10. Juli 2007 von Klartext

Völlig unbeleckt

Die Lehrmeinung, wonach Aids allein durch HIV ausgelöst wird und tödlich ist, wird seit Jahren von ausgewiesenen Fachleuten bestritten. Doch die Medien schweigen die Kritik tot: Aids ist bis anhin bloss PR-Thema.

“Aids-Forschung auf den Kopf gestellt”, titelte das renommierte britische Naturwissenschafts-Fachblatt “Nature” am vergangenen 26. September. Erkenntnisse aus der Aids-Impfforschung, so “Nature”, ergäben Zweifel an der bisher weithin für gesichert geltenden Rolle des HIV-Virus bei der Entstehung von Aids.
HIV als Aids-Erreger in Frage gestellt: eine Sensation, sollte man meinen – aber weit gefehlt. In der Schweiz hat bisher nur gerade eine Journalistin der “Neuen Zürcher Zeitung” über einen möglicherweise schon bald bevorstehenden Kurswechsel in der Aids-Forschung berichtet. Keine andern Medienleute liessen sich hinterm Ofen hervorlocken.
So wissen denn die wenigsten Zeitungsleserinnen und -leser, vom Radio- und Fernsehpublikum ganz zu schweigen, dass die scheinbar steingemeisselte HIV-Theorie am Wackeln ist – und dass kein geringerer als “Nature”-Chefredaktor John Maddox sich im eigenen Blatt dafür entschuldigte, den Molekularbiologen Peter H. Duesberg mehrfach an den Pranger gestellt zu haben, weil der schon seit 1987 immer wieder gewagt hatte, auf grobe Ungereimtheiten in der HIV-Theorie hinzuweisen.
An den zuständigen Medienmenschen, von denen sich viele gern “Wissenschaftsjournalisten” nennen, gehen solche Ereignisse offenbar unbemerkt vorbei. Sie haben bisher nicht viel mehr geliefert als einigermassen variationsreiche Wiederholungen der Chiffre “HIV macht Aids, und Aids ist tödlich”.
Dass es gleich mehrere wissenschaftlich hochlegitimierte Kritiker und Kritikerinnen gibt, die behaupten, die menschliche Immunschwächekrankheit habe ausser HIV noch andere Ursachen, hat die Medienschaffenden bislang weder im Ausland noch in der Schweiz angefochten. Was an Aids-Information über bizarren Sex und Drogenelend, über Gummi und Mitleid hinausginge, war vom “Spiegel” bis zum ZDF, vom “Tages-Anzeiger” bis zu “Radio 24” bis heute nicht zu haben.
Vermittelt wird, was staatliche Gesundheitsämter und die etablierte Aids-Forschung vertreten. Konflikte, die in wissenschaftlichen Publikationen über Aids-Forschung und Aids-Therapie ausgefochten werden, bleiben in den Publikumsmedien unerwähnt. Auch in der Schweiz.
Statt sich selber ein Bild über den Stand der Aids-Forschung zu machen, halten sich helvetische Journalisten und Journalistinnen lieber an vorgekaute Information aus den mit Subventionen wohldotierten PR-Küchen des “Bundesamts für Gesundheitswesen” (BAG) und der “Aids-Hilfe Schweiz”. Oder sie orientieren sich am Aids-Evangelium, das von den Vertretern der “Eidgenössischen Kommission für Aids-Fragen” seit Jahren gepredigt wird.
Eine kritische Berichterstattung über die Grossverdiener im Pharma- und HIV-Testgeschäft gibt es ebensowenig wie eine unverblümte Würdigung der bis jetzt total erfolglosen, weil einäugigen HIV-Forschung.
Dass dem so ist, hat nicht nur mit der Bequemlichkeit mancher Medienschaffender zu tun, sondern mit handfestem Druck: BAG und Aids-Kommission haben die Medien fest im Griff.
Die Probe aufs Exempel liefert Professor Ruedi Lüthy, oberster Aids-Arzt am Zürcher Uni-Spital und Mitglied fast jeder denkbaren medizinischen Kommission oder Arbeitsgruppe in Sachen Aids. Lüthy hat, wie alle Aids-Kämpfer, zwar nichts gegen Publizität. Auskunft gibt er allerdings nur unter der Bedingung, dass er auf das entstehende Medienprodukt Einfluss nehmen kann.
Dabei will er nicht bloss überprüfen, ob seine Aussagen richtig wiedergegeben sind, wogegen nichts einzuwenden ist. Sondern: Lüthy behält sich auch schon vor, seine Aussagen vollumfänglich zurückzuziehen, falls in einem Artikel neben der seinigen auch Meinungen geäussert werden, mit denen er nicht einverstanden ist. Wer in seiner Story also ein Zitat des schweizerischen Aids-Papstes haben will, kann die Erwähnung von Aussenseitermeinungen von vornherein abschminken.
