11. Juli 2007 von Sabine Windlin

Ein Refugium für bedrohte Kollegen

Im Maison des Journalistes in Paris, das von bedeutenden Medien Frankreichs finanziell unterstützt wird, finden verfolgte JournalistInnen Zuflucht. Dort bereiten sie sich auf ein Leben im Exil vor.

Man würde daran vorbeispazieren wie an vielen grau verputzten Häusern, die sich im 15. Arrondissement von Paris befinden. Das Gebäude an der Rue Cauchy 35 ist ein solider, unspektakulärer Fabrikbau aus den dreissiger Jahren. Fünf Meter hoch, zwanzig Meter lang. Nichts deutet darauf hin, dass hinter den dicken Backsteinmauern, vis-à-vis des Friedhofs Grenelle, Menschen leben. Und das, findet Philippe Spinau, sei auch gut so.

Das Haus führt eine Warteliste
Der 55-jährige Pariser ist Direktor und Gründer der vor vier Monaten eröffneten Institution Maison des Journalistes (MDJ). Hier finden in der Heimat verfolgte und von Repression bedrohte JournalistInnen Zuflucht. Von hier aus versuchen sie, ihre Arbeit fortzusetzen und kümmern sich gleichzeitig um ihre Anerkennung als AsylbewerberInnen. Fünfzehn Medienschaffende aus Asien und Afrika bewohnen derzeit das MDJ. Acht Personen stehen auf der Warteliste. Die Stadt Paris stellte die ehemalige Bürstenfabrik im Süden der französischen Hauptstadt kostenlos zur Verfügung und beteiligte sich an der acht Millionen Euro teuren Renovation. Unterstützt wird das Projekt auch vom Flüchtlingsfonds der Europäischen Kommission.
Eine “première mondiale”, eine Weltpremiere, sei dieses Haus, erzählt Spinau und zeigt zufrieden auf die Tafel mit fünfzehn “Paten” aus der Medienbranche, die als Sponsoren gewonnen werden konnten: Es sind dies “Le Monde”, La Montagne-Fondation Varenne, “La Nouvelle République du Centre-Ouest”, “Le Canard Enchaîné”, “Paris Match”, “Ouest France”, “Télérama”, Radio France, Bayard Presse, Milan Presse, Prisma Presse, Canal+, France Télévision, M6 und TF1. Jeder dieser Sponsoren ermöglicht mit einer Spende von 11’200 Euro pro Jahr je zwei ausländischen JournalistInnen den Aufenthalt im Maison des Journalistes.

