9. Juli 2007 von Klartext

“Das Rennen geht weiter”

“Schreiben Sie uns, was Sie an KLARTEXT freut oder ärgert und welchen Stellenwert Sie ihm als Medienpublikation zukommen lassen”, forderte KLARTEXT eine handverlesene Schar von siebzig prominenten Leserinnen und Lesern auf. KLARTEXT druckt die bis Redaktionsschluss eingegangenen Kritiken und Lobesbriefe in alphabetischer Reihenfolge ab.

c5b06d324a26afa5f8103a1a1e0f69d8Gemütlichkeit vorbei
KLARTEXT ist das beste, weil einzige Schweizer Medien-Magazin. Seine Lektüre macht Spass – wenn man nicht selber betroffen ist.
Wird man zur Zielscheibe des KLARTEXT, ist es mit der Gemütlichkeit schnell vorbei. Das hat damit zu tun, dass in diesem Magazin in aller Regel nur die halbe Wahrheit und damit auch halbe Lügen verbreitet werden. Diese Mischung aus Facts, Gerüchten und Spekulationen macht den zweifelhaften Erfolg von KLARTEXT aus.
Was KLARTEXT aber über alle Zweifel hinaus auszeichnet, ist das Bemühen, die Medienszene transparenter zu machen. Manchmal gelingt es sogar.
René Bortolani, Zürich
Assistent des Delegierten
der “Tages-Anzeiger AG”

Wertvolle Impulse
In einer Zeit des Umbruchs, der Veränderung und der Suche nach neuen Formen des Zusammenlebens werden auch die Medien und die Medienlandschaft von Bewegungen nicht verschont. In einer solchen Zeit ist es besonders wichtig, ja unerlässlich, auch in der Schweiz eine Zeitschrift zur Verfügung zu haben, welche die Entwicklungen im Bereich der Medien, der Information und des Journalismus verfolgt und analysiert, wertet und kommentiert, Moden und Tendenzen aufzeigt, das Ganze mit der ständigen Sorge um die Funktion und die Freiheit der journalistischen Tätigkeit.
KLARTEXT erfüllt diese Aufgaben nun seit zehn Jahren. Für die Informationsdienste des Bundes ist KLARTEXT eine wichtige Informationsquelle. Dieses Magazin gibt uns gleichzeitig wertvolle Impulse, um unsere eigene Tätigkeit im Dienste einer offenen Information der Öffentlichkeit zu überprüfen und anzupassen. Mein Wunsch ist, dass KLARTEXT im zweiten Jahrzehnt seiner Tätigkeit vermehrt auch Probleme und Sorgen der Medien in der welschen und italienischen Schweiz kontinuierlich verfolgt und bei allen Überlegungen auch Bürgerinnen und Bürger, die es schliesslich zu informieren gilt, nicht ganz vergisst.
Achille Casanova, Bern
Vizekanzler

Nase für die Story
Wenn Medienschaffende für Medienschaffende über Medien und Medienschaffende schreiben, so muss das noch nicht unbedingt im Klartext sein. Wenn besagtes aber in kritischer Enthüllung (linke Hand am linken Griff) dessen geschieht, was Medienschaffende interessiert oder wenigstens mit hämischer (Schaden-)Freude über Medien und Medienschaffende lesen – ausgenommen die Enthüllung betreffe sie selbst – , so muss es sich klar um KLAR-TEXT handeln. Ein Journalist hat nicht geliebt, sondern gelesen sein zu wollen … quod est demonstrandum. Und das erst noch in Beweisführung am lebenden Objekt, sprich Journalist. Ein Beweis, dass KLARTEXT weiss, was – übrigens auch, Kompliment, in Sachen “Handwerk” wie Recherche und “Nase” für die Story – Journalismus ist!
Martin Edlin, Schaffhausen
Medienredaktor “Telex”

Klopfsauger
Eine erfrischende Postille von verzweifelter Tapferkeit: Die Dementis sind ebenso spannend wie die Enthüllungen. Und irgendwo dazwischen wird wohl die Wahrheit liegen. Der Blick durch die Schlüssellöcher der Redaktionsstuben ist für Nichtbetroffene allemal interessanter als die offiziellen Verlautbarungen der Verlagshäuser, auch wenn sie meist mit einigen Löffeln Salz zu geniessen sind. Mit Klatsch und Tratsch in die Pfanne gehauen zu werden tut gerade jenen gut, die sich selber oft für das Mass aller Dinge halten: uns allen also, die wir am helvetisch-publizistischen Spannteppich mitknüpfen. Ein Klopfsauger im Klartext.
Heinrich von Grünigen, Zürich
Programmleiter “DRS 1”