Das BAG hat sanftere Techniken, die veröffentlichte Meinung über Aids zu beeinflussen: Viele Medienschaffende, die sich mit Aids eingehend befasst haben, werden früher oder später angeheuert – entweder, um eine der Aids-Hochglanzbroschüren zu texten, mit denen das BAG oder die “Aids-Hilfe” die Schweiz periodisch überziehen, oder, um dem BAG-eigenen PR-Blatt “Aids-Infothek” journalistisches Flair zu geben. Es finden sich immer wieder Schreiber und Schreiberinnen, die nichts gegen ein sattes PR-Honorar aus der BAG-Subventionsschatulle einzuwenden haben.
Leider sind nicht alle so konsequent wie der ehemalige “Ziischtigs-Club”-Moderator Kurth W. Kocher, der dank persönlicher Beziehungen im BAG und mit dessen Aufträgen eine PR-Agentur gründete und den SRG-Job an den Nagel hängte. Kocher hat, Hut ab, folgerichtig die Branche gewechselt, während es genügend andere Kolleginnen und Kollegen gibt, die im PR-Sold des BAG stehen und gleichzeitig als “unabhängige” Publizisten zum Thema Aids auftreten – etwa Mathis Brauchbar (u.a. “Weltwoche”) oder Alexander Tschopp (u.a. “Tages-Anzeiger”).
Kein Wunder, dass für die journalistischen Aids-Spezialisten auch der “Nature”-Kniefall vor dem prominentesten Kritiker der HIV-Theorie, Peter H. Duesberg, kein Grund ist, Leserinnen und Leser etwas über die Zweifel an der HIV-Theorie wissen zu lassen. Ausser der NZZ kann es sich hierzulande offenbar niemand leisten, Professor Lüthy und das BAG zu ärgern. Offenbar auch nicht die “Weltwoche”, deren Wissenschaftsredaktor Christian Speich seine Redaktionskolleginnen und -kollegen eigens vor HIV-Kritischem gewarnt hat.
Damit bleibt bis auf weiteres auch in der “aktuellsten Zeitung zur Zeit” (“Weltwoche”-Werbeslogan) jegliche kritische Aids-Berichterstattung unterbunden. Denn Christian Speich begnügt sich, anders als die meisten andern, nicht mit dem Übersehen und Unterlassen wichtiger Nachrichten im Aids-Bereich – er profiliert sich als geradezu verbissener Nachbeter der bisher als sakrosankt geltenden HIV-Theorie und bekämpft abweichende Meinungen zu HIV und Aids mit sackgrober Polemik.
Auf Themenvorschläge zu Aids, etwa zum angeblichen Aids-“Medikament” AZT oder zu anderen Problemen der notorisch toxischen Aids-Behandlung, reagiert Speich mit der stereotypen Frage, was denn Professor Lüthy dazu meine.
Obgleich Duesberg als Entdecker der krebserregenden Onkogene Berühmtheit erlangt und die Erbeigenschaften der Retroviren kartiert hat, spricht ihm “Weltwoche”-Speich die Berechtigung ab, sich über das Retrovirus HIV zu äussern, schimpft ihn einen “selbsternannten Aids-Experten” und “Amokläufer”. Andere – weniger berühmte, aber ebenfalls fachlich qualifizierte – Kritiker der HIV-Theorie nennt Speich ohne Begründung “berüchtigt” und bezeichnet ihre Arbeiten als “idiotisch”.
Als 1989 im renommierten Londoner “McMillan”-Verlag das Buch “The HIV Myth” des mehrfach preisgekrönten britischen Wissenschaftsjournalisten Jad Adams herauskam, schlug Speich zum erstenmal zu: Adams “ist völlig unbeleckt von lästigem molekularbiologischem, virologischem und epidemiologischem Wissen”, behauptete er kühn.
Und weiter in Speichs Anti-Adams-Tirade: “Er interpretiert … nicht nur veraltete Arbeiten falsch … sondern zitiert auch gleich falsch und … erfindet wissenschaftliche Zeugen.” Schon damals steuerte der “Weltwoche”-Mann für seine herabwürdigenden Behauptungen keinerlei Beleg bei. Und, als gelte es, die deutschsprachige Welt vor dem Teufel zu bewahren, schwor Speich, er werde “nötigenfalls mithelfen”, eine deutsche Ausgabe des unbequemen Werks “zu verhindern”. Speichs Schlusssatz: “Dieses Buch darf bei uns nicht erscheinen!”
Die nächste Steigerungsform dieser Art von Informationsverhinderung wäre wohl der Aufruf zur Bücherverbrennung. Ein solcher blieb der “Weltwoche”-Leserschaft vorerst erspart, weil “The HIV Myth” bisher nicht auf deutsch herauskam.
Das ist schade, denn Jad Adams’ Streitschrift ist – neben “Fehldiagnose Aids” des US-Journalisten John Rappoport aus dem Verlag Bruno Martin – das einzige Buch, das die HIV-Theorie einer kritischen Prüfung unterzieht und die Thesen Duesbergs und anderer für interessierte Laien verständlich darstellt.
Seine Meinung über Adams, Duesberg und andere HIV-Kritiker will Speich auch angesichts der neusten Entwicklungen in der Aids-Forschung nicht ändern. Sein mündlicher Kommentar zum “Nature”-Kurswechsel: “Bockmist.”