Die Stadt Paris unterstützt das Projekt
Warum dieses einzigartige Projekt überhaupt zustande kam, liegt am Tatendrang von Philippe Spinau. Schon als der langhaarige Althippie noch für französische Fernsehketten Dokumentarfilme drehte und dazu die halbe Welt bereiste, hatte er die Idee im Kopf: ein Refugium für KollegInnen, die nicht wie er das Glück hatten, ohne Angst ihr “métier” ausüben zu können. Zusammen mit Danièle Ohayon, Redaktorin bei France Info, arbeitete Spinau ein Projekt aus. Von Anfang an suchten die beiden das Gespräch mit den Mächtigen von Paris, die alsbald begeistert waren von der “idée sociale” der beiden IdealistInnen. Paris als Verteidigerin der “liberté d’expression” – dem Image der République kann das nicht schaden und auch den grossen Pressehäusern steht ein solches Engagement gut an. 2001 traf sich Spinau mit dem damaligen Pariser Bürgermeister Jean Tiberi, der fünf Gebäude – darunter die Bürstenfabrik – als künftige Standorte des MDJ vorschlug. Tiberis Nachfolger Bertrand Delanoë führte die Verhandlungen zu Ende.
Ein glückliche Hand hatte Philippe Spinau auch bei der Wahl des Architekten Philippe Jonathan, der aus der jahrelang von HausbesetzerInnen bewohnten Ruine ein schlichtes, aber elegantes Logis machte. Zweckmässig sind die – teils rollstuhlgängigen – Zimmer. Lichtdurchflutet und grosszügig der Eingang, wo Fotos des MDJ-Ehrenpräsidenten Sebastioa Salgado hängen. Doch die geglückte Innenarchitektur ist nur für Aussenstehende von Belang. Für die BewohnerInnen geht es ums Überleben.
Margueritte A. beispielsweise, eine 46-jährige Sportjournalistin aus Kamerun, arbeitete in ihrer Heimat einundzwanzig Jahre als Radiojournalistin. Zunächst machte sie Porträts und Interviews, dann interessierte sie sich immer mehr für die Fakten hinter den Kulissen der grossen Sportclubs. Sie prangerte Misswirtschaft und Korruption an. Inzwischen zur Chefreporterin befördert, verfasste sie kritische Kommentare und deckte Bestechungsskandale auf. Sie scheute sich nicht, Namen zu nennen. Je hartnäckiger sie recherchierte, desto gefährlicher lebte sie. Ihr Haus wurde beschattet. Sie und ihre beiden Kinder wurden mit dem Tod bedroht. Im Sommer 2003 verliess Margueritte das Land.
Drohbriefe erhielt auch der Algerier Ahmed B., 40, Journalist beim renommierten “Quotidien de l’Oran”, der zweitgrössten Tageszeitung Algeriens. Als Polit-Redaktor prangerte er seit Jahren Korruption und Vetternwirtschaft an, die durch den Öl- und Gasreichtum des Maghrebstaats begünstigt wurden. Er kritisierte Staatsdiener, die bei der Vergabe von Aufträgen im Energiesektor mitkassierten. Vor einem Jahr erschien Ahmeds Name plötzlich auf einer Liquidations-Liste, zusammen mit zwölf anderen unliebsamen Journalisten. Da entschloss er sich, Algerien zu verlassen. Er sei privilegiert, einen Platz im Maison gefunden zu haben, sagt Ahmed. Doch richtig sicher fühlt er sich auch in Paris nicht. Er verlässt das Haus nur selten.

Verfolgte bleiben Einzelkämpfer
Das gemeinsame Schicksal, die ständige Angst und die unsichere Zukunft verbinden Margueritte und Ahmed mit den anderen dreizehn JournalistInnen aus Haiti, Pakistan, China, Tunesien, Togo, Burma und der Elfenbeinküste, die im MDJ wohnen. Dennoch macht es den Anschein, als sei jeder und jede ein Einzelgänger. Die Kommunikation untereinander ist schwierig. Fast jeder spricht eine andere Sprache. Auch ein gemeinsames Nachtessen ist aufgrund der unterschiedlichen Essgewohnheiten praktisch unmöglich.

Reporters sans Frontières klärt ab
Wichtigste und unverzichtbare Partnerin für das Maison des Journalistes ist die Organisation Reporters sans Frontières. RSF sondiert die Kandidaturen, prüft, ob die GesuchstellerInnen tatsächlich als JournalistInnen arbeiten und bestimmt letztlich, wer im MDJ aufgenommen wird. Versiert und kompetent im Umgang mit bedrohten JournalistInnen, hilft RSF auch beim Formulieren der Asylgesuche.
Bis jetzt hat die Asylkommission OFPRA alle Gesuche angenommen. Sechs Monate dauert in der Regel in Frankreich die Bearbeitung der Gesuche. Damit diese Wartezeit für die JournalistInnen erträglich wird, sollen sie weiter journalistisch aktiv sein. Kurse an den JournalistInnenschulen von Lilles oder Bordeaux sind im Angebot. Manche schreiben auch für das Hausmagazin “Œil de l’exile”, das dreimal im Jahr erscheint. Sobald ein Journalist den offiziellen Asylstatus hat, geht sein Aufenthalt im Maison des Journalistes zu Ende. Er muss sich eine eigene Wohnung und eine eigene Arbeit suchen. Sein Zimmer wird frei für einen neuen Kollegen, eine neue Kollegin.

