26. Oktober 2010 von Claudia Salzmann

BZ setzt auf hyperlokale News

Quelle: zvg

Seit heute hängen diese Plakate im Kanton Bern. Ab dem 5. November kommt die BZ mit einem neuen Layout daher – lange nach den Relaunches der Konkurrenz. Wichtigste Änderungen: Anstelle von vier Bunden gibt es noch zwei Bunde und bei der neuen BZ kommt Bern immer zuerst.

Online hat die BZ das Layout bereits geändert, wie auch die übrigen Newsnetz-Partner. Mehr Inhalte sollen ersichtlich sein, die «Channels» neu gestaltet, das Wetter prominenter platziert. Alles in allem erinnert bernerzeitung.ch nun an 20min.ch, das im vergangenen März ebenfalls neu gestaltet wurde.

10. Juli 2007 von Klartext

Freundliche Grüsse

Der Chefredaktor der mit dem “Tagi” verschwägerten “Berner Zeitung” führt vor, wie bei den beiden Printmedien-Achsenmächten ein Schriftleiter sein soll: autokratisch und diskursfeindlich.

Eine ganze Reihe von Eigenschaften und Verhaltensweisen war Viktor Schlumpf fremd. Er tanzte nicht öfter als unbedingt nötig nach der Pfeife des Verlegers. Er war weder besonders eitel noch besonders autoritär noch besonders wehleidig, und er verweigerte sich der Diskussion mit den Redaktionsmitgliedern kaum je. Liebstes Führungsinstrument war ihm nicht die Entlassungsdrohung. Und Rücksichten gegenüber politischem und wirtschaftlichem Druck nahm er in aller Regel nicht wichtiger als die journalistische Qualität seines Blattes. Das waren der Mängel zu viele.
Dabei hätte sich Viktor Schlumpf – hätte er unbedingt Chefredaktor des Zürcher “Tages-Anzeigers” (TA) bleiben wollen – bloss nach Westen wenden und Anschauungsunterricht in einem befreundeten Haus nehmen müssen, das sich erst noch zu 49 Prozent in “Tagi”-Besitz befindet und dessen 51-Prozent-Verleger neuerdings auch im Verwaltungsrat der “Tages-Anzeiger AG” sitzt: bei der “Berner Zeitung” (BZ).
Dort nämlich, am Dammweg 9 in Bern, führt seit April 1987 der heute 46jährige Ex-“Kasssensturz”- und Ex-“SonntagsBlick”-Journalist Beat Hurni vor, wie in den beiden einander näher und näher rückenden Verlagshäusern TA und BZ ein Chefredaktor beschaffen sein muss, damit er der Zuwendung der Verlagsoberen sicher sein kann. Mit einem aus Rambo-Allüre und Weinerlichkeit gemischten Führungsstil tötet Hurni konsequent Moral und Motivation seiner Redaktionscrew. Dafür bürgt er seinen Vorgesetzten gegenüber für eine ebenso konsequente Verwirklichung jener Stromlinien-Blattmache, die zweitens Auflage garantiert und erstens Ärger vermeidet.
“Ich glaube, dass es in meinem eigenen Interesse liegt, profilierte Mitarbeiter zu haben”, hatte Hurni knapp drei Monate nach seinem Amