26. März 2002 von Klartext

Allesamt einsperren

Das Projekt der romanischen Tageszeitung “Quotidiana” ist wieder einmal blockiert: Verleger und Initianten liegen sich in den Haaren.

In die “scoulina”, den Kindergarten, gehen in Graubünden normalerweise nur die fünf- und sechsjährigen romanischen Mädchen und Knaben. Seit einigen Wochen machen den Kleinen jedoch ein paar Erwachsene ernsthaft Konkurrenz. Was die Befürworter und Gegner der geplanten rätoromanischen Tageszeitung derzeit aufführen, erinnert mehr an einen ausser Rand und Band geratenen “scoulina”-Betrieb als an eine ernsthafte Diskussion.
Da wird gezankt und gejammert, geschnödet und geschimpft, und wenn alles Krakeelen nichts bringt – auch hier dienen die Häfeli-Schüler als Vorbild – , holt man den grossen Bruder zu Hilfe. Das Engadiner “Fögl Ladin” und die Oberländer “Gasetta Romontscha”, im Gegensatz zu den beiden kleinen Romanenblättern “Pagina da Surmeir” und “La Casa Paterna” eingeschworene “Quotidiana”-Gegner, mobilisierten die “Vereinigung Bündner Zeitungsverleger”: Gemeinsam wurde anfangs November eine “Resolution gegen die romanische Tageszeitung” verabschiedet.
Gleichzeitig gelang es der Anti-“Quotidiana”-Fraktion, die Bündner Regierung zu einer ablehnenden Stellungnahme zum Tageszeitungs-Projekt zu bewegen. Und ein Brief der Bündner Verleger an Ständeratspräsident Luregn Mathias Cavelty, in dem sie sich darüber beklagten, die Romanen-Dachorganisation und “Quotidiana”-Initiantin “Lia Rumantscha” (LR) sei die falsche Adresse, um die Bundesbeiträge zuhanden der rätoromanischen Presseförderung zu verteilen, bewirkte, dass die Kleine Kammer der LR verbot, die Bundesgelder für die Projektierung der “Quotidiana” zu verwenden.
Doch auch die “Quotidiana”-Befürworter sind nicht maulfaul. LR-Sekretär Ber-nard Cathomas wettert gegen die “sture Haltung der Verleger” und bezeichnet deren Aktivitäten als “verzögerungstaktische Störmanöver”. Allerdings sprang auch die LR nicht zimperlich mit den Vorstellungen der romanischen Verleger um, die sich durchaus eine Tageszeitung im Kopfblattsystem, nicht aber eine Mantelzeitung, in der ihre Titel verschwinden würden, vorstellen können. Sämtliche Einwände gegen ihr Tageszeitungs-Projekt werden von der LR unter den Tisch gewischt oder als zweitrangig abgetan.
Zur Zeit besteht für die “Quotidiana” weder ein journalistisches Konzept, noch wurde je seriös abgeklärt, ob sich die geplanten Inserate-Einnahmen realisieren lassen. Völlig offen ist auch, ob eine Tageszeitung überhaupt gedruckt werden kann. Wenn die “Quotidiana” rechtzeitig an alle potentiellen Abonnenten in Bündens Seitentäler verteilt werden soll, kommen als Drucker mit einer notwendigen Rotationsmaschine nur die Churer “Gasser AG”, Verlegerin der “Bündner Zeitung” (BZ), und eine Druckerei in Sargans in Frage.
Bei beiden Druckereien haben aber ihre eigenen Tageszeitungen Vorrang, so dass, laut BZ-Chefredaktor Stefan Bühler, der Druckbeginn für die “Quotidiana” entweder auf vier Uhr am Morgen fallen würde, “was für die Auslieferung zu spät ist, oder auf neun Uhr abends: Dies würde allerdings den Redaktionsschluss auf vier Uhr am Nachmittag verschieben, da etliche Texte vor dem Druck ja erst noch übersetzt werden müssen. Für wichtige Sportresultate und viele bedeutende Meldungen ist das aber zu früh.”
Derartige Einwände mögen Cathomas ebensowenig schrecken wie die noch ungesicherte Finanzierung der “Quotidiana”: Sollte die geplante Tageszeitung zu wenig Inserate und Abonnenten aufweisen, argumentiert der subventionsgewohnte Berufsromane, so müsse eben der Bund in die Lücke springen, denn “schliesslich geht es hier um eine Massnahme zur Rettung des Romanischen”.
Auch für den “Quotidiana”-Projekt-Leiter Giusep Capaul, bis zum Herbst 1990 noch “Gasetta Romontscha”-Chefredaktor, ist klar: “Ohne die öffentliche Hand und Sponsoring lässt sich eine romanische Tageszeitung nicht realisieren. Und ohne Tageszeitung kann das Romanische nicht überleben. Dies hat man in Bern schon verstanden. Bundesrat Cotti hat gesagt: ,Wenn sich die Romanen auf eine Tageszeitung einigen können, sichern wir das finanziell unter dem Titel Sprachrettung auch ab.'”
Dass konservative Parlamentarier und Bündner Politiker so künftig jedes Jahr unter dem Budgetposten “romanische Tageszeitung” über den inhaltlichen Kurs der “Quotidiana” debattieren dürften, stört Capaul “überhaupt nicht, denn hier geht es ja um höhere Werte”.
Die “Quotidiana”-Gegner hecken derweil weitere Störmanöver gegen die LR-Pläne aus: “Gasetta Romontscha”-Verleger Pius Condrau, der sich stets darüber beklagte, seine Zeitung sei ein Defizitgeschäft und es habe ohnehin zu wenig romanische Journalisten, will nun plötzlich eine dritte Ausgabe pro Woche lancieren.
Eine andere “Quotidiana”-Gegenmassnahme ist bereits weiter fortgeschritten: Condraus alter Wunsch nach einer romanischen Nachrichtenagentur. Allerdings wurden seine überrissenen Vorstellungen jetzt auf ein realisierbares Projekt reduziert. Die Redaktoren der “Gasetta Romontscha” sollen künftig den Basisdienst der Nachrichtenagentur “Schweizerische Politische Korrespondenz” (SPK) via on-line-Verbindung an ihren Computern empfangen können. Am Bildschirm wählen die Journalisten dann diejenigen Meldungen aus, die sie ins Blatt rücken möchten. Romanische Heimarbeiter rufen via Computer die ausgewählten Nachrichten ab, übersetzen sie und speisen sie direkt in die Satzmaschine der “Gasetta Romon-tscha”.
Finanziert werden soll dieses Projekt durch die PTT: Unter dem Titel “Infodata Bank/Mediendienst” wollen die Initianten – unter ihnen auch die “Bündner Zeitung” – ihre Idee im Rahmen des Projekts “Kommunikations-Modellgemeinden der Schweiz” (KMG) laufen lassen. Bereits liegt bei der Generaldirektion der PTT in Bern ein Gesuch um Kostenübernahme. Während die “Gasetta Romontscha” bloss den Basisdienst der SPK und die konkreten Übersetzungsleistungen zu bezahlen hätte, soll die PTT die notwendigen Leitungen in die KMG-Gemeinde Disentis ziehen und die privaten Terminals der Übersetzerinnen und Übersetzer zur Verfügung stellen. Falls die PTT diesem Vorhaben zustimmt, kann das Projekt bereits Anfang 1991 in Betrieb genommen werden.
Nach Ablauf des KMG-Versuches Ende 1991 hoffen die Initianten, die Installationen billig von der PTT übernehmen zu können. Dann ist auch geplant, den Dienst auf eine kommerzielle Basis zu stellen. Zu diesem Zweck wurde bereits die “Telecommunicaziun Surselva SA” gegründet. In die on-line-Verbindung können auch der Bund, die Bündner Regierung, die Polizei, die Inserate-Agenturen sowie andere private Anbieter ihre Meldungen einspeisen.
Zu einem späteren Zeitpunkt sollen auch das “Fögl Ladin” und die kleinen italienischen Lokalzeitungen Graubündens, die bisher die kantonalen Nachrichten ebenfalls selbst übersetzen mussten, an den Dienst angeschlossen werden. “In dieses Netz können dereinst auch die Meldungen der Agenturen SDA und AP eingespiesen werden, die SPK haben wir heute nur genommen, weil sie ihren Host-Computer in Bern zur Verfügung stellt”, erläutert BZ-Chef Stefan Bühler die Zukunftspläne.
Cathomas hingegen hält von diesem Projekt nicht viel: “Das bringt doch nichts”, motzt er und vergisst dabei, dass die “Quotidiana” ebenfalls von diesem Mediendienst profitieren könnte. Obwohl seitens der LR bislang stets betont wurde, ohne “Fögl Ladin” und “Gasetta Romontscha” gebe es keine “Quotidiana”, sinniert Cathomas nach dem klaren Nein der beiden Zeitungen im November laut darüber nach, “ob sich eine Tageszeitung nicht auch ohne die beiden grossen romanischen Verleger realisieren lassen könnte. Eine Option wäre auch eine tägliche Beilage in den bestehenden deutschsprachigen Zeitungen. Alle denkbaren Szenarien müssen geprüft werden.”
Eine “Quotidiana” ohne die Beteiligung aller romanischen Verleger ist für Projekt-Leiter Capaul hingegen kaum denkbar. Er hat deshalb bereits wieder “unauffällige Kontakte” zu den beiden Verlegern aufgenommen: “Noch vor Jahresende findet das erste Treffen statt.” Capaul, dessen Aufgabe darin besteht, die konkreten Voraussetzungen einer Tageszeitung abzuklären, damit die LR-Delegierten 1991 – wie bereits dieses Frühjahr – nochmals einen Grundsatzentscheid über die Lancierung fällen dürfen, macht sich jedoch keine Illusionen: “Wahrscheinlich braucht es noch einige Jahre, bis die ,Quotidiana’ lanciert werden kann. Die Verhandlungen werden bestimmt hart, aber wenn alle ein wenig nachgeben, werden wir eines Tages eine Lösung finden.”
Ein Romane, der das Gerangel um die “Quotidiana” langsam satt hat: “Um endlich zu einem Ergebnis zu kommen, müsste man entweder alle bisherigen Streithähne auswechseln oder allesamt in einen kleinen, fensterlosen Raum sperren und erst wieder raus lassen, wenn sie sich geeinigt haben.”

26. März 2002 von Klartext

Problem erkannt

Die Berner Tageszeitung “Der Bund” gerät immer mehr unter Druck von der “Berner Zeitung”. Ohne Seniorverleger Werner H. Stuber sucht eine Arbeitsgruppe nach einem Weg, das Familienunternehmen weiterzuführen.

c76e2232017f097a305272c27054f3a3″Wer zur ,offenen Gesellschaft’ steht, für
den kann Zukunft nicht einfach Schicksal bedeuten, unabänderliches. Vielmehr
bleibt die Zukunft, auch die der Presse,
grundsätzlich offen. Sie ist gestaltbar.”
Peter Ziegler, Chefredaktor “Der Bund”

An der Effingerstrasse 1 in Bern steht ein stolzes Haus. Doch seit geraumer Zeit kreisen böse Geister darum, sie tuscheln und sie zischeln und sie streuen böse Gerüchte aus, und kreisend um den schmucken Turmbau ist auch schon der Totenaar gesichtet worden. Und all die wohlriechenden Worte des Hausherrn vermögen die Kreaturen nicht zu vertreiben, stets kehren sie zurück und versetzen jene im Haus in Unruhe, gar in Schrecken.
Das Haus hat einen Namen: “Bund Druck und Verlag AG”. Die Gerüchte aber reden vom baldigen Verkauf, von der Fusion, ja vom schieren Ende des Unternehmens. Und der Hausherr Werner H. Stuber, Verleger von Beruf und Berufung, dementiert in loser Folge das zweifellos völlig unhaltbare Gerede.
Sein neustes Dementi musste er nun gar gegen den Chefredaktor der eigenen Zeitung richten, der im Werbeblatt “persönlich” festgestellt hatte, der Verlegerssohn Hans C. könne nicht für das Unternehmen sprechen, dies könne nur sein Vater. Ohne die selbstverständlich ganz und gar unhaltbare Behauptung Peter Zieglers auch nur zu streifen, erklärte Seniorverleger Stuber im nächstfolgenden “persönlich”-Heft, seine beiden im “Bund”-Verlag angestellten Söhne könnten im Gegenteil sehr wohl in dessen Namen sprechen.
Ein Widerspruch? Ziegler, der Desavouierte, sonst wortreich, bleibt verschlossen. Immerhin: Gegenüber KLARTEXT lässt er es nicht bei einem “absolutely no comment” bewenden, sondern wünscht in der letzten Novemberwoche gleich noch “frohe Festtage und ein gutes Neujahr”. Knapp bleibt auch der vom Vater rehabilitierte Juniorverleger Hans C. (30): “Wir sagen nichts”. Nur sein Bruder Werner E. (30) ist sich sicher: “Herr Ziegler hat sich schlicht geirrt.” Von Vater Stuber (61) war keine Bekräftigung des Dementi erhältlich – er weilte zur Kur im Ausland.
So bleibt die Hoffnung mancher “Bund”-Angestellter vorerst unerfüllt, die Stuber-Söhne möchten bald ihrer Posten im Betrieb – sie leiten die Druckzentren in Bern-Bümpliz und an der Effingerstrasse – enthoben werden. Denn kaum jemand beim “Bund” hat nicht schon ihre Führungsfähigkeiten angezweifelt oder traut ihnen als sechster Generation der Familie Stuber zu, die Existenz des Unternehmens und damit der Zeitung im zunehmenden Konkurrenzkampf zu sichern.