Lieblingszeitung
Im TV-Quiz “Persona” habe ich letztes Jahr KLARTEXT als meine Lieblingszeitung bezeichnet. Das war weder Scherz noch Ironie, sondern (beinahe) die Wahrheit. Ich brauche nicht unbedingt eine Zeitung, die mich in meinen Ansichten bestätigt. Nötiger habe ich – wie eigentlich jedermann – ein Blatt, das sie in Frage stellt. KLARTEXT tut dies mit gut geschriebenen Texten auf eine boshaft unterhaltsame Weise. Zudem erfahre ich bei der Lektüre eine Vielfalt von Fakten, die mir sonst zum grössten Teil nicht zur Kenntnis kämen. Schade, dass diese “facts” nicht immer wirkliche Tatsachen sind. Schade – und eigentlich unverzeihlich, dass die Artikel fast ausnahmslos anonym sind.
Hans Gmür, Egg
Autor

Kollegenschelter
Klar, an KLARTEXT kommt man als Journalist nicht vorbei.
Unklar ist bloss, warum. Will ich meinen Gwunder auf den neusten Klatsch aus der Journaille befriedigen? Oder mich schadenfreudig an der Häme schadlos halten, die querbeet durch fast alle KLARTEXT-Texte geht? Oder möchte ich gar seriöse Informationen aus der Branche?
Eigentlich schon das letzte, wobei ich die Funktion des KLARTEXT als “Jou-Bli” nicht wegreden will.
Also Branchen-Info, Insider-News, Trends, Hintergründe. Oft erfüllt KLARTEXT diesen Anspruch ausgezeichnet. Zu oft aber nicht, wenn man den Massstab nimmt, den KLARTEXT selbst als fleissiger Kollegenschelter und Lehrmeister der Journalisten-Nation anlegt.
Alles klar? Dann ab an die Recherche. Für noch klarere KLARTEXT-Texte.
René E. Gygax, Thun
Chefredaktor “Thuner Tagblatt”

Währschaftes Handwerk
Klar, KLARTEXT gehört zu meiner Pflichtlektüre, will ich über die Medienbranche informiert sein. Und wenn es keine Pflicht wäre, würde ich KLARTEXT trotzdem lesen. Es ist herrlich, aus jedem Beitrag den Wunsch herauszulesen, eine möglichst objektive Klarheit zu schaffen und gleichzeitig der subjektiven Kritik genügend Platz einzuräumen.
Schreiben, das beweist mir KLARTEXT, ist ein währschaftes Handwerk; der Schreiberling – ein Handwerker, der mit der Wahrheit, der Unwahrheit und der Wahrscheinlichkeit kämpft und dabei ein bisschen Zynismus, ein wenig Ironie und gar etwas Hoffnung miteinfliessen lässt. So macht mir lesen fast so viel Spass wie fernsehen.
André Hofer, Bern
Direktor “AG für das Werbefernsehen”

Lästiger Begleiter
Wer wie unsereins im KLARTEXT in der Regel Federn lassen und mit Qualifikationen wie Techno-, Büro- und Filzokrat vorlieb nehmen muss, nimmt dankbar zur Kenntnis, dass er vom Schweizer Medien-Magazin zur “handverlesenen Schar von prominenten Lesern” gezählt wird. Dies sowie der Umstand, dass KLARTEXT zehn Jahre ein treuer und zugegeben manchmal lästiger Begleiter helvetischer Medienpolitik ist, motivieren mich zu einem beherzten Griff in die Tasten.
Was mich an KLARTEXT freut: Die meistens interessanten und aufschlussreichen “Gespräche im KLARTEXT”, der unterhaltsame Branchenklatsch sowie die kreativen und witzigen Wortspiele auf dem Titelblatt.
Was mich am meisten nervt: Das Prinzip der selektiven Wahrnehmung; was eine vorgefasste Meinung nicht stützt, fällt vielfach durch den ideologischen Raster. Der Anspruch “kritisch und unabhängig” wird nur zum Teil erfüllt. Für die nächsten Jahre wünsche ich mir deshalb einen KLARTEXT, der seinen analytischen Scharf- und Durchblick vermehrt dem ganzen medienpolitischen Spektrum zugute kommen lässt.
Rainer Keller, Bern
Chef “Radio- und Fernsehdienst” EVED

Anonyme Einheitssprache
KLARTEXT betreibt anonymen Journalismus in einer anonymen Einheitssprache. Damit zeigt KLARTEXT, dass es gerade in unserem Beruf auf Persönlichkeit und Eigensinn nicht ankommt. Das Medium bestimmt den Charakter derjenigen, die es abfüllen. Schadeschade.
Stefan Keller, Zürich
Redaktor “WochenZeitung” WoZ

