10. Juli 2007 von Klartext

Null Franken

Anderthalb Jahre nach der Pleite des Privat-TV-Senders EBC können die ehemaligen Beschäftigten erstmals mit Barem rechnen – allerdings mit höchstens der Hälfte ihrer Guthaben.

Im Arbeitsvertrag eines “Output Editors” war eine Jahresgage von 144’000 Franken vereinbart. Ein bildschirmerprobter “Presenter” konnte ohne weiteres ein Jahresbetreffnis von 175’000 Franken aushandeln. Und auf einen “Business Editor” traf es gar happige 180’000 Franken im Jahr. So war das damals beim privaten Frühstücksfernsehen “European Business Channel” (EBC): Mickrig wollten sich seine ehrgeizigen Promotoren nicht vorkommen – wer erfolgreiches Fernsehen machen will, sagten sie sich, braucht auch gute Leute, und die kosten eben Geld.
Geld sahen die guten Leute zum letzten Mal am 26. Juli 1990. Damals befand sich die von ihren Initianten mit wirklichkeitsfremdem Optimismus gepuschte TV-Station – bloss eineinhalb Jahre nach dem Start im November 1988 – bereits im Konkurs. Dann begann das grosse Warten. Die Ansprüche auf ihre in komfortablen Kontrakten und teils auf Jahre festgeschriebenen Lohn- und Honorarforderungen durften die eben noch begeisterten Beschäftigten zwar anmelden, doch da war niemand, der zahlen mochte – oder konnte (KLARTEXT 3/90 und 4/90).
Jetzt sieht es ganz danach aus, als ob die Geprellten Anfang 1992 zumindest mit einem Teil ihrer Guthaben rechnen könnten: mit einer Konkursdividende von rund 50 Prozent. Die als ausseramtliche Konkursverwaltung amtierende “Fides Treuhand” in Zürich hat nach komplizierten und langwierigen Abklärungen endlich einen Kollokationsplan vorlegen können, der demnächst Rechtskraft erlangt.
Dass Hoffnungen auf Auszahlung der gesamten Forderungen (rund vier Millionen Franken) verfehlt sind, dankt die ehemalige EBC-Belegschaft dem famosen Geschäftsgebaren ihres einst grossen Ermöglichers Felix Matthys. Der heute bankrotte Multi-Unternehmer (Kies, Transport, Steinbrüche, Metallbau) und Medienphantast (Ex-Präsident der rechten Medienpolizei “Hofer-Klub”; Ex-Hintermann von Alfred Fetscherins Privat-TV-Projekt “Tele 2”) hatte sich bei seinem Engagement für den “Business Channel” ebenso verrannt wie bei seinen übrigen geschäftlichen Aktivitäten.
Als der mit einem stolzen Ausgabenbudget, aber ohne die unrealistisch hoch veranschlagten Werbeeinnahmen kutschierende EBC nicht vom Fleck kommen wollte, war es Matthys, der sich stets für neue Kapitalerhöhungen stark machte. Über seine Mehrheitsbeteiligung an der “AG für Wirtschaftsfernsehen” kontrollierte der Finanzjongleur 71,5 Prozent der EBC-Aktien und steckte bis März 1990 rund 14 Millionen Franken in die immer wieder aufgerissenen Finanzlöcher des überdimensionierten Frühstücksfernsehens. Für die volle Liberierung des EBC-Kapitals, anlässlich des Konkurses, wurde er dann nochmals mit knapp sechs Millionen zur Kasse gebeten. Das war zuviel.
Spätestens ein Jahr danach, im Juli dieses Jahres, musste den nach wie vor auf ausstehende Löhne und Honorare wartenden EBC-Leute klarwerden, dass sie einen Grossteil ihrer Ansprüche in den Kamin schreiben können. Schon damals konnte Schuldner Matthys, wie die “Fides” den Konkurs-Gläubigern mitteilte, “den mit ihm ursprünglich vereinbarten Zahlungsplan nicht einhalten, da die Liquidität der von ihm beherrschten Matthys-Gruppe hiezu nicht ausreichte”. Inzwischen ist es mit der Liquidität vollends aus.
Der ehemalige Grossunternehmer trat zwar seine Besitztümer eins ums andere ab, doch dabei schaute kein Cash heraus. Vorübergehend glaubte Matthys, einen Silberstreifen am Horizont zu entdecken, als sich vor rund einem halben Jahr die in Zürich domizilierte “Genossenschaft Hammer” für den Erwerb seines Metallbau-Konzerns “HZM Holding” (600 Beschäftigte, über 110 Millionen Franken Umsatz) interessierte und einen stattlichen Preis in Aussicht stellte. Doch die vorsichtigen “Hammer”-Genossenschafter zogen sich – nach eingehender Prüfung des nach aussen solid wirkenden Firmen-Konglomerats – rechtzeitig zurück.
Als dann Anfang November publik wurde, dass Matthys die “HZM Holding” seinem früheren Manager Heiner Ochsner übergeben habe, betrug die Kaufsumme null Franken. Und trotzdem wird der neue Besitzer die Firmengruppe möglicherweise nicht halten können. Grund: Wie die übrigen Matthys-Firmen ist auch die HZM hoffnungslos überschuldet, weil der Chef ihre zahlreichen Liegenschaften teilweise weit über ihren ohnehin schon beachtlichen Wert hinaus belehnte – und die Hausbanken des vermeintlich cleveren Geschäftsmanns vertrauensselig mitmachten.
Die Betreibungen, welche die EBC-Konkursverwalterin “Fides” inzwischen gegen den finanziell schachmatt gesetzten Privatmann Matthys und gegen die von ihm beherrschte EBC-Aktionärin “AG für Wirtschaftsfernsehen” angestrengt hat, geraten also zwangsläufig zu ergebnislosen Pflichtübungen.
Unter anderem – fatale Ironie – hatte der Möchtegern-Medienunternehmer mit der seinen zahlreichen Aktiengesellschaften rücksichtslos entzogenen Substanz seinerzeit auch EBC-Löcher gestopft – umsonst. Heute gäbe der Niedergang des grössenwahnsinnigen und allzu steil aufgestiegenen Kieshändlers in einem Wirtschafts-TV-Programm à la EBC – wenn denn eins existierte – Stoff für eine mehrteilige Serie mit einigem Unterhaltungswert ab.

