12. November 2010 von Claudia Salzmann

Aus dem Beruf: Matthias Lauterburg

Quelle: zvg

Matthias Lauterburg ist der leise Radio-Pionier aus Bern. Guter Journalismus ist für ihn eine Mischung zwischen künstlerischer Kreativität und buchhalterischer Genauigkeit.

Was würden Sie nach einem Journalismus-Studium als Erstes tun?

Ich würde in den ersten Jahren die verschiedenen Medien kennen lernen wollen, auch Online und Nachrichtenagenturen. Ich finde es wichtig, zu wissen, wie diese Medien funktionieren. Bei Nachrichtenagenturen lernt man auch die Fliessbandproduktion von Nachrichten. Und somit auch, wie man richtig News schreibt. Auf Online würde ich setzen, weil es in 10-20 Jahren der primäre Zugang zu News sein wird.

Welche Fähigkeiten zeichnen Sie als Leiter des Newsteams bei TeleBärn aus?

Ich glaube, dass ich komplexe Themen schnell auf einen Nenner bringen kann und habe ein grosses journalistisches Gewissen punkto Präzision in Fakten und Zitaten. Ich kann gut mit Menschen sprechen. Weshalb ich heute das Newsteam von TeleBärn leite, könnte darauf zurückzuführen sein, dass ich aus einem Team viel herausholen kann, ohne dass es sich ausgequetscht fühlt.

Haben Medien an Qualität verloren?

Nein, der Journalismus hat sich nur verändert. Wenn ich an meine ersten journalistischen Schritte beim «Emmenthaler Blatt» zurückdenke, da haben wir fahrlässig gearbeitet: Pensionierte Lehrer ohne jegliche journalistische Vorbildung als lokale Berichterstatter, deren Berichte mehr oder weniger unredigiert abgedruckt wurden. Oder ich als sportlicher Nobody und 20-jähriger Praktikant, der die Olympischen Sommerspiele in Mexiko 1968 alleine bewältigt hat. Wer heute von Qualitätsverlust spricht, der hat diese Zeit nicht erlebt.

Braucht es Journalistenausbildungen?

Einige Praktikanten bei TeleBärn studieren Medienwissenschaften an der Universität. Sie kommen in eine völlig andere Welt hinein, meilenweit von ihrem Studium entfernt. Ein Studium schadet sicherlich nicht, auch das Medienausbildungszentrum in Luzern schadet nicht, aber ohne Praxis verstehen die Studierenden die Medien nicht. Das Studium über das Medienwesen, so wichtig und interessant es ist, hat oft wenig mit der Praxis zu tun.

Matthias Lauterburg studierte drei Semester an der Universität St. Gallen und stieg 1971 in den Print-Journalismus ein. Später arbeitete er als freier Journalist und wechselte 1974 ins Radiogeschäft. Nach neun Jahren bei SR DRS gründete er das erste Privatradio «ExtraBE» in Bern, kam über die Radios «GRischa», «Rottu», «Saas» zu «Radio32». In den 90er Jahren war er als Medien-Berater bei einem Dutzend Lokalradios und als Moderator bei SR DRS tätig. Nach Radio «Förderband» als Programmleiter fing er bei TeleBärn als freier Mitarbeiter an. Lauterburg gründete 1998 seine eigene Firma «LaCoSA AG Bern» und übernahm das BZ-Ressort «Stadt Bern». Seit 2000 ist er Redaktionsleiter News von TeleBärn.

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