Radiojournalistin. Mit dieser Berufsbezeichnung konnte sie als Teenager noch nicht viel anfangen: «Radio hat mir vor allem Spass gemacht.» Eine richtige Ausbildung habe sie damals im Studio Basel genossen, erinnert sie sich, inklusive Tonbandschneiden und -montieren; 1991 lag der digitale Schnittplatz noch in weiter Ferne.

Die vier Jahre bei «Yoyo» legten den Grundstein für ihre spätere Laufbahn. Bis heute hält Cheyenne Mackay Loosli dem Radio die Treue. «Mir bleibt ja auch nicht viel anderes übrig», hadert sie mit ihrer beruflichen Perspektive. Das stimmt natürlich nicht ganz. Schliesslich weiss die Journalistin nicht nur im Radiostudio mit dem Mik­rofon umzugehen, sondern auch auf der Bühne. Zusammen mit ihrem Ehemann ist sie das Elektropop-Duo Copy & Paste, mit dem sie seit zwei Jahren in der Schweiz und im angrenzenden Ausland auftritt. «Eine wirkliche Alternative zum Journalismus ist die Musik aber nicht», weiss Cheyenne Mackay Loosli. Trotz Konzertgagen und Plattenverkauf lege sie Geld drauf. Ebenfalls in die Rubrik brotloses Engagement fällt ihre Sendung «Radieschen». Seit zehn Jahren präsentiert sie auf Radio RaBe, ihrem heutigen Arbeitgeber, «ungehörte Musik aus Schweizer Übungsräumen».

Während die Laufbahn vieler Radio­journalistInnen irgendwo im Lokalen anfängt und bei einem Gebührensender der SRG endet, wählte Cheyenne Mackay Loosli den umgekehrten Weg: Sie startete bei DRS, arbeitete dann zuerst als Stagiaire, später als freie Mitarbeiterin beim Bieler Privatradio Canal 3 und leitet nun die dreiköpfige Redaktion des alternativen Lokalradios RaBe in Bern. «Klar würde ich gerne wieder einmal bei SR DRS arbeiten», gesteht die in Basel geborene Bernerin mit südafrikanisch-schottischen Wurzeln. Doch zurzeit geniesst sie die Freiheiten, die ihr der Job beim werbefreien Sender in der Bundesstadt bietet. «Da wir mit unserem kleinen Team gar nicht die Kapazität haben, Tag für Tag die Lokalpolitik abzudecken, setzen wir dafür unsere eigenen Schwerpunkte», umreisst Cheyenne Mackay Loosli die RaBe-Redaktionspolitik. Zu den gern gesehenen Gästen im RaBe-Studio gehören GewerkschafterInnen und BasisaktivistInnen aus aller Welt. Den Vorwurf, damit als unkritisches NGO-Sprachrohr zu fungieren, nimmt die Redaktionsleiterin gelassen entgegen: «Ich kann zwar nicht überprüfen, ob alles stimmt, was mir die Leute sagen. Aber ich finde es extrem wichtig, dass auch jene Menschen eine Plattform erhalten, die in den meisten Medien gar nicht auftauchen oder wenn, dann als anonyme Opfer.»

Cheyenne Mackay Loosli behält ihr Radiofachwissen, das sie in zahlreichen Kursen bei DRS 3, am MAZ und bei Klipp & Klang erworben hat, nicht einfach für sich. Als weiteres berufliches Standbein unterrichtet sie inzwischen selbst bei Klipp & Klang, der Radioschule der nichtkommerziellen Sender. «Zum Unterrichten habe ich keine spezielle Ausbildung, ausser eben die Kurse, die ich selbst besucht habe», sagt die Journalistin. Und nun, beendet sie das Gespräch, müsse sie nach Hause, sechs Abschlussarbeiten durchhören und bewerten gehen.

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