Flagge verwurstelt
Wenn der KLARTEXT fragt, welchen Stellenwert man ihm als Medienpublikation zukommen lassen möchte, kommt schon ein kleiner Teil des denkbaren Jammers zum Vorschein: armseliger Umgang mit der Sprache. Früher sagte man “Bedeutung”, heute heisst das “Stellenwert”; es tönt so viel geschniegelter. Dass der bundesdeutsche “Spiegel” eine neue journalistische Sprache geschaffen hat, hat schon Enzensberger vor vielen Jahren sorgsam, wenn auch spöttisch notiert. Dass dahinter auch ein gewisses Gehabe steckt, das bei weniger talentierten Journalisten in händchenreibende Mini-Provokation ausartet, nimmt man gelassen zur Kenntnis, wenn man dem Autor vertraut. Aber unwillig wird man, wenn er sich, wie beim “Spiegel”, in die redaktionelle Anonymität und in einen kollektiven Jargon flüchtet.
Aber dennoch: Lesen wir uns da durch. Die Beleuchtung ist manchmal zu grell, die Kamera versteht sich parteiisch, das Arrangement ist häufig zu ideologisch, die medienpolitische Flagge verwurstelt, weil sie nur noch an ihrem letzten Haken hängt. Man muss einmal die alten Nummern nachlesen, um herauszufinden, wie unbarmherzig auch die schweizerische Realität des KLARTEXT heiligste Kühe vom Eis gebracht hat: Was über die Lokalradios, die Privaten, das Kommerzielle Fernsehen, die Regionalzeitungen und die Werbewelt zu lesen war, ist politisch voreingenommener als sachlich zutreffend. Aber immerhin: Da sind Leute gewissen Themen auf der Spur, die man anderweitig so konsequent nicht verfolgt sieht. Somit stellt sich für mich als Leser immer die Frage, wieviel Nebengeräusche ich im einzelnen Fall subtrahieren kann.
Markus Kutter, Basel
Publizist

In die Seele
Gibt es in anderen Branchen zu KLARTEXT vergleichbare Publikationen? Kommunikations- und Werbezeitschriften zum Beispiel werden zur höheren Weihe von Kommunikatoren und Werbern verfasst. Kritik hält sich in Grenzen, wie fast überall, wo sich eine Branche selbst beschreibt und eben aus derselben heraus ihre Anzeigen zum guten Eigenleben akquiriert. Die Redaktions- und Verlagsbranche liest von sich in ihrem Branchenmagazin kaum Verklärtes und Genüssliches, meist aber viel Schadenfreudiges. Und weil solche Freude stets und immer tiefe Befriedigung bei den Nichtbetroffenen auslöst, ist KLARTEXT nicht mehr wegzudenken. Wer dem Menschen in die Seele schaut und diese erkennt, wird zur unabdingbaren Notwendigkeit.
Hanspeter Lebrument, Chur
Direktor “Gasser AG”

Weniger spannend
Ich habe noch nie einen KLARTEXT weggelegt, ohne mindestens den Klatsch zu lesen. Hingegen finde ich die langen Interviews immer weniger spannend, besonders das letzte (Anmerkung der Schreiberin: das mit Tiziana Mona).
Tiziana Mona, Grüningen
SSM-Präsidentin

Immer unartig
Der KLARTEXT hält, was er in seinem Titel verspricht, indem er eindeutige und überspitzte Formulierungen bevorzugt. Diese provozierende Verbreitung von “Irrtümern und Weisheiten” wirkt belebend und anregend, auch wenn man nicht mit allem einverstanden ist. Ein Interview-Partner geht beim KLARTEXT stets ein Risiko ein, da die Redaktion in ihren Stellungnahmen überaus keck, bisweilen sogar frech, reagiert. Der KLARTEXT versucht immer wieder, nach dem Wort von Robert Walser zu handeln: “Man ist immer unartig, wenn man die Wahrheit sagt.”
Ernst Mühlemann, Ermatingen
Nationalrat FDP

Versalzene Suppe
Es freut mich, dass es KLARTEXT gibt und dass das betont kritische Schweizer Medien-Magazin sein zehnjähriges Jubiläum feiern kann. Ich gratuliere hierzu herzlich.
Kritik gehört zu einer demokratischen Gesellschaft wie das Salz zur Suppe. Kritik ist nötig als Ansporn und als Kontrolle zugleich.
Es ärgert mich, wenn KLARTEXT-Journalisten zuweilen die klassische Unschuldsvermutung in ihren Kommentaren auf den Kopf stellen. Denn der Journalist, der bis zum Beweis des Gegenteils davon ausgeht, auch Repräsentanten von Institutionen und Behörden handelten aus achtenswerten Gründen, wird nach dem im KLARTEXT phasenweise vorherrschenden Berufsverständnis als “affirmativer Journalist” verschrien. Das gibt zuweilen versalzene Suppen, und die löffelt man/frau bekanntlich ungerne.
Fritz Mühlemann, Bern
Generalsekretär EVED

