30. August 2010 von Nick Lüthi

BaZ bald auf «Weltwoche»-Kurs?

«Gibt es nicht zu viele Linksradikale in den Medien?», fragte Tito Tettamanti rhetorisch, nachdem er Anfang 2010 zusammen mit Martin Wagner die Basler Zeitung gekauft hatte. Damit meinte der Tessiner Financier bestimmt nicht Journalisten wie Markus Somm, der ab sofort die Chefredaktion der BaZ übernimmt. Als Autor einer Hagiographie von Christoph Blocher und einer Guisan-Biographie, die linke Geschichtsverdrehung korrigieren will, tickt Somm ganz nach Tettamantis Gusto und empfahl sich mit seinem bisherigen Wirken als stellvertretender Chefredaktor der Weltwoche geradezu für den Chefposten am Rheinknie.

Ob Somm seinen aktuellen politisch-publizistischen Kurs bei der BaZ weiterführen wird, darüber lässt sich heute erst spekulieren. Nach dem ersten Leitartikel lässt sich hierzu sicher mehr sagen. Was ihm Verleger Wagner und Financier Tettamanti sicher ins Stammbuch schreiben werden, ist eine wirtschaftsfreundliche Berichterstattung. Die beiden BaZ-Käufer haben in der Vergangenheit mehrfach betont, die Zeitung müsse sich in diesem Bereich offener zeigen. Was den politischen Kurs angeht, so zeigte sich zumindest Verleger Wagner in der Vergangenheit offen und sprach sich für Meinungsvielfalt aus. Gebe die BaZ «allen» eine Plattform, tue es ihm nicht weh, «wenn auch Meinungen vertreten werden, die nicht mir entsprechen», sagte Wagner gegenüber KLARTEXT.

A propos zu viele Linksradikale, die Tittamanti in den Medien vermutet: Markus Somm war auch mal einer.

  1. Ronnie Grob sagt:

    Ich weiss nicht recht. Martin Wagner hat der “Werbewoche” vor einigen Monaten gesagt:

    “Was wir brauchen, sind staatliche Förderungsmassnahmen für die Tageszeitung und den Journalismus. Da sind die Politiker aufgerufen. Ich möchte Kostensenkungen im Bereiche der Postzustellung, ich möchte, dass der Staat Studentenzeitungen und -radios subventioniert und für die journalistische Ausbildung grosszügig Stipendien ausrichtet, ich möchte Vergünstigungen, wo es nur geht.”

    http://www.werbewoche.ch/werbewoche/printausgabe/content-191855.html

    Also für mich klingt das eher nicht so wie wirtschaftsfreundliche Aussagen. Oder geht es jetzt nur um die Sicht auf die Wirtschaft ausserhalb der eigenen Interessen?

  2. Klartext sagt:

    Es geht primär um die Berichterstattung über die Basler Wirtschaft. Denn die will man als potenzielle Inserenten nicht vergrämen mit einem kritischen Kurs.

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