1. November 2010 von Klartext

Inhalt Nr. 5/2010

20. August 2010 von Nick Lüthi

Lehrbuch und Pflichtstoff

Am Äusseren kann es nicht liegen, dass man zu diesem Buch greift. Sein Umschlag verströmt den Charme eines Lehrbuchs – was das neue Werk von Karl Lüönd gewissermassen auch ist. Und ausser dem Vorwort und einem Autorenporträt steht nichts drin, was man von diesem Chronisten und intimen Kenner der Schweizer Medienindustrie nicht früher schon hätte lesen können. Doch das haben Kolumnensammlungen so an sich. Dennoch, oder gerade deshalb, gehört «Die Macht und die Ehrlichkeit» zur Pflichtlektüre für all jene, die begreifen wollen, weshalb die Medien da stehen, wo sie sich heute befinden. Eine ebenso einfache wie auch einleuchtende Erklärung liefert Lüönd gleich im Titel zum Vorwort: Die Krise sei Folge jahrzehntelang geduldeter Bequemlichkeit und Arroganz. Wie die nachfolgende Textsammlung aus den letzten zehn Jahren zeigt, entspringt diese Diagnose nicht etwa einem unter MedienkritikerInnen weitverbreiteten Defätismus, sondern den Einschätzungen eines nüchternen Beobachters, der die einzelnen Eindrücke zu einem erhellenden Gesamtbild zusammenzusetzen vermag.
Ihr Fett kriegen alle ab. Lüönd redet VerlegerInnen, JournalistInnen und den professionellen KommunikatorInnen ins Gewissen. Er tut dies bedächtig, aber dennoch mit Biss und mit dem ihm eigenen trockenen Humor. Es sind die Lebenslügen einer ganzen Branche, die Lüönd, u.a. Chefredaktor von «Jagd und Natur», zielsicher im Visier hat: Die VerlegerInnen, die meinen, mit weniger Personal bessere Qualität zu liefern, die JournalistInnen, die sich am wohlsten fühlen in der selbst geschaffenen Wirklichkeit und, anstatt solides Handwerk zu liefern, lieber Vorurteile hegen und pflegen. Ein Lehrbuch wäre kein Lehrbuch, wenn da einer nur die Leviten liest. Dass Lüönd befugt ist auszuteilen, beweist er mit brillanten Porträts und Reportagen, in denen er Schlüsselfiguren und -ereignisse der jüngeren Mediengeschichte (be)greifbar darstellt.

Karl Lüönd, «Die Macht und die Ehrlichkeit», Rüegger Verlag, Zürich/Chur 2010.

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