Im Bild
Ich erachte KLARTEXT als professionell aufgemachtes Magazin mit gut recherchierten Artikeln, die fast lesen “muss”, wer über die Medienwelt im Bild sein will. Bei allem journalistischen Tiefgang kommt erfreulicherweise auch der Unterhal-tungsaspekt nicht zu kurz. Durch die Lektüre von KLARTEXT gewinnt man den Eindruck, man wisse auch, was sich hinter den Kulissen der Medienszene Schweiz tut.
Eine formale Kritik habe ich allerdings anzubringen: Statt einem seitenlangen Interview mit einem einzigen Medienexponenten pro KLARTEXT-Ausgabe würde ich lieber mehrere, kürzere Interviews sehen, die auch ein breiteres Interessenspektrum abdecken könnten.
Robert Neun, Bern
Pressechef PTT

Analyse und Urteil
Fairness und Sachkompetenz sind für mich die Eckpfeiler journalistischer Leistung. Daran ändern weder neue Formen der Kommunikationskultur noch unvermeidliche rechtliche Strukturierungen der Medientätigkeit das Geringste. Analyse und Urteil weiter zu entwickeln, wird zu den wichtigsten KLARTEXT-Aufgaben der kommenden Jahre. Ich gratuliere herzlich zum Jubiläum und wünsche dem Schweizer Medien-Magazin alles Gute.
Adolf Ogi, Bern
Bundesrat

Ungeteilter Respekt
Anfangs der achtziger Jahre bat mich der KLARTEXT in Bern um ein Interview. Es ging um die damalige “Unabhängige Beschwerdekommission für Radio und Fernsehen”, Vorläuferin der heutigen Instanz (UBI), die Willi Ritschard ins Leben gerufen hatte und die ich zu dieser Zeit präsidierte. Selbstverständlich war ich bereit, mich einer kritischen Presse zu stellen. Ich erlebte zwei Journalisten, die sich präzise auf das Streitgespräch vorbereitet hatten. Sie konfrontierten mich genau mit den wesentlichen Fragen, und ich suchte sie so redlich wie möglich zu beantworten. Anschliessend war für mich der Fall abgeschlossen, weil ich nie ein Manuskript vor seiner Drucklegung habe kontrollieren wollen. Doch die beiden Kollegen bestanden darauf, mir den Text zu unterbreiten. Er entsprach uneingeschränkt meinen Aussagen, war also untadelig, und das Medienmagazin unternahm auch nicht den geringsten Versuch, mich mit einem Vorspruch oder einem Nachwort zu diffamieren. Die Journalisten hatten wissen wollen, ob Ritschard und ich eine heimliche Zensur im Schilde führten, und ich verteidigte unsere Absicht, die Rolle von Vermittlern zu spielen.
Das war meine erste Erfahrung mit KLARTEXT, eine restlos ungetrübte, und was immer ich später im direkten Kontakt mit ihm erlebte, hatte die gleiche Qualität. Geführt wurden beiderseits offene Gespräche, und kein einziges Mal ist mir widerfahren, dass ich schief interpretiert wurde. Was mich persönlich angeht, verdient der KLARTEXT nichts anderes als meinen ungeteilten Respekt. Er ist, was er verheisst.
Oskar Reck, Basel
Publizist

Zwangslektüre
Kritisch verfasst, kritisch zu lesen – aber lesen muss man KLARTEXT in der Branche!
Antonio Riva, Bern
Generaldirektor SRG

Aktuelle Zielsetzung
Im Editorial der ersten KLARTEXT-Ausgabe steht unter anderem: “KLARTEXT ist als offenes Forum medienpolitischer Auseinandersetzung gedacht – offen für alle, die mit der SJU darin einig sind, dass Medienfreiheit mehr bedeuten muss als die Freiheit, mit Medien Geld zu verdienen.” In der Zwischenzeit sind zehn Jahre verflossen: Die Medien samt den Medienschaffenden sind zur Handelsware geworden. KLARTEXT ist heute notwendiger denn je.
KLARTEXT wurde auch gegründet, um Repressionen gegen linke und liberale Medienschaffende anzuprangern und die Demontierung der Meinungsäusserungsfreiheit zu bekämpfen. Diese Zielsetzung ist leider ebenso aktuell wie vor zehn Jahren. Ein Vergleich des Inhalts der ersten KLARTEXT-Ausgabe und derjenigen vom Oktober 1990 beweist es: 1980 berichtete KLARTEXT über die politisch motivierte Entlassung von Journalisten bei der “Thurgauer Zeitung”. In der Oktober-Nummer dieses Jahres befasst sich das Editorial mit der Konzessionsbeschwerde gegen die “Radio DRS”-Sendung über die “Villiger-Firmengeschichte”. Für beide Aktionen gegen die Pressefreiheit und damit gegen die freie Meinungsäusserung zeichnet die gleiche Person verantwortlich: der Subversivenjäger und Rechtsausleger Ernst Cincera, inzwischen Nationalrat geworden. In einem Land, wo politische Repression wahlfähig ist, muss Klartext gesprochen werden.
Walter Renschler, Zürich
Präsident des

