30. November 2010 von Antonio Haefeli

Mehr als nur Musiksender

„Talk vor 12“ auf Radio 105 behandelt politische und gesellschaftliche Themen, unterhaltsam verpackt für ein junges Publikum. Ob Ausschaffungsinitiative, Geschlechtsumwandlung oder Hanflegalisierung: Im „Talk vor 12“ wird hart diskutiert. klartext.ch hat mit Moderator und Sendungsmacher Michael Sahli gesprochen.

Seit rund einem Jahr sendet Radio 105 in Zürich auf UKW. Der seit 1998 bestehende Sender spricht eine junge Hörerschaft an und punktet vor allem mit Musik. Seit einigen Monaten bereichert  nun eine anspruchsvolle Wortsendungen das Programm. In der einstündigen Sendung „Talk vor 12“ lädt Moderator Michael Sahli kontroverse und polarisierende Figuren ins Studio, um mit ihnen über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen zu diskutieren.

Toni Brunner, ein Dreifachmörder und Maggie Tappert

Wenn dann beispielsweise Toni Brunner und ein Mitglied von Secondos Plus über die Ausschaffungsinitiative streiten, ein Dreifachmörder über seine Taten berichtet oder Maggie Tappert klarmacht, was Frauen wollen, entsteht zwischen Moderator und seinen Gästen oft ein  fruchtbares Streitgespräch, bei dem auch Jugendliche nicht wegschalten. „Was die Sendung am meisten auszeichnet ist, dass es eigentlich ein Format für ein gesetztes Publikum ist aber junge Leute ansprechen soll“, sagt Michael Sahli.

Eine Stunde lang über politische und gesellschaftlich relevante Themen zu sprechen und dabei unterhaltsam zu bleiben, so dass auch junge Leute gerne zuhören, das sei eigentlich die grösste Herausforderung an seinem Job. Sahli schafft das vor allem durch die Art wie er auf seine Gäste zugeht. Er begegnet ihnen auf Augenhöhe und bringt sie mit Charme und gleichzeitig provozierenden Fragen dazu, ehrliche und unverblümte Antworten zu geben, die jeder versteht.

Eine Gratwanderung

Doch „Talk vor 12“ ist nicht unumstritten. So muss Sahli auch mit Kritik umgehen, etwa wenn er einen bekennenden Pädophilen in die Sendung einlädt: „Bei polarisierenden oder umstrittenen Personen kommen teilweise Einwände, ich solle diesen doch keine Plattform geben. Ich finde aber, das ist doch genau die Subjektvität, die man eigentlich nicht möchte – wer entscheidet denn, wer eine Plattform bekommt und wer nicht?“

Die Gratwanderung zwischen unterhaltsamem Format und ernsthaften Inhalten ist dem jungen Moderator durchaus bewusst: „Je mehr ein Thema polarisiert, desto schmaler ist der Grat zwischen Ernsthaftigkeit und unterhaltsamer Aufbereitung, damit muss ich leben.“

Doch Sahli ist sich sicher, dass es eine Sendung wie seine braucht. Wo gäbe es denn sonst ein Format, das Jugendlichen, aktuelle Themen aus Politik und Gesellschaft altersgerecht vermittle? Er sei fest davon überzeugt, dass man auch eher trockene Inhalte so vermitteln kann, dass es spannend bleibt und die Leute trotzdem interessiert zuhören.

Die Sendung „Talk vor 12“ wird immer Samstags von 11 Uhr bis 12Uhr auf Radio 105 ausgestrahlt.

  1. Andy Frei sagt:

    Die Sendung überzeugt, ja. Da werde ich sicherlich in Zukunft wieder mal reinhören. Radio 105 kann mich jedoch weniger mitreissen.
    Viele der Moderatoren-Stimmen sind ziemlich untypische Radio-Stimmen, denen ich nicht gerne zuhöre. Auch Michi Sahli hat keine Stimme, der ich stundenlang zuhören will. Das ist aber auch schon die einzige Kritik (für die er erst noch nichts kann) an Sahli.

Aktuelles Heft:

 

EDITO
Ausgabe: 5 | 2018

  • Schaffhausen für Öffentlichkeitsprinzip
  • Fragen im “Opferzeitalter”
  • Umweltskandale in Chile
  • Regionaler Online-Journalismus
  • Ist vor “No Billag” nach “No Billag”?
  • Bilder von Flurina Rothenberger
  • und anderes mehr