10. Dezember 2010 von Claudia Salzmann

“Zambo”: Medienkonvergenz im Kinderzimmer

Screenshot Homepage

SRG sendet seit Ende August das europaweit erste medienkonvergente Kinderprogramm.  Via Fernsehen, Radio und dem Internet werden Kinder in die farbig-fantasievolle “Zambo”-Welt entführt.

Am besten lässt sich das kovergente und crossmediale Konzept des Kinderprogramms am Ratespiel “Zambooster” von SF zwei verdeutlichen: Die Teilnehmer des Rätsels melden sich im Internet (oder per SMS) an und ihre Avatars –  Figuren, die die Kinder auf der Homepage selber gestalten können – erscheinen am Bildschirm. Die Kinder können sich mit ihrem eigenen Namen oder mit Fantasienamen anmelden. So sitzt ein Teil der jungen Zuschauer vor dem Fernseher, andere schauen sich den Livestream auf der Webseite an und doch sehen alle die gleiche Sendung.

“Zambo” setzt auf Partizipation: Seien es die jungen Gäste im Studio, Kommentare auf der Webseite, Telefonanrufe ins Radiostudio für Liederwünsche, Kindergrüsse, Ratespiel, Kinderlieder mitsingen, Bastelstunde mit Michel, Chatroom und vieles mehr.

Eine Prise Pädagogik ist auch dabei: Das Moderatoren-Team geht feinfühlig mit den Kindern um und thematisiert Angst, Sorgen Probleme oder ob es in Ordnung ist, Alex Frei auszupfeifen. Kinderreporter Robin geht für das Publikum ins Kino und seine Bewertung des neuesten “Harry Potter”-Film wird im Fernsehen gezeigt, aber auch in der Radiosendung “Zambo” auf DRS1 ausgestrahlt und ist als Podcast verfügbar.

Online bringt das 6-köpfige Moderatorenteam mit Blogeinträgen neue Themen ein. Themen, die vorher im TV und Radio besprochen wurden, werden auch im Chat weiterdiskutiert. Was wäre eine Kindersendung ohne Geschichten, Märchen, Fortsetzungserzählungen und kurze Anekdoten, szenisch erzählt im Radio und in der Sendung “myZambo”. Sonntags kommen Märchenliebhaber mit der “Zambox” eine Stunde lang auf ihre Kosten.

Nicht zuletzt will “Zambo” den Kindern die Medien und der Umgang damit näher bringen: So sieht man immer wieder die Kameraperson im Bild. Ausserdem tourt ein mobiles Radiostudio durch die Schweiz, um mit Schulklassen Radiosendungen zu produzieren und ihnen zu zeigen, was dahinter steckt.

Teil von “Zambo” ist auch die Soap “Best Friends”. Nicht nur die fixfertige Serie wird ausgestrahlt, sondern auch das Making-Of. Produziert wird das Programm von der neuen Kinderredaktion von Schweizer Radio und Fernsehen in einem neu gebauten Sendestudio im Radiostudio Zürich.

“Zambo”: DRS 1 ab 19.00 Uhr, SF 2 wochentags von 14.30 bis 18.30, am Wochenende 7.30 bis 10.30 Uhr, «Best Friends» 18.10 Uhr

  1. Andy Frei sagt:

    Gut recherchiert. Ich wusste gar nicht, wie weit das wirklich greift. Da haben SF und SR DRS ja ganze Arbeit geleistet. Zambo erscheint noch einheitlicher und umfassender als das Vorgängerprogramm tubii.
    Schön für die Kinder, wahrscheinlich weniger für Eltern, die den Medienkonsum des Nachwuchses beschränken wollen.

    Auch geht es SF und SR DRS wohl eher um die frühe Bindung und Angewöhnung der jüngsten Zuschauer und weniger um pädagogische Werte. Zum Glück lässt sich ersteres am Besten erreichen, indem man eben die erwähnte Prise Pädagogik einfliessen lässt und das wird schon ziemlich gut / clever gemacht.

  2. Reto Beeler sagt:

    Finde das 10’000-Volt-Dauergrinsen der Moderatoren trotz aller medienkonvergenten Planung immernoch beängstigend. Nun, vermutlich sehen das die Kids nicht so.

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