Ein “schwarzes Jahr” für JournalistInnen

sw./ Als “schwarzes Jahr” bezeichnet die französische Organisation Reporters sans Frontières das Jahr 2003 in Bezug auf die Pressefreiheit. Die Konflikte in Israel und der Krieg im Irak hätten die Risiken für Medienschaffende massiv erhöht. Für das Jahr 2003 registriert RSF 42 getötete JournalistInnen (die höchste Zahl seit 1995), 766 Festnahmen und über 1500 Überfälle auf Medienschaffende.
Besorgnis erregend sei auch die Zahl der inhaftierten JournalistInnen. Am 1. Januar 2004 sassen gemäss RSF weltweit mindestens 124 Medienschaffende wegen beruflichen Hintergründen im Gefängnis, die meisten davon in Kuba, Burma, Eritrea oder im Iran. Aus Bangladesh, Afghanistan und Haiti sind Fälle von misshandelten und hingerichteten JournalistInnen bekannt.
Wie bereits 2002 hat RSF nun auch für das Jahr 2003 eine Klassifikation mit 166 Ländern publiziert, in denen die Pressefreiheit evaluiert und die Arbeitsbedingungen von JournalistInnen bewertet wurden. Nordkorea rangiert auf dem letzten Platz, vor Kuba, Burma, Laos, Eritrea, China, Iran und Vietnam. Relativ schlecht klassiert sind die USA und Italien. Das Gesamtrating ist unter www.rsf.fr abrufbar.

11. Juli 2007 von Renée Gruber

Kompakt in die Zukunft

Aus eins mach zwei. Haben die britischen Tageszeitungen “The Independent” und “The Times” mit der Einführung der Kompaktzeitung ein Rezept gegen den Auflagenschwund gefunden?

“Wieder grosser Zuwachs für die kleinen Blätter”, stellte die “Times” Mitte März befriedigt fest und hofft auf eine beglaubigte Auflage von etwa 655’000 Exemplaren. “Der ‚Guardian‘ will nicht. Der ‚Telegraph‘ kann nicht. Aber können die sich das leisten?”, fragte der “Independent” mit süffisantem Unterton und der Hoffnung, die 255’000er Grenze geschafft zu haben. Dabei herrschte bei beiden Blättern vor nur sechs Monaten noch Katerstimmung.
Im Herbst letzten Jahres rutschten die Verkaufszahlen des “Independent” immer bedrohlicher in die Nähe jener magischen Grenze, die sowohl aus wirtschaftlicher wie psychologischer Perspektive um jeden Preis verhindert werden musste. Eine Auflage von weniger als 200’000 Exemplaren hätte das Überleben der 1986 gegründeten Zeitung auf dem hart umkämpften Markt noch wesentlich schwieriger, wenn nicht gar aussichtslos werden lassen.

