8. November 2010 von Imelda Stalder

Riskante Synergien?

Quelle: 20minuten.ch

Seit dem 25. Oktober ist
20 Minuten auch ein Mobiltelefonanbieter. Zusammen mit Sunrise bietet die Gratiszeitung  Handy-Abonnements an. Das neue Angebot heisst 20Minuten Mobile und besucht man die entsprechende Rubrik auf der Webseite, wähnt man sich auf der Homepage eines  Telefonanbieters und nicht mehr auf  einem Nachrichtenportal.

Im September berichtete die Gratiszeitung kritisch über die Kooperation zwischen Coop und dem Medienhaus Ringier. Darin stellte 20 Minuten die berechtigte Frage: “Ging da vor lauter Synergien die journalistische Distanz und Unabhängigkeit verloren?”. Eine Gute Frage. Mal sehen, ob die Leser von 20 Minuten in Zukunft noch kritische Berichte über die Firma Sunrise finden werden.

1. Oktober 2010 von Philippe Wenger

Schein und Sein

Dass sich Werbeabteilungen und PR-Büros alle Mühe geben, dem Publikum Dinge vorzugaukeln, die nicht sind, ist allgemein bekannt. Dass sich Medien dazu hergeben, diesen Schwurbel prominent zu transportieren leider auch. Ein Paradebeispiel für mehr Schein als Sein liefert  die sogenannte „Immobilien-Zeitung“, die heute der NZZ beiliegt. Aufgemacht in konventionellem Zeitungslayout, das zwar mehr nach Tagi als nach NZZ aussieht, liegt das Werbeblatt als zusätzlicher Bund bei.

Auf der Titelseite rührt Michael Ringier (bei dessen Verlag diese XXL-Publireportage gedruckt wurde) in einem Interview die Werbetrommel für den Herausgeber der Nicht-Zeitung, die Immobilienfirma Walde und Partner. In einem als „Kommentar“ verkleideten Beitrag schwadroniert Komiker Mike Müller über den Charme von Altbauten.

Klar als PR gekennzeichnet sind die Beiträge – abgesehen vom durchgängigen Heile-Welt-Ton – nur an wenigen Stellen. Autorenzeilen gibt es praktisch keine und Bildquellen werden auch nicht genannt (wobei angenommen werden darf, dass die meisten im Hause entstanden sind).

Warum das Blatt diesmal im Tagi-Layout daherkommt, ist nicht ersichtlich, zumal es der NZZ beiliegt. Begonnen hat diese versuchte Täuschung im Jahr 2006; damals imitierte Walde&Partner noch die Zürcher Landzeitungen.

Zu hoffen bleibt nur, dass die NZZ kräftig an dieser Un-Zeitung verdient und damit richtigen Journalismus finanziert – und dass die Leser diesen zwischen all dem Schein-Journalimus noch erkennen.

Aktuelles Heft:

 

EDITO
Ausgabe: 5 | 2018

  • Schaffhausen für Öffentlichkeitsprinzip
  • Fragen im “Opferzeitalter”
  • Umweltskandale in Chile
  • Regionaler Online-Journalismus
  • Ist vor “No Billag” nach “No Billag”?
  • Bilder von Flurina Rothenberger
  • und anderes mehr