“Schweizerischen Gewerkschaftsbunds”

Gut informiert
Oft habe ich mich gefreut, ein paarmal geärgert – sogar sehr stark – , aber immer war ich nach dem Lesen eines: breit und gut über die Schweizer Medienszene informiert. KLARTEXT schafft aber noch mehr: Das Magazin leuchtet aus, was verborgen bleiben sollte, breitet aus, was künftig Medienpolitik sein könnte, sein wird.
Die KLARTEXT-Gespräche sind hervorragend geführt, die Interviewten erhalten Gelegenheit, sich darzustellen, wie sie sind: brillant oder überfordert.
Eines fehlt mir aber: Die Auseinandersetzung, der Diskurs über die Schweizer Medienpolitik, geführt von denen, die es angeht, von den Journalistinnen und Journalisten, den Verlegerinnen und Verlegern, den Politikerinnen und Politikern.
Aber vielleicht geht auch dieser Geburtstagswunsch in Erfüllung.
Anton Schaller, Zürich
stv. Chefredaktor “Schweizer Fernsehen”

Starke Analyse
KLARTEXT ist ein “aufmüpfiges” Medien-Magazin, stark in der Analyse, meist polemisch und stets unbequem, aber allemal informativ. Man sieht sich ab und zu veranlasst, seine Hefte zu überprüfen.
Stilmässig war das Magazin anfänglich allzusehr dem “Spiegel” verpflichtet: zu seinem Vorteil pflegt es jetzt eine konstruktivere Note. Nicht Ideologie, sondern Sachkunde ist gefragt.
Leo Schürmann, Olten
alt Generaldirektor SRG

Lauter Schlitzohren
Zunächst das Positive: Indem das Medien-Magazin unermüdlich das Geschehen in der Schweiz verfolgt, vermittelt es – was die Sache und auch Personen betrifft – viel Wissenswertes. Als Fachmann bin ich daher auf diese Informationen angewiesen; niemand anders würde sie mir sonst liefern. Was ich dagegen nicht schätze: Die Informationen stimmen oft nicht (ganz), weil sie entweder zu einseitig erhoben wurden oder einen früheren, bereits überwundenen Stand repräsentieren. Ich habe mir daher angewöhnt, die KLARTEXT-News mit Vorsicht zur Kenntnis zu nehmen. Eigentlich ärgerlich finde ich den Stil. Bei der Lektüre kommt der Eindruck auf, die Schweizer Medienszene bestehe aus lauter Dummköpfen und Schlitzohren – die Autoren von KLARTEXT natürlich ausgenommen.
Viktor Schlumpf, Zürich
Chefredaktor “Tages-Anzeiger”

Formale Entfernung
Ist das wirklich zehn Jahre her? Damals verhöhnten mich, es ist mir unvergesslich, Michael Haller und Jürg Bürgi, der eine wie immer gut, der andere wie immer schlecht gelaunt, weil ich noch nicht Leser, weil ich noch Nichtleser von KLARTEXT war. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, woher in einer journalistischen Wüste das Wasser kommen sollte für diese erfrischende Oase, in der sich keiner ein Welt- noch Quartierblatt vor den Mund nehmen muss. KLARTEXT hat mindestens eines ge-leistet.KLARTEXT hat problematisiert, was zu vielen selbstverständlich schien. Er hat mindestens für sich selber und leider immer noch zu wenig für andere die in diesem Lande festgeschriebenen journalistischen “So nicht” und “Dieses nicht” weggeräumt. Die heilsame Wirkung auf den Rest der Medienwelt in diesem Lande ist mir noch zu gering. Im KLARTEXT lesend fühle ich nur umso schmerzlicher die sprachliche und formale Entfernung zum Tagesjournalismus. Auch hier ist, denke ich, immer noch ein Programm.
Reinhardt Stumm, Basel
Redaktor “Basler Zeitung”

