10. Juli 2007 von Bettina Büsser

Berufswahlhilfe?

bbü. Hübsch zum Anschauen, ansprechendes Layout, viele Bilder – auf den ersten Blick überzeugt das neue Berufs-Informations-Heft “Journalist/Journalistin”, herausgegeben vom Schweizerischen Verband für Berufsberatung (SVB) und vom Verband Schweizer Presse. Doch schon beim Lesen der Einleitung wird das Problem offensichtlich, welches das ganze Heft prägt: “Journalist ist nicht Journalist, Journalistin nicht Journalistin. Es gibt unterschiedliche Medien, die unterschiedliche Anforderungen an Medienschaffende stellen. Zum zweiten ist es nach wie vor so, dass die unterschiedlichsten Ausbildungen in den Journalismus führen können”, steht da. Und da der Berufsrichtungen und Ausbildungen so viele sind, muss das 28-seitige Heft zu viel abdecken. Da sind einerseits die ganzen Spezialgebiete im Journalismus, von Regionalberichterstattung bis Sport, Wirtschaft, Politik, da sind die unterschiedlichen Funktionen wie Chef, Freie, Produzentin, und da sind schliesslich die unterschiedlichen Medien, Print, Radio, TV, Internet. Alle werden mit Personen- oder Redaktionsporträts vorgestellt – es mag zwar freuen, dass der Beruf so vielfältig ist und dass so viele nette Leute darin arbeiten, gleichzeitig wird damit die Informationsdichte sehr hoch. Dabei geht die Freude am Beruf unter. Vor allem aber: Wer noch gar nichts über Journalismus weiss, wird wohl eher Mühe haben. Ein allgemeiner einleitender Teil hätte für mehr Übersichtlichkeit gesorgt
Die Informationen über die Journalismus-Ausbildungen sind etwas kürzer gefasst; aber auch hier wirkt die Vielfalt gleichzeitig verwirrend und vage. Kann jemand ohne Matur JournalistIn werden oder nicht? Werden die einzelnen Ausbildungen überall anerkannt (etwa das “Südostschweiz-Journalistik-Diplom”)? Gibt es eigentlich auch Schnupperlehren im Journalismus? Kommt dazu, dass die künftigen Fachhochschul-Angebote nur kurz erwähnt werden können; schliesslich gibt es sie noch nicht und auch konkrete Angaben dazu fehlen noch. So wird vielleicht schon bald eine Neuauflage der ansonsten gut gemachten Broschüre notwendig.

“Journalist/Journalistin”, Fr. 12.-, zu beziehen bei: Schweizerischer Verband für Berufsberatung, Postfach 398, 8600 Dübendorf 1 (www.svbasosp.ch)
oder bei: Medieninstitut des Verbands Schweizer Presse, Postfach, 8050 Zürich (www.medieninstitut.ch)

10. Juli 2007 von Helen Brügger

Die Post im Visier

Der Streit zwischen den Verlegern und der Post um die Frühzustellung und die Treueprämie geht nach einer Weko-Umfrage in eine neue Runde.

hb. Weil die Post keine Frühzustellung durchführt, müssen die VerlegerInnen ihre Zeitungen teilweise oder ganz durch private Organisationen verteilen lassen. Damit verlieren sie die von der Post gewährten Treueprämien. Diese werden von der Eidgenossenschaft mit 90 Millionen Franken finanziert, weil sie die Presse fördern will. Die Wettbewerbskommission (Weko) ist überzeugt, dass die Treueprämien zu Wettbewerbsverzerrungen führen. Ausserdem zweifelt sie daran, dass die von der Eidgenossenschaft gewünschte Presseförderung durch das Prämiensystem erreicht wird (siehe Klartext 1/2000).
Jetzt hat die Weko die Post ins Visier genommen, die immer mehr mit verschiedenen Grossverlagen und der PubliGroupe verbunden ist. So hält die Post 66 Prozent der Zustellorganisation Epsilon in Lausanne, der Rest liegt bei der Presse Publications SR (75 Prozent Edipresse, 25 Prozent PubliGroupe). Sie besitzt 50 Prozent der Zustellorganisation Bevo in Bern, deren andere Hälfte sich die Berner Tagblatt Medien BTM und die TA-Media teilen. “Wir bereiten eine Empfehlung vor”, versichert der stellvertretende Direktor Patrik Ducrey. Zuvor richtete die Weko eine Umfrage an Verlage, Post und das zuständige Departement von Moritz Leuenberger. Die VerlegerInnen hatten bis Ende März Zeit zu erklären, welche Bedeutung sie den Treueprämien für die Organisation der Zeitungsverteilung zumessen. Ausserdem wollte die Weko wissen, ob die VerlegerInnen statt den Treueprämien lieber pressefördernde Direktzahlungen des Bundes hätten. Diese Antworten werden zurzeit ausgewertet; anschliessend will die Weko über die Stossrichtung ihrer Empfehlung entscheiden.
Die Verteilung sei bei Lokal- und Regionalzeitungen ein Budgetposten von existenzieller Bedeutung, davon ist Hugo Triner überzeugt. Der Verleger des “Boten der Urschweiz” gelangte wegen der Frage der Frühzustellung durch die Post sogar bis ans Bundesgericht. Dort wurde seine Beschwerde zwar abgewiesen, materiell aber auf den Fall nicht eingetreten. Jetzt setzt er seine Hoffnung auf die Weko. “Die grossen Ungerechtigkeiten und staatspolitisch problematischen Auswirkungen lassen mir keine Ruhe”, schrieb er an die Kommission. “Und”, fügt er gegenüber Klartext hinzu, “wenn die Wettbewerbskommission zum Schluss kommt, dass die neunzig Millionen Franken kostende Subvention der Post falsch ist, müssten die Politiker und Politikerinnen hellhörig werden!” Für Triner steht eine Optimierung der indirekten Förderungsmassnahmen zugunsten der Lokal- und Regionalpresse im Vordergrund. “Eine direkte Presseförderung sollte auch nicht tabu sein”, meint er.

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EDITO
Ausgabe: 5 | 2018

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  • Ist vor “No Billag” nach “No Billag”?
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