15. November 2010 von Ursula Dubois

BaZ: Chronik eines absehbaren Niedergangs

Die BaZ ist im Eimer – nicht erst mit Somm und Blocher.

Bescheiden und ohne Visionen ist er angetreten und nach 13 Jahren erfolglos abgetreten – die Geschichte von BaZ-Verleger Matthias Hagemann und dem Ende der einst grossen Basler Zeitung Medien.

Im Dezember 1996 wird Matthias Hagemann zum Verwaltungsratspräsidenten der Basler Zeitung Medien gewählt. Im gleichen Zug übernimmt die Mediengruppe am Rheinknie die Mehrheit an der Jean Frey AG und der Curti Medien Holding AG. weiterlesen »

5. Juli 2010 von Nick Lüthi

Viel Geld für guten Journalismus

Auszeichnungen für journalistische Leistungen gibt es in der Schweiz zuhauf. Was aber fehlt, ist ein Leitpreis, der Schweizer Pulitzer sozusagen. Mit dem «Diamant» soll sich das ändern. Kritische Stimmen finden, Journalismus liesse sich sinnvoller fördern als mit solchen Preisen.

Obwohl es eigentlich auf der Hand liegt, fällt der Name Pulitzer nie. Vielleicht aus Ehrfurcht, vielleicht, weil der Vergleich mit der Mutter aller Medienpreise hinkt oder weil man sich nicht mit ihm messen möchte, bevor die «Diamanten» erstmals vergeben worden sind. Zumindest beim Preisgeld brauchen die Preisstifter den Vergleich nicht zu scheuen. 20’000 Franken erhält jeder «Diamant»-Preisträger, beim Pulitzer sind es «nur» 10’000 Dollar. Finanziell spielt die neue Auszeichnung in der obersten Liga. Kein Wunder, schliesslich steht hinter dem «Diamant» die potente Stiftung Reinhardt von Graffenried, mit elf Millionen Franken dotiert von Charles von Graffenried und Erwin Reinhardt, den beiden ehemaligen Mehrheitseignern der Berner Espace Media.
Beim «Diamanten» handelt es sich im Kern um den bisherigen BZ-Preis für Lokaljournalismus. Dieser wurde im vergangenen Jahr zum letzten Mal verliehen. Nun wird alles neu. Neben Presse und Fotografie werden zukünftig jedes Jahr auch Arbeiten aus den Bereichen Radio, TV und Online prämiert. «Berner Zeitung» und Espace Media respektive Tamedia haben mit dem Preis nichts mehr zu tun. «In der Vergangenheit war die Nähe zu einem Medienunternehmen oftmals ein Problem», sagt Guido Albisetti, Präsident der Stiftung. Auf dem Medienplatz Bern etwa habe der «Bund» die Auszeichnungen lange Zeit totgeschwiegen, weil er nicht für die Konkurrenz werben wollte, «es sei denn, ein ‹Bund›-Journalist oder -Fotograf sei ausgezeichnet worden», erinnert sich Albisetti.
Von der neu gewonnenen Unabhängigkeit erhofft man sich eine grös­sere Resonanz in der Öffentlichkeit. «Im Zentrum soll schliesslich der Lokaljournalismus stehen, die Königsdisziplin der Branche, und nicht die Stiftung», erklärt Franziska von Weis­senfluh, Geschäftsführerin der Fondation Reinhardt von Graffenried. Anders als beim BZ-Journalismuspreis wird Charles von Graffenried nicht mehr ans Rednerpult treten. «Die beiden Stifter halten sich bewusst im Hintergrund.» Von Weissenfluh, langjährige «Berner Zeitung»-Geschäftsleiterin, ist nicht mehr länger im Medienbereich tätig und tritt in ihrer Funktion bei der Stiftung als Privatperson auf.
Nur allzu oft dienen Auszeichnungen im Medienbereich als Werbeträger für den Preisstifter. So sind in der Schweiz rund die Hälfte aller Journalismuspreise von Unternehmen oder Verbänden finanziert. Stephan Russ-Mohl, Medienwissenschaftler in Lugano, findet, solche «PR-Veranstaltungen» schadeten dem Ansehen der unabhängigen Preise. Dabei erwähnt er das Beispiel der «New York Times», wo die Chefredaktion Vorgaben macht, um welche Auszeichnungen sich die RedaktorInnen bewerben dürfen.
Bei einer Preissumme von total 110’000 Franken stellt sich automatisch die Frage, welche Wirkung die «Diamant»-Preise auf den immer wieder als kritisch beschriebenen Zustand des heimischen Journalismus entfalten werden. Kein Zweifel: Die einzelnen PreisträgerInnen erhalten einen hübschen Zustupf. Ob sie diesen allerdings in weitere journalistische Projekte stecken oder – durchaus berechtigterweise – einfach auf den Malediven verprassen, ist alleine ihnen überlassen. Nachhaltigkeit sieht anders aus.

«Preise sind zynisch»

«Das viele Geld würde man sinnvollerweise in längerfristige Projekte oder in Redaktionen investieren», findet Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik in Winterthur. Und Wyss geht noch einen Schritt weiter, wenn er Journalismuspreisen in der heutigen Zeit einen «zynischen Charakter» unterstellt: «Man feiert oft, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, und alle wissen genau, dass sich solcher Journalismus unter normalen Bedingungen nicht mehr finanzieren lässt.»
Franziska von Weissenfluh weiss aus eigener Erfahrung, wie es um den Journalismus steht. Schliesslich hat sie als Verlagschefin einige Male bei «Bund» und «Berner Zeitung» den Rotstift angesetzt und Personal abgebaut. Umso wichtiger findet sie, dass trotz schwierigen Zeiten JournalistInnen eine besondere Wertschätzung erfahren: «Besonders der Lokaljournalismus, der sich nicht durch Agenturen oder mit Synergien ersetzen lässt, hat mehr Aufmerksamkeit verdient.»


Aktuelles Heft:

 

EDITO
Ausgabe: 5 | 2018

  • Schaffhausen für Öffentlichkeitsprinzip
  • Fragen im “Opferzeitalter”
  • Umweltskandale in Chile
  • Regionaler Online-Journalismus
  • Ist vor “No Billag” nach “No Billag”?
  • Bilder von Flurina Rothenberger
  • und anderes mehr