17. Dezember 2010 von Reto Beeler

Aus dem Beruf: Elif Erisik

Ob vor der Kamera oder hinter der Kamera, Hauptsache Fernsehen. Programmchefin vom neuen Jugendsender Joiz über Ausbildung, Kamerapreise und das Dasein als Mädchen für alles.

Finden sie, dass die Qualität des Fernsehens abgenommen hat?

Das Fernsehen verändert sich. Was früher ein ganzes Team erledigt hat, macht heute oft nur noch einer, also ein VJ. Trotzdem finde ich die Qualität immer noch gut. Sie ist einfach anders. Fernsehen ist heute viel innovativer, weniger elitär. Heute ist alles erschwinglich geworden. Jeder kann sich eine qualitativ gute Kamera leisten, Filme drehen oder einen Video-Blog machen. Wenn jemand gut ist darin, hat es auch Qualität.

Was würden sie heute als erstes tun, wenn Sie eine Journalismus-Ausbildung abgeschlossen hätten?

Praktika, auf jeden Fall. Das ist der Einstieg für alles. Man sollte sich nicht zu schade sein für einen Job. Egal ob beim Lokal-Radio, ein kleines Amtsblatt oder Fernsehen, irgendwo muss man starten. Man kann ja überall profitieren und etwas mitnehmen. Das redaktionelle Handwerk, wie man eine Geschichte erzählt, ist überall dasselbe.

Wie sehen Sie die Journalismus Ausbildung heute?

Es ist ein riesiger Unterschied zu meinen Uni-Zeiten. Ich schloss in Publizistik ab und hatte keine Ahnung von tuten und blasen. Man lernte viel Theorie, aber keine Praxis. Dabei ist ausprobieren das Wichtigste. Experimentieren. Eine Kamera in die Handnehmen und loslegen. Dieses Üben ist sehr wichtig und sollte auf keinen Fall vermindert werden.

Welche Fähigkeiten braucht man um Fernsehen zu machen?

Man muss vielseitig sein. Im Privatfernsehen macht man vieles Selbst, Recherche, Produktion, Kamera, Schnitt und Moderation. Man ist „Mädchen für alles“. Dazu kommen die Erfahrungen, sammeln und wieder verwenden. Kommt eine Ausnahmesituation nochmals vor, weiss ich, wie ich diese handeln kann. Jetzt als Head of Program muss ich auch in zwischenmenschlichen Angelegenheiten gut sein. Und Organisationstalent besitzen. Und Spontaneität. Plötzlich macht man Sachen, die nie geübt wurden. Damit muss man klar kommen.

Elif Erisik studierte Publizistik an der Universität Zürich, arbeitete danach als VJ bei Viva Schweiz. Nach einem kurzen Abstecher in die PR-Welt der Musik bei der Free & Virgin Group wechselte sie zu Glanz & Gloria beim Schweizer Fernsehen. Seit kurzem ist sie Programmchefin beim crossmedialen Jugendsender Joiz.
  • Tags: ,

Keine Kommentare zugelassen.

Aktuelles Heft:

 

EDITO
Ausgabe: 5 | 2018

  • Schaffhausen für Öffentlichkeitsprinzip
  • Fragen im “Opferzeitalter”
  • Umweltskandale in Chile
  • Regionaler Online-Journalismus
  • Ist vor “No Billag” nach “No Billag”?
  • Bilder von Flurina Rothenberger
  • und anderes mehr