Linker Aberglaube
Ihr fragt einige Kollegen nach dem “Stellenwert” von KLARTEXT.
Von “Stellenwert” ist so viel die Rede, dass ich vollends nicht mehr weiss, was das sein könnte. Beachtung? Keine Frage! Bedeutung? Steht in Aussicht.
Der Weg dahin könnte verkürzt werden, wenn sich im zweiten Jahrzehnt der Blick der Rechercheure noch etwas erweiterte. Fixierungen hindern und mindern Bedeutung.
Selbst die Medienwelt ist nicht einzig und allein ein Herrschaftsproblem – und vielleicht wären selbst in einem Chefredaktor ein paar Spuren von Unterscheidungsfähigkeit und Skrupel aufspürbar …
Nicht jede Denunziation ist ein Zeugnis von Unabhängigkeit und aufklärerischem Geist. Es gibt leider auch linken Aberglauben.
Nun gut, sollen die KLARTEXT-Kollegen Geist und Macht für geborene Feinde halten – Bedeutung gewinnt ihre Arbeit immer dann, wenn sie ethisch und handwerklich vorbildlich ist.
Für ein Medien-Magazin ist Professionalität ja kein abwegiger Anspruch.
Jürg Tobler, St. Gallen
Chefredaktor “St. Galler Tagblatt”

Jederzeit kämpfen
Das Stichwort KLARTEXT löst bei mir folgende Assoziationen aus:
● mit Rückgrat, aber voreingenommen;
● vertritt klare Position, ist aber unbelehrbar, besserwisserisch und überheblich;
● gut recherchiert, dank skrupelloser Schnüffeltätigkeit;
● eindeutig in der Aussage, aber intolerant;
● frisch und angriffig, aber mit wenig Debattierkultur: der (politische) Gegner muss fertiggemacht werden;
● unkäuflich, aber der Zweck heiligt offensichtlich die Mittel.
Ich bin selten mit KLARTEXT einverstanden. Trotzdem ist KLARTEXT eine wichtige Publikation, für deren Existenzberechtigung ich jederzeit kämpfen würde.
Jost Wirz, Zürich
Verwaltungsratspräsident der
“Wirz Werbeberatung AG”

Seismograph
Unter den Organen der Medien- und Werbefachpresse hat für mich der KLARTEXT einen besonderen Stellenwert, weil er anders als fast alle anderen sich schwergewichtig mit der redaktionellen Funktion der Medien befasst. In der täglichen Hektik des Werbe- und Medienmarktes erinnert mich der KLARTEXT immer wieder an das übergeordnete Ziel unserer Anstrengungen im Inserateverkauf: Nämlich der Schweizer Presse eine gesunde finanzielle Basis für die Erfüllung ihrer primär redaktionellen Aufgabe zu erhalten. Schon manches Mal bewährte sich der KLARTEXT als Seismograph für Erschütterungen in der Presselandschaft, welche die kulturell und politisch unabdingbare Pressefreiheit und Pressevielfalt gefährden. Und wenn er mich dabei gelegentlich ärgerte, erwies sich auch die Verärgerung im nachhinein als konstruktiv.
Jean-Jacques Zaugg, Lausanne
Generaldirektor “Publicitas AG”

9. Juli 2007 von Klartext

Die Maschine sind wir

Von Otmar Hersche

Ich frage mich, wie unsere Vorfahren vor (sagen wir einmal) 30 Jahren reagiert hätten, wenn die KLARTEXT-Leute in ihrer sattsam bekannten Art in den Redaktionsstuben zum grossen Gespräch aufgekreuzt wären. Wahrscheinlich hätte man ihr Ansinnen freundlich, aber bestimmt abgelehnt. Diese impertinente Fragerei sei unüblich, und was sie wissen wollten, sei ohne Interesse, diese Finanzgeschichten, Ränkespiele, Fusionsgerüchte. Die SRG mit ihren vertrottelten Direktoren (diese Qualifikation ist natürlich rein fiktiv) sei ohne Bedeutung. Bei der seriösen Presse habe man andere Sorgen. Man stehe mitten im Abstimmungskampf und unmittelbar vor einem Wahlkampf. Da gelte es, der Konkurrenz den Tarif zu erklären.
Man muss einen wackeren Schritt in die Vergangenheit tun, um die ganze Pracht der gegenwärtigen medialen Situation zu erfassen. Was einmal im Hintergrund des Interesses steckte – zum Beispiel Finanzfragen, Verlegerprobleme, Anliegen von SRG-Direktoren – , ist nach vorne gerückt, und was vorne war, nämlich das journalistische Produkt, ist zur Nebensache abgerutscht. Das grosse Wort führen plötzlich Spekulanten, Finanzjongleure, Kies- und Zementverkäufer, Warenhändler, Werbefritzen und Bankdirektoren. Sie sagen, was Medien sein sollen und setzen ihre Gedanken auch gleich in Realität um. Medien seien keine Würstchenfabriken, sagte vor Jahrzehnten sinngemäss und sorgenvoll der “Le Monde”-Chef Beuve-Méry, einer der besten Journalisten unserer Zeit. Von Würstchen ist im Zusammenhang mit Medien nicht mehr die Rede, aber von Satelliten, medialen Vernetzungen im nationalen und internationalen Verbund, von Synergien und technischen Innovationen. Der Medienbetrieb gleicht immer mehr einer riesigen Maschine.