Dabei sieht die wirtschaftliche Zukunft des “Bund” gar nicht rosig aus. Optimistisch geblieben sind in dieser Hinsicht eigentlich nur noch die “Bund”-Werbetexte (“Viele Blätter fallen – wir steigen”). Nicht nur Probleme wie die ineffiziente Raumbewirtschaftung oder das Defizit der Akzidenzdruckerei plagen den Verlag, sondern auch der gewaltige Druck der erfolgreichen “Berner Zeitung” (BZ), die bis heute massiv Leserinnen und Leser zulegt, während die Vergleichszahlen beim “Bund” deutlich rückläufig sind. Selbst die Inserateflaute hat die BZ im ersten Halbjahr 1991 weniger getroffen als den “Bund” (geschätzte Verluste: rund 2,5 Millionen Franken).
Wieviel Vertrauen die Söhne beim Vater geniessen, welches genau ihre Minderheitsanteile am Aktienkapital der Familiengesellschaft sind, ist nur gerüchteweise bekannt. Fest steht: Bis heute sitzen sie in der Geschäftsleitung, nicht aber im Verwaltungsrat. Und auffällig ist, dass in der Arbeitsgruppe, die seit eineinhalb Jahren Modelle für eine neue Betriebsstruktur prüft, nicht der Vater, wohl aber die Söhne vertreten sind, obwohl Werner H. erklärtermassen Verwaltungsratspräsident und Verleger bleiben soll.
“Die Arbeitsgruppe ist eine Spielwiese für die Junioren, während der alte Stuber die Zügel in der Hand behält”, spottet ein “Bund”-Kenner. Dagegen spricht immerhin, dass im Reformteam nicht nur Chefredaktor Ziegler, zwei Vertreter der Redaktion und einer der Technik mitarbeiten, sondern – zeitweise – auch der Medienberater Franz A. Zölch sowie ein Experte der Treuhandfirma “Atag”. Auf ihren Bericht dürften nicht nur die Angestellten des “Bund”, vom Unternehmen bislang auf Info-Diät gesetzt, gespannt sein. Da selbst der Termin der Veröffentlichung geheim ist, müssen sie sich aber für den Moment mit den Wörtern begnügen, die der Chefredaktor am “1. Berner Medientag” ans Publikum richtete: “Das Problem”, verkündete er, sei “komplex”, “enorm” und “international”, vor allem aber sei es “erkannt”, und “an der Lösung wird gearbeitet”. Und schliesslich: “Probleme sind auch Chancen”.
Die “Bund”-Redaktion ist jedenfalls von den wohlklingenden Verlautbarungen und anglophilen Mottos ihres Chefs (“just making newspaper”) bislang kaum beruhigt worden. Auch sein Hohelied des guten Journalismus (“gepflegte Sprache, Quellensicherheit, korrekte Kommas, interessante Inhalte”) scheint sie noch nicht ausreichend erquickt zu haben. Zwar freuen sich alle an grossen Narrenfreiheiten und journalistischen Nischen. Doch dahinter steckt die permanente Sorge um den Arbeitsplatz – in einem Betrieb, der nicht Mitglied im Zeitungsverlegerverband ist und keinen Hausvertrag, sondern nur individuelle Arbeitsverträge kennt. Entsprechend paternalistisch ist das Betriebsklima: Für einen guten Artikel schüttelt einem schon mal der Verleger anerkennend die Hand, dafür wird in schlechten Zeiten Buch geführt über den Zeilenausstoss der Redaktorinnen und Redaktoren.