10. Juli 2007 von Klartext

Helles Entsetzen

Für Umfragen geben Schweizer Redaktionen jedes Jahr viel Geld aus. Nun hat “Blick” eine neue Ära eingeläutet: Er lässt Leserinnen und Leser auf 156er-Nummern anrufen – und verdient damit.

TV-Mitarbeiter Dani Ambühl sorgte im April 1990 für einen Riesenwirbel und seine fristlose Entlassung, nachdem er eine “Blick”-TED-Umfrage manipuliert hatte (KLARTEXT 3/90). “Blick”-Chefredaktor Fridolin Luchsinger trat die Flucht nach vorn an und verkündete am 2. Mai 1990 in seinem Blatt, erst wieder TED-Umfragen durchzuführen, wenn die Firma DMT “ein TED-System anbieten kann, das jede Art von Manipulation ausschliesst”.
So weit kam es nur bedingt. DMT, eine Tochter des “Tages-Anzeiger”-Konzerns, wurde nach enttäuschenden Ergebnissen sang- und klanglos liquidiert, das Material an eine Firma in Glattbrugg (ZH) verhökert. DMT-Gründer Stefano Brem, schon früher mal beim “Tages-Anzeiger” in Ungnade gefallen, gründete die Firma “Voice Processing” in Zürich, die nun für “Blick” den TED nach mehr als anderthalb Jahren auferstehen liess.
Statt die von Luchsinger geforderte “Manipulations-Sicherheit” zu garantieren – noch immer kann jede Person so oft anrufen, wie sie will -, griffen Brem und seine Equipe zu einem Bauerntrick, der in die Pressegeschichte eingehen dürfte. Für die Ja- und Nein-Antworten liessen sie in der neusten TED-Umfrage zum Thema “Ulli Stielike” zwei 156er-Telefonnummern veröffentlichen.
In der Ausschreibung vom 21. November wies die Redaktion ihre Leserinnen und Leser darauf hin, dass der Anruf “40 bis 50 Rappen” koste. Jedesmal, wenn eine der beiden Nummern angerufen wird, klingelt bei “Blick” jeweils die Kasse. 4563 Anrufe waren es beim ersten Mal. “Blick” wurde zwar nicht reich, aber er hatte für mindestens drei Artikel keine Auslagen.
In der Marktforschungs-Branche herrscht helles Entsetzen ob dieser neuen Praxis, die bisher vor allem durch allerlei fernmündliches Sex-Gestöhn berühmten Nummern nun auch für Umfragen einzusetzen.
Dabei jammern die Marktforscher weder über verlorenes Geld noch über einen Image-Verlust ihrer Branche: TED-Umfragen seien für sie “ohnehin sinn- und wertlos” (so ein Institutsinhaber). Paradoxerweise sind es nun die Forscher, die derlei journalistische Praktiken anprangern: die Leserinnen und Leser müssten nicht nur anrufen, sondern es sei jetzt auch noch ihre Aufgabe, die Front-Stories zu liefern und dafür zu bezahlen.
Chefredaktor Luchsinger hat da weniger Skrupel. “Die Firma, mit der wir zusammenarbeiten” beteuerte er gegenüber KLARTEXT, “hat uns versichert, dass TED nicht mehr manipuliert werden kann.” Und: “Selbstverständlich werden wir weiterhin TED-Umfragen durchführen – auch zu politischen Themen.”

Aktuelles Heft:

 

EDITO
Ausgabe: 5 | 2018

  • Schaffhausen für Öffentlichkeitsprinzip
  • Fragen im “Opferzeitalter”
  • Umweltskandale in Chile
  • Regionaler Online-Journalismus
  • Ist vor “No Billag” nach “No Billag”?
  • Bilder von Flurina Rothenberger
  • und anderes mehr