Mit Tabloid gegen Auflagenschwund
Ende September 2003 entschloss man sich zu einer Strategie, von der selbst die Branchenbeobachter überrascht wurden. Nicht mit einem neuen desaströsen Preiskrieg wie 1993 sollten neue LeserInnen gewonnen werden, sondern mit einem zweiten, kleineren Format von 30 x 37 cm, einer Mini-Ausgabe. Im Visier hatte man die PendlerInnen, die im Gedränge von U- und Eisenbahn zwar keine Boulevard-, wohl aber eine handliche Tageszeitung lesen wollten. Ein mutiger, auch riskanter Schritt in einem Land, wo bis dato jede seriöse Tageszeitung – im Unterschied zum Tabloidformat der Boulevardpresse – als Broadsheet von 37 x 58cm gedruckt worden war. Kompaktzeitungen seien “kleine”, seriöse Tageszeitungen im Tabloidformat, nur dürfe man das so nicht sagen, mokierte man sich beim “Independent”, wo heute mehr als die Hälfte der verkauften Zeitungen kleinformatig sind.
Kopfschüttelnd und abwartend sah die Konkurrenz zu. Mit Ausnahme der “Times”. Wie alle Tageszeitungen verkaufte sich auch die ehemals bekannteste Zeitung Grossbritanniens immer schlechter und rutschte mit ihrer Auflage stetig näher an die 600’000er Grenze. Dabei hatte das Blatt, das im Oktober ebenfalls eine Kompaktversion lancierte, im ersten Halbjahr 2002 noch knapp über 700’000 Exemplare gedruckt.
Bei beiden Zeitungen unterscheiden sich Inhalt und Aufmachung der Kompaktversion nicht vom grossen Blatt. Der Trend zu kleineren Zeitungen scheint zumindest im Moment unaufhaltsam: Seit kurzem druckt der “Independent” neu auch die Samstags-, nicht aber die Sonntagsausgabe in beiden Formaten. Bereits wird auch der Wirtschaftsteil des Sonntagsblattes als Beilage im Kleinformat gedruckt.
Bestätigt durch die Testläufe in London beliefern inzwischen beide Zeitungen weitere Landesteile mit beiden Formaten. Nur: Was bei den PendlerInnen in der Hauptstadt ankommt, kann die auf Tradition bedachte LeserInnenschaft in Mittelengland völlig aus der Fassung bringen. Als eben diese Leute die Kompaktversion ihres Blattes geliefert bekamen, reklamierten sie entrüstet. Dem Chefredaktor der “Times” blieb nichts anderes übrig, als sich umgehend in einem offenen Brief für das Malheur zu entschuldigen. Er versicherte allen, die nie und nimmer eine Tageszeitung im Tabloidformat kaufen würden, dass sie selbstverständlich auch in Zukunft die Wahl hätten zwischen dem traditionellen und dem Kleinformat. Schwer fällt das Umdenken auch den Zeitungen selber, wie kürzlich ein Vorfall in Manchester zeigte. Da wollte die “Times” für die handlichere Ausgabe werben, doch gratis verteilt wurde die Grossversion.
So sehr sich die beiden Blätter über ihren Erfolg freuen dürfen, der Nachahmer auf den Plan ruft (auch in der Schweiz planen verschiedene Unternehmen, kleinere Zeitungen auf den Markt zu bringen; siehe Kasten S. 56), darf eins nicht vergessen werden. Ohne die Erfolgsgeschichte der Gratiszeitung “Metro” in Grossbritannien gäbe es heute die Kompaktzeitungen mit Sicherheit nicht. “Metro” basiert auf dem gleichnamigen schwedischen Modell, gehört aber Associated Newspapers, einer Tochtergesellschaft von Daily Mail and General Trust.

Gratiszeitung “Metro” machte es vor
Als am 16. März 1999 die Pendlerzeitung “Metro” erstmals auf Londoner Bahnhöfen und in U-Bahnstationen verteilt wurde – es waren gerade mal 85’000 Exemplare – unterschätzten die etablierten Tageszeitungen den flotten Neuling auf dem Zeitungsmarkt eindeutig. “Metro”, inzwischen bei einer Auflage von 800’000 angekommen und drauf und dran, noch dieses Jahr die Eine-Million-Schallmauer zu durchbrechen, konzentrierte sich gezielt auf die junge, städtische Population von PendlerInnen in und um London. “Metro” schaffte es, jene jungen berufstätigen Männer und Frauen anzusprechen und bei der Stange zu halten, die bislang keine der traditionellen Tageszeitungen kauften oder überhaupt keine Tageszeitungen lasen. Das Konzept ging auf. Profitieren tun auch die Sonntagszeitungen mit ihren Magazinen und Beilagen, die jetzt auch von diesen jungen Leuten gekauft werden.
Die zwischen 15- und 24-Jährigen machen einen Drittel, Männer gar 57 Prozent der relativ kaufkräftigen “Metro”-LeserInnenschaft aus. Nach London etablierte sich das Gratisblatt nach und nach, aber nicht minder erfolgreich, in Newcastle, Manchester und Schottland, in den West Midlands und in Yorkshire. Für heuer noch geplant ist der Schritt nach Bath, Bristol und den East Midlands. Erst der überraschende und konstante Erfolg von “Metro” machte die Variante Kompaktformat für die seriösen grossen Tageszeitungen denkbar. Zumindest für zwei der vier.
Doch der “Guardian” und der “Telegraph”, obwohl beide seit Jahren und im letzten Halbjahr noch stärker an Auflagenschwund leidend als je zuvor, sperren sich auch noch nach sechs Monaten und trotz den Erfolgsmeldungen der Konkurrenz gegen das neue Konzept. Der “Guardian” fiel von Februar 2003 bis Februar 2004 von 408’000 auf 370’000, der “Telegraph” verkaufte Anfang 2001 noch über eine Million Exemplare, 2004 nur noch knapp 900’000.
Beim liberalsten – und mit Vorliebe gegen den Strom schwimmenden – Blatt, dem “Guardian”, schaudert man bei der Vorstellung, kopieren zu müssen, was andere vorgemacht haben. Schliesslich war es gerade diese Zeitung, die in den 1990er Jahren eine Vorreiterrolle übernahm, ihren zweiten Bund (mit Themen aus Gesellschaft, Lifestyle, Konsum usw.) auf Tabloidmasse und damit zur handlichen Beilage ummodelte. “Wir gehen nicht den Ich-mach-das-auch-Weg”, zitiert Roy Greenslade, der Medienspezialist des Hauses, Chefredaktor Alan Rusbridger in der eigenen Zeitung. “Wir werden erst entscheiden, wenn wir es für richtig befinden.” Gerüchteweise ist zu hören, dass der “Guardian” auf den Kontinent schiele, sich wohl eher für die Masse unserer Zeitungen entscheiden werde, als mit der Konkurrenz gleichzuziehen. Rusbridger sieht gar den Anfang vom Ende des traditionellen Formates kommen. Für ihn ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit und Finanzen. “Niemand, den ich kenne, glaubt, dass der ‚Independent‘ die Absicht hat, längerfristig zwei Formate zu drucken. Sobald wie möglich wird das alte Format aufgegeben werden. Auch die ‚Times‘ drängt ihre Leserschaft mehr und mehr Richtung Kompaktzeitung.”