10. Juli 2007 von Klartext

Milde Gabe

Die “Berner Zeitung” musste einer Redaktorin eine Lohnerhöhung zugestehen, die gegenüber einem männlichen Kollegen krass unterbezahlt war und sich zur Wehr setzte.

Beat Hurni regiert mit den Methoden des Despoten über sein Reich, die Redaktion der “Berner Zeitung” (BZ). Gut in dieses Bild (vgl. “Freundliche Grüsse”, Seite 15) fügt sich seine alles andere als transparente Lohnpolitik ein.
Er richte “Leistungslöhne auf individueller Basis” aus und stehe auch zu seinen ganz persönlichen Sympathien und Antipathien: So wehrt der Chefredaktor gerne ab, wenn jemand sich unterbezahlt fühlt, Vergleiche zu besser honorierten Kollegen und Kolleginnen zieht oder gar Besserung fordert.
Was bleibt, ist in solchen Fällen nur die Hoffnung auf eine milde Gabe – von Rechten ist nicht die Rede. Gänzlich vertan aber ist die Angelegenheit, wenn sich die Gewerkschaft einschaltet. Dann wird der Chef vollends kopfscheu: Löhne seien nicht Sache der beiden Betriebsgruppen und gingen diese gar nichts an.
Abgespeist und vertröstet wurde nach diesem Muster mehr als ein Jahr lang eine BZ-Lokalredaktorin: Hurni hielt sie hartnäckig auf dem BR-Lohn-Minimum. Wesentlich besser erging es ihrem Kollegen, der mit ihr eine Hundert-Prozent-Stelle teilt: Bei ähnlicher Qualifikation und – laut Einschätzung der Beteiligten – gleichwertiger Leistung strich er, auf ein Vollpensum umgerechnet, gute tausend Franken mehr Monatslohn ein. Ihr Ansinnen sei völlig deplaziert, und sie überschätze sich masslos, musste sich die Journalistin von Hurni anhören, wenn sie ihn auf diese Ungerechtigkeit ansprach. Im übrigen wolle er sich die Sache aber gerne noch einmal durch den Kopf gehen lassen.
Im Unterschied zu weniger mutigen Kolleginnen und Kollegen entschloss sich die hingehaltene Redaktorin schliesslich, von ihrem Ressort unterstützt, zum Vorgehen gegen dieses Stück Willkür. Sie berief sich dabei auf den Verfassungsgrundsatz “gleiche Arbeit, gleicher Lohn”. Vorerst allerdings ohne Erfolg: Eine redaktionsinterne Aussprache zwischen Hurni und der von ihrem Ressortleiter begleiteten Redaktorin führte zu keinem konkreten Resultat.
Ein erstes Ergebnis zeitigte dann aber die Intervention von Dore Heim, Frauensekretärin der “Schweizerischen Journalistinnen- und Journalisten-Union” (SJU), und der Berner Anwältin Marianne Hammer: Hurni musste sich die Zusage abringen lassen, innert einer festgesetzten Frist zumindest klar zu sagen, ob und wieviel mehr Lohn er allenfalls zahlen würde.
Der Chefredaktor offerierte schliesslich zähneknirschend, die Lohndifferenz (bezogen auf eine 100-Prozent-Stelle) auf die Hälfte zu kürzen. Die Redaktorin nahm das Angebot an, obwohl ihr job-sharender Kollege nach wie vor wesentlich mehr verdient als sie. Dies im Hinblick darauf, dass sie immerhin das Lohnniveau anderer Redaktorinnen und Redaktoren erreicht hat und mit diesem Kompromiss weiterarbeiten kann. Einen Kommentar zum ausgestandenen Konflikt mochte sie gegenüber KLARTEXT nicht abgeben.
SJU-Frauensekretärin Dore Heim: “Für die Gewerkschaft ist das Resultat ein grosser Erfolg, der beweist, dass Frauen durchaus etwas erreichen können, wenn sie nicht aufgeben.” Und: “Die Signalwirkung wird gewiss nicht ausbleiben.”

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