27. Oktober 2010 von Pascal Wettstein

Wann hat sich die Billag letztmals bedankt?

Wie in der Schweiz wird auch in Schweden das öffentliche Radio und Fernsehen durch eine Gebühr finanziert, die jeder Haushalt zahlen muss. Für das Inkasso zuständig ist der Radiotjänst, das schwedische Pendant zur Billag, der Schwarzseher und -hörer mit Hausbesuchen behelligt. Vor einiger Zeit wurde nun bekanntgegeben, dass die Kontrolleure nicht mehr unangemeldet kommen würden.

In den letzten Monaten hat Radiotjänst jedoch seine Strategie wieder geändert. Nun ist man nirgends mehr sicher. Jederzeit und überall können die Beamten zuschlagen. Jedoch tun sie dies auf eine überraschend unterhaltsame Art.

Neuerdings bedankt sich „Radiotjänst“ bei jenen, die ihre Gebühr auch wirklich bezahlen, anstatt vor den unangenehmen Kontrollen zu warnen und mit dem Finger auf die Drückeberger zu zeigen. Die Art der Kampagne, mit dem witzigen Einsatz von Flashmobs ist sympathisch. Der Service Public bedankt sich bei denjenigen die ihn erst möglich machen: Beim Publikum.

Wäre dies ebenfalls eine mögliche Strategie für die Billag? Die Parallelen zwischen den beiden Ländern sind offensichtlich. Ein Schwedischer Haushalt mit TV und Radioanschluss bezahlt pro Jahr umgerechnet ungefähr 300 Schweizerfranken (in der Schweiz sind es 460 Franken). Das Nicht-Bezahlen der Gebühr ist auch im skandinavischen Land strafbar. Auch stösst diese Form der Medienfinanzierung nicht nur auf Zustimmung, aber mehrheitlich.

Eine Umfrage hat gezeigt, dass der Grossteil der Schwedinnen und Schweden dafür ist, dass das öffentliche Radio und Fernsehen weiterhin durch eine Gebühr finanziert wird. Könnte dies mit der sympathischen Imagekampagne zu tun haben?

Möglich ist es. Denn wann hat sich die Billag letztmals mit einer öffentlichen Aktion wie jener in Stockholm in ein positives Licht gestellt und sich bei den Gebührenzahlern bedankt?

  1. Adrian Scherrer sagt:

    Es kommt aber wohl drauf an, wie man sich bedankt. In Deutschland werden in den dritten Programmen der ARD gelegentlich mehr als peinliche Dank-Spots ausgestrahlt…

    http://www.hr-online.de/website/derhr/home/index.jsp?rubrik=2562

  2. C. Salzmann sagt:

    Spannend! Unsere Billag hat wohl längst ihr Image verspielt und es muss eine andere Lösung her als die momentane. Einfachste Lösung wäre doch, die Gebühren als Steuern einzufordern, nicht? Wer hat heute denn kein Handy, das uns den TV und Radio ersetzt?

    Wie die Gebühren eingesetzt werden, darüber wird immer diskutiert werden. Doch wie vor kurzer Zeit ein Referent an der ZHAW zugab, der bei tagi.ch arbeitet: «Wir fürchten uns alle vor der SRG.» Sie haben finanzielle Ressourcen, mit denen keine andere Medienorganisation mithalten kann. Meiner Meinung nach, sollen sie diese nicht im Netz ausgeben und ihre Homepage so füttern.

    Noch immer eine Überlegung wert: http://www.facebook.com/pages/Zurich-Switzerland/BYE-BYE-BILLAG-Volksinitiative-gegen-uberhohte-Rundfunkgebuhren/149112859031?ref=search

  3. Mario Rubenzer sagt:

    Das mit dem Bedanken finde ich eine gute Idee. In diesem Zusammenhang könnte man überlegen, ob man nicht die beliebtesten SF-Moderatoren mit einem kleinen Präsent in die Haushalte der Billag-Gebührenzahler schickt, damit diese sich persönlich für die finanzielle Unterstützung bedanken können. Das wär doch ein feiner Zug, oder? ;)

  4. Andreas sagt:

    Danken fürs regelmässige Zahlen der Gebühren, das gäbe in der Tat einen Sympathiebonus. Im Moment läufts umgekehrt: Schon zweimal habe ich eine Aufforderung erhalten, doch bitte mein TV-Gerät anzumelden – auch wenn ich keins Habe. Mit der Bemerkung versehen, dass wenn ich nicht reagiere, weitere Schreiben kommen… gahts no?

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