Sicher ist eines: Das Schicksal des “Bund” entscheidet nicht Verleger Stuber, sondern letztlich der Anzeigenmarkt. Dort zeichnet sich eine zunehmend heftigere Konkurrenz zwischen dem Inserateriesen “Publicitas” (“P”) und den sich – etwa als “Swiss Combi” – zusammenschliessenden Eigenregiezeitungen ab. Auf dem Platz Bern stehen sich modellhaft der “Bund” als ältestes “P”-Pachtblatt und die “Berner Zeitung” als “Swiss Combi”-Mitbegründerin gegenüber. Der “Bund” bleibt dabei auf die “P” angewiesen: Als Eigenregie-Zeitung müsste er sich ausgerechnet mit seiner stärksten Konkurrenz verbünden – etwa mit der BZ, Leaderin im Raum Bern, oder mit der NZZ, die im Gegensatz zum “Bund” den Anspruch einlöst, eine nationale Qualitätszeitung bürgerlicher Ausrichtung zu sein. Mithin ist es also die “P”, die langfristig ein Interesse am Überleben des “Bund” hat, will sie den Inseratemarkt Bern nicht aufgeben.
Die Gründung der gemeinsamen Holding mit dem Westschweizer Verlagshaus “Edipresse SA” zeigt nun, dass die “P” auch zu neuartigen Lösungen bereit ist, um ihre Marktposition abzusichern. Konkret: Die “Tribune de Genève”, bisher im Besitz der “P”, soll mit dem verlegerischen Potential der “Edipresse” saniert werden.
Parallelen zum “Bund” sind nicht zu übersehen. Zwar hat die “P” hier keinerlei Kapitalanteile, doch stützt sie den Verlag seit Jahren mit beträchtlichen Betriebsdarlehen, die nach Angaben von Georg von Csernatony, Mitglied der “P”-Generaldirektion, bisher immer pünktlich und zu marktgerechten Zinsen zurückbezahlt wurden. Der Rolle der Hausbank des Berner Verlages überdrüssig, könnte die “P” aber eines Tages – die Wetten auf den Zeitpunkt sind frei – eine Partnerschaft nach Westschweizer Vorbild fordern.
Ein solches Szenario ist nach von Csernatony zwar “für den Moment abwegig”, doch weist er für die Zukunft vielsagend auf die allein bestimmende Verlegerfamilie Stuber hin: “Wir können niemanden zu seinem Glück zwingen.”
An möglichen Helferinnen unter den Deutschschweizer Zeitungsverlagen fehlte es der “P” nicht. Im Vordergrund stehen die “Vogt-Schild AG” (“Solothurner Zeitung” mit Kopfblättern im Oberaargau) und die “Basler Zeitung” (“BaZ”).
Das Solothurner Unternehmen prüft offensichtlich Expansionsmöglichkeiten, nachdem es sich dieses Jahr “zusammen mit einem Ostschweizer Verlag” für den “Jean-Frey-Verlag” interessierte. Gegen die BZ hat es in der Bewerbung um die Übernahme des “Burgdorfer Tagblattes” den kürzeren gezogen (KLARTEXT 5/90 und 2/91). Partner des “Bund” war es bereits bei der unglückseligen, angeblich von der “P” angeregten Herausgabe der Wochenbeilage “Diagonal”, seit November 1990 druckt es für den “Bund” die Radio-TV-Beilage “Mini-Tele” (in “Ringier”-Lizenz). Dieses Jahr publizierten beide Zeitungen eine gemeinsame Wirtschaftsbeilage, für 1992 ist eine weitere zum Thema EG geplant. Bruno Frangi, Bereichsleiter Tageszeitungen und geschäftsführender Chefredaktor, wehrt sich auch nicht gegen das Szenario einer weitergehenden Kooperation mit dem “Bund”: “Wir müssen offen sein. Eine kleine ,Kriegskasse’ haben wir jedenfalls.”
Die “BaZ” hat keinen direkten Draht zum “Bund”, dafür ist die “P” zu 20 Prozent am “BaZ”-Aktienkapital beteiligt. Für Direktor Peter Sigrist ist eine Verbindung mit dem “Bund” als “Grossrisiko” zur Zeit “kein Stichwort”: “Als Verlag wollen wir dort bleiben, wo wir stark sind.” Gleichzeitig warnt er: “In den nächsten fünf Jahren wird in der Pressebranche alles möglich.”

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