5. November 2010 von Mario Rubenzer

Aus dem Beruf: Hansi Voigt

Hansi Voigt war schon in fast jedem Bereich des Journalismus tätig. Er findet, dass man sich als junger Journalist am besten einen Namen macht, wenn man sich gezielt auf ein Gebiet konzentriert.


Was ist die wichtigste Fähigkeit eines Chefredaktors?

Meine Rolle als Chefredaktor bei 20 Minuten Online verstehe ich als die eines Fussballtrainers, der das Ziel verfolgt, die Einzeldisziplin Journalismus zum Mannschaftssport zu machen.

Macht „20 Minuten Online“ Boulevard-Journalismus?

Wir versuchen ein Angebot zu erstellen, das informativ und unterhaltend ist. Dazu muss man die richtigen Erzählformen einsetzen. Die Vermittlung von Inhalten etwa in Quiz-Form oder in Bildformaten ist nichts Schlechtes. Wichtig ist, dass man nicht zu seicht wird sondern die Balance hält.

Wie sinnvoll ist eine Journalistenausbildung?

Ich betrachte die Ausbildung als einen Gradmesser dafür, wie ernst es jemand mit dem Berufswunsch Journalist meint. Das Handwerk beherrschen die meisten Absolventen einer Fachhochschule natürlich noch nicht. Da fehlt die praktische Erfahrung, aber die ergibt sich ja dann. Wichtig ist auch das Netzwerk für die Jungjournalisten, das man sich durch die Ausbildung aufbaut und das den Einstieg ins Berufsleben erst ermöglicht.

Wie kann man sich als junger Journalist heutzutage einen Namen machen?

Man sollte sich, wenn möglich, fokussieren und sich einen Fachbereich zulegen und dort Kompetenz aufbauen. Wer in einer bestimmten Sparte Know-How und ein großes Hintergrundwissen hat, ist sehr gefragt und macht sich mit der Zeit selbst zur Marke.

Hansi Voigt begann seine journalistische Karriere beim Lenzburger Bezirksanzeiger. Nach Zwischenstationen bei Radio und Fersehen machte er ein Volontariat in der Wirtschaftredaktion der Basler Zeitung. Voigt arbeitete lange bei “Cash”, das er als Chefredaktor interimstisch leitete. Nach seiner Zeit dort ging er zum “Beobachter” und gewann dort den Zürcher Journalistenpreis und zweimal das Tischfussballturnier der Jean Frey AG. Seit 2006 ist er bei “20 Minuten Online”, seit 2007 als Chefredaktor.
29. Oktober 2010 von Imelda Stalder

Aus dem Beruf: Daniele Muscionico

Daniele Muscionico

Daniele Muscionico arbeitet seit über zwanzig Jahren als Kulturjournalistin. Praktische Erfahrung, sagt sie, sei wichtiger als ein akademischer Titel, um im Journalismus Fuss zu fassen.

Welche Fähigkeiten zeichnen dich als Kulturredaktorin aus?

Meine Fantasie und meine innere Unabhängigkeit. Ich hatte in meinem Leben lange Jahre nur das Schreiben. Vielleicht war ich auch sehr leistungsorientiert, flexibel, anspruchslos am Anfang; ich habe die ersten drei Jahre bei der NZZ einfach alles gemacht, sogar Polizeiberichte geschrieben und über Tunnelbrände berichtet.

Ist der Kulturjournalismus am Aussterben?

Im Printbereich könnte man das vielleicht sagen, es gibt immer weniger Platz und es wird immer mehr gespart bei den Journalisten. Die Verlagerung auf den Online-Journalismus ist einfach noch nicht so etabliert, er hat immer noch etwas den Ruf von Fastfood. Das wird aber in zehn Jahren nicht mehr so sein.

Was hältst du von einer Journalismusausbildung?

Ich sehe das teilweise etwas kritisch, denn ohne Praxis bist du niemand. Uns wurden an der Uni keine Türen für die Praxis geöffnet im Gegensatz zu heute. Aber heutzutage beeindruckt dafür einen Bachelor oder einen Master niemanden mehr.

Ist es heutzutage noch möglich sich als freischaffende Journalistin einen Namen zu machen?

Ja, wenn man’s so macht wie Tom Kummer, dann kommt man sogar noch ins Kino! Nein ernsthaft, ich persönlich kenne kaum Beispiele. Die einzige Chance dafür ist, dass es einen Chef gibt, der dir eine Plattform zur Verfügung stellt und an dich glaubt.

Daniele Muscionico studierte Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Zürich. Mit 27 Jahren, nach ihrem Studium begann sie mit einem halbjährigen Volontariat bei der NZZ. Dort blieb sie 18 Jahre lang und arbeitete als Kulturredaktorin. 2007 verliess sie die NZZ, schrieb 2 Jahre für die Weltwoche und ist seit 2009 freie Kulturjournalistin. Daniele Muscionico hat während ihrer Laufbahn den Zürcher Journalistenpreis und ein Werkjahr der Kulturstiftung Landis & Gyr gewonnen.

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Ausgabe: 5 | 2018

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