Als der KLARTEXT vor zehn Jahren sein Wirken begann, war der neue Trend schon richtig am Laufen. Die Konkurrenz hatte im Pressewesen nach marktwirtschaftlichen Regeln die Flur radikal bereinigt. Die Grossen waren grösser geworden, und die Kleinen waren klein geblieben und hatten die Chance, ganz zu verschwinden. Das politische Pressegezänk hatte aufgehört. Inhaltliche Abgrenzungsprobleme waren verschwunden, weil nun alle Zeitungen das Gleiche wollten. Es ging um Inserate, um Marktanteile, um ein günstiges Umfeld für die Werbung.

Was bei den Printmedien so glänzend verlaufen war, sollte auch im elektronischen Bereich durchgespielt werden. Die SRG brauchte Konkurrenz, kein Zweifel, denn nur mit Konkurrenz konnte dieses verschlafene und demagogische Gebilde auf den rechten Weg gebracht werden. Die diversen Lokalradio-Pioniere demonstrierten gleich selber, wie aufgestellte und publikumsnahe Programme tönen sollten. Und siehe da, der Erfolg stellte sich sogleich ein. Die verschiedenen Radioprogramme (inklusiv SRG-Programme) können kaum noch voneinander unterschieden werden. Im DRS-Programm gibt es noch ein paar renitente Nischen, am Abend und im zweiten Programm. Aber was davon zu halten ist, hat der Privatradio-Roger längst klarsichtig festgestellt. Der Radio-Einheitsbrei ist in einer Epoche der Vereinigungen und der einen Marktwirtschaft nicht mehr aufzuhalten.
Erfreuliches ist auch vom Fernsehen zu melden. Bei der neuesten Programmreform redete man kaum noch von Programmen. Die ganze und wahrlich nicht geringe kreative Energie war voll auf das Wesentliche konzentriert, auf Signete, auf die Mode der Moderatorinnen, auf Layout und Image. Dass von der “Tagesschau” noch immer ein Häufchen Elend übriggeblieben ist, immerhin vom Redaktionsstudio hinübergezügelt in die hygienische Stille eines stillen Örtchens, muss wohl vorläufig hingenommen werden. Die Entwicklung wird in der richtigen Richtung weitergehen. Die Zukunft gehört der Kurz- und Kleininformation, die Endlösung ist das Knabbermedium, mit Nasch- und Knabberprogrammen, vergleichbar mit all dem Knabberzeug, das zum frohen Medienkonsum gehört.
Wenigstens in Klammern soll da ein alter Gedanke hervorgeholt werden, der in einer Zeit unbeschwerter Medieninhalte neue Aktualität gewinnen könnte. Man kann sich vorstellen, dass sich die Medienhierarchen total von ihren Betrieben lösen, dass SRG-Direktoren, Verleger und einzelne Chefredaktoren zusammen so etwas wie ein Réduit bilden, ähnlich genial wie das Réduit vor 50 Jahren. In schöner Selbstgenügsamkeit könnten sie da ihr Eigenleben führen, sinnlose Sitzungen abhalten, Sparbeschlüsse fällen und Fusionen einfädeln. Das Mittelland würde in Ruhe gelassen. Die Medienmaschine läuft ja einigermassen automatisch. Wer will behaupten, dass wir noch weit von solchen Visionen entfernt sind?
An dieser Stelle komme ich nicht umhin, ein hinterhältiges Wort an die KLARTEXT-Leute zu richten. Mit Befremden stelle ich fest, dass in vielen Beiträgen noch immer altmediale Vorstellungen gepflegt werden. Die Vorstellung etwa, dass die journalistische Arbeit wichtig sei und ein Medium präge, oder dass Medien unabhängig sein sollten von wirtschaftlichen Interessen. Es ist an der Zeit, zu Korrekturen ins postmediale Zeitalter zu schreiten.