Strohfeuer oder zukunftsweisend?
Beim “Telegraph” hingegen fallen ganz andere Gründe ins Gewicht. “Die haben nicht einmal mehr den Luxus der Wahl”, schreibt Greenslade. Gegenwärtig gleiche das zum Verkauf stehende Blatt einer lahmen Ente: mit einem Noch-Besitzer, der sich vor Gericht verantworten müsse (Lord Conrad Black ist in den USA wegen unrechtmässiger Bereicherung angeklagt) und einem drohenden Streik der Journalisten (das wäre der erste Streik seit 1986, als Murdoch die Nationale Gewerkschaft der Journalisten/NUJ und die Drucker in die Knie zwang). Wollte der “Telegraph”, so wird vorgerechnet, ein Zweitformat drucken, müssten Investitionen von etwa 33 Mio. Franken getätigt werden.
Wie sind diese ersten, viel versprechenden Erfolge mit dem neuen Format zu werten: als ein Strohfeuer, als längst überfällige Veränderung oder als die massgebende Neuerung für die Zukunft? Die Erfolge derer, die den kleinen Schritt getan haben, müssten manchen, die ihn noch nicht gewagt haben, die Entscheidung erleichtern. Gleichwohl sind nicht alle in der Branche überzeugt, dass der eingeschlagene Weg auf längere Zeit auch höhere Auflagen garantiert.
Juan Antonio Giner etwa, Direktor einer internationalen Medienberatungsgruppe in London, kritisiert das britische Modell. Grundsätzlich befürwortet er zwar die Umstellung auf das kleinere Format; da die Masse einer Zeitung nicht zwangsläufig auch deren Qualität garantierten. Doch eine sozusagen gezoomte Zeitung verlange nach neuem Design, anderen Texten und Schlagzeilen, anderen Fotos. Und nennt als Beispiel den “Independent”, dessen Frontseiten immer wieder Glanzpunkte setzten. Nur nicht im Miniformat. Um die Vorteile des Kleinformats wirklich nutzen zu können, müssten die Zeitungen mit flexiblen Seitenzahlen, mit variablen Konzepten arbeiten. So liesse sich auch Geld sparen. Gefragt seien nicht nur kosmetische, sondern grundsätzliche Neuerungen. Neu überlegt werden muss auch im Bereich der Logistik, wo täglich entschieden werden sollte, von welchem Format wie viele Zeitungen an welche Verkaufsstellen geliefert werden sollten.
Von Krisenzeiten lässt man sich in Grossbritannien nicht so schnell unterkriegen. So versucht derzeit einer der Mitgründer des “Independent” das Geld für eine neue, gewichtige und deswegen promifreie Tageszeitung zusammenzukriegen. Und der Besitzer eines Boulevardzeitungs-Imperiums plant eine Abend-Konkurrenzzeitung zu “Metro”.

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