25. Februar 2011 von Jennifer Zimmermann

Aus dem Beruf: Max Küng

Max Küng ist seit zehn Jahren redaktioneller Mitarbeiter beim «Magazin» des «Tages-Anzeigers». Schreiben könne man nur bedingt lernen, sagt er, Journalistenausbildungen brauche es aber dennoch.

Sie haben sich vor allem als Kolumnist des «Magazins» einen Namen gemacht. Wie schreibt man eine gute Kolumne?
Man muss viel Zeit investieren, wie bei allem, was gut werden soll. Viele meinen, die Kolumne sei ein sehr einfaches Gefäss, das schnell gefüllt ist. Deshalb gibt es auch so viele schlechte Kolumnen. Das Wichtigste ist, dass du eine gute Idee entwickelst und diese dann fermentieren lässt. Die Zeit vor dem eigentlichen Schreiben ist ein wichtiger Teil der Arbeit. Das Schreiben an und für sich ist dann reines Handwerk, Arbeit halt, mühsam aber letztlich nötig.

Weshalb wird Ihre Kolumne gelesen?
Es ist schwierig, über die eigene Arbeit zu urteilen. Ich mag die deutsche Sprache sehr und in meiner Kolumne kann ich die kreativen Möglichkeiten, welche sie bietet, relativ frei ausleben. Es passiert häufig, dass mir meine Leser schreiben, dass sie ihren Alltag auf ähnliche Weise erleben, wie ich ihn beschreibe. Eine Kolumne ist für viele also eine Form von Heimat. Nicht zuletzt spielt der Humor eine wichtige Rolle.

In Ihren Artikeln beleuchten Sie oft die kleinen, alltäglichen Dinge.
Ja, ich mag die kleinen Dinge des Alltags. Die grossen Themen mag ich weniger – Politik beispielsweise überfordert mich komplett. Wirtschaft? Hab ich keinen Schimmer. Auch bei grösseren Geschichten, zum Beispiel bei Reportagen, macht es mir am meisten Spass, genau zu beobachten und alles möglichst treffend zu beschreiben. Das ist es, was mich schon immer an diesem Job fasziniert hat. Immer wieder zu erfahren, zu beobachten, dass die Realität unschlagbar und folglich der Fiktion überlegen ist.

Was raten Sie einem Journalismus-Studenten, der soeben seine Ausbildung beendet hat?
Ich würde sehr viel Zeit darin investieren, gute Ideen für Geschichten zu entwickeln, denn diese sind gesucht. Zudem muss man hartnäckig sein, sein Beziehungsnetzwerk nutzen und ein wenig Glück gehört auch mit dazu. Ausserdem muss man sich Zeit lassen, seinen Platz als Journalist zu finden. Am Anfang passte ich nirgends hinein und eckte bei gewissen Arbeitgebern an. Einer wollte mir beispielsweise Füllwörter und bestimmte Adjektive mit inquisitorischer Strenge austreiben, obwohl gerade diese in meinen Augen die Sprache bereichern können. Ich hatte das Glück den Weg zum «Magazin» zu finden, wo man mir diesen kreativen Freiraum lässt.

Braucht es Journalistenausbildungen?
Das Schreiben – und das mag jetzt vielleicht ein wenig eine romantische Sicht sein – ist etwas, das man meiner Meinung nach nur bedingt lernen kann. Es braucht eine Begabung dazu, ein Talent. Es gibt natürlich gewisse Techniken und Kniffs, und üben kann man dieses Handwerk. Ausserdem muss man sich selber in diesem diffusen Berufsbild des Journalisten finden: Wo liegen meine Stärken? Im Recherchieren? Welche Themen liegen mir? Was interessiert mich überhaupt? Also ja, es braucht Journalistenausbildungen.

Kann man als freier Journalist überleben?
Jein. Ich glaube als freier Journalist sollte man zuerst ein wenig Zeit investieren und schauen, was sich ergibt. Natürlich muss man sich das finanziell auch leisten können. Es ist kein lustiges Metier, aber das Positive an der Situation ist, dass es momentan wenig gute freie Journalisten auf dem Markt gibt. Die Guten sind alle in den Corporate Journalism oder die Werbung abgewandert. Wer also etwas investiert, der hat Chancen mit guten Geschichten auf sich aufmerksam zu machen – und irgendwann wird dann ein Angebot folgen, da bin ich sicher. Finanziell ist Journalismus eh nicht attraktiv. Aber früher hatten die Journalisten ja immer einen etwas schlechten Ruf. Dabei sind wir edel: Niemand kann uns vorwerfen, wir würden den Job nur des Geldes wegen tun (lacht).

Wie schätzen Sie die Zukunft des Journalismus ein?
Man träumt ja von einer Renaissance des Journalismus, in der tiefgründige Berichterstattung, längere Texte, epische Reportagen wieder mehr gefragt sind. Ich glaube daran, auch wenn ich nicht weiss, wie realistisch das ist. Aber das ist ja beim Glauben nicht so wichtig. Ich hoffe auf die jungen Menschen, die nebst all den Gratisinformationen doch noch ein Bedürfnis nach mehr haben.

Wollte Bankdirektor werden
Max Küng wurde 1969 in Maisprach bei Basel geboren. Er absolvierte in Liestal eine kaufmännische Lehre bei der UBS. Sein Traumberuf aus Kindertagen war es, einmal ein reicher Bankdirektor zu werden. Als nächstes fing er eine Ausbildung als Computerprogrammierer an, die er nach kurzer Zeit wieder abbrach. Mit 25 Jahren begann er die eineinhalb jährige Ausbildung bei der Ringier Journalistenschule. Während dieser Zeit absolvierte er Praktika bei «10 vor 10» und bei der «WOZ». Danach schrieb er als freier Journalist unter anderem für die «BaZ», den «Beobachter», die «Sonntagszeitung», die «Schweizer Familie» und die «Weltwoche». Im Jahr 2000 wurde sein erster Artikel im «Magazin» des «Tages-Anzeigers» publiziert. Heute ist er mit einem Fixpensum von 80% als Kolumnist dieser Publikation angestellt.

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