Nehmen wir als Beispiel den Begriff der Unabhängigkeit. Dieser Gedanke hatte seine Bedeutung, als die gnädigen Herren noch mit Zensur und Polizei die Presse gängelten. Das ist heute ganz anders. Die gnädigen Herren – es sind tatsächlich meistens immer noch Herren – laden zu Kontaktgesprächen ein, wo sie alle ihre Sorgen und Hoffnungen offen auf den Tisch bringen. Spätestens beim schwarzen Kaffee öffnen sich dann die Herzen der Eingeladenen wie Blumen im Sonnenschein. Mir kommt in diesem Zusammenhang eine Fortsetzungsgeschichte in den Sinn. Bei seinem überfälligen Abschied erklärte Schürmann bescheiden, er habe aus einem Beamtenbetrieb ein Unternehmen gemacht; kurz bevor Kündig seine Endlagerstätte in Bern bezog, betonte er, er habe einen Gewerbebetrieb in ein modernes Unternehmen verwandelt; und kürzlich bekannte Schellenberg in einem seiner gehaltvollen Interviews, er sei daran, aus einer Anstalt ein Unternehmen zu machen. Drei talentierte Unternehmer haben gesprochen, und die Medien – auch KLARTEXT verdient Lob – haben die Botschaft ohne Wenn und Aber gebracht. Wie richtig eine solche Haltung war, beweist das sorgfältig vorbereitete Schlamassel, das sich gegenwärtig voll entfaltet. Die SRG ist wirklich ein Unternehmen geworden.

Aber die Veränderungen reichen noch weiter. Im KLARTEXT-Geburtsjahr und einige Zeit danach waren die Zürcher Krawalle im Gang. Damals gab es unverbesserliche Menschen, unter anderem bei den elektronischen Medien, die sich anmass-ten, über die Ereignisse authentisch zu berichten, anstatt die schön zubereiteten Mitteilungen der Behörden zu verbreiten. In dieser Zeit, als Politiker wüste Verwünschungen gegen Radio und Fernsehen ausstiessen, als es Beschwerden regnete, und als die SRG-eigene Trägerschaft hysterische Tänze drehte – in dieser Zeit wollten verschiedene Zeitungen nicht hinter dem Berg bleiben. Besonders lebhaft erinnere ich mich an eine “Blick”-Kampagne gegen die Fernseh-Chaoten. Es wären aber noch andere Titel zu nennen. Etwa rund zwei Jahre meiner Tätigkeit als Direktor von “Radio und Fernsehen DRS” habe ich seinerzeit mit der Behandlung von Beschwerden zugebracht. Ohne die unermüdliche Polemik einiger Blätter wäre das nicht möglich gewesen.
Auf der gleichen Linie habe ich die Vorgänge um die Villiger-Beschwerde erlebt. Mich beschäftigt nicht das politische Getöse. Politiker eines kleinen Landes betreiben wohl meistens eine kleinliche Politik, und dementsprechend bewältigen sie auch die Zeit vor 50 Jahren. Dafür gibt es genügend Beispiele. Erstaunlich fand ich aber die Tatsache, dass nicht wenige Kolleginnen und Kollegen den politischen Druck auf die verantwortlichen Radioleute mit Gedanken, Worten und Taten erheblich verstärkten. In der Erinnerung taucht bei mir eine andere Episode aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs auf, als sich immerhin und wiederholt einige Presseleute der kleinmütigen Haltung des Bundesrates widersetzten. Ich muss auch an die eingangs zitierten Vorfahren denken, die trotz vielen Querelen im allgemeinen Solidarität in journalistischen Grundsatzfragen bewiesen. Solche Haltungen stehen nach meiner Einschätzung nicht mehr hoch im Kurs. Auch die Idee der Unabhängigkeit hat an Bedeutung verloren. Ich vermute, dass dies ein Teilaspekt der grossen Medienmaschine ist. Politik, Wirtschaft und Medien werden auch in den einzelnen Medienbetrieben als Partner dargestellt. Alle sitzen im gleichen Boot, das wird überall doziert und trainiert, und wer sich daran hält, kann ein gutes Leben führen. Wer es nicht glaubt, muss die Konsequenzen tragen.

Aber was soll ich daraus ableiten am KLARTEXT-Jubiläum? Soll ich sagen: Macht nur weiter so, wir brauchen diese Stimme? Oder soll ich im Chor ausrufen, dass die Medienmaschine stärker ist als wir, und dass sie den Journalismus im Kern verändert hat? Ich möchte beides sagen, und ich verbinde damit die Hoffnung, dass der KLARTEXT auch weiterhin eine verlässliche Instanz und Orientierungshilfe bleibt. Gelegentlich wird mir bei der Lektüre des Magazins sogar bewusst, dass wir doch nicht ganz machtlos sind. Wir sind mitverantwortlich, wenn die Maschine so läuft, wie sie läuft, weil wir sie an unserer Stelle so laufen lassen und oft ganz gerne mitlaufen.

Otmar Hersche ist Ressortleiter “Gesellschaft” bei “Radio DRS”. Zuvor war er Chefredaktor der in Luzern erscheinenden Tageszeitung “Vaterland” und dann der Reihe nach Programmdirektor von “Radio DRS”, Direktor von “Radio und Fernsehen DRS” und Chef der Abteilung “Aktualitäten” bei “Fernsehen DRS”.

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Ausgabe: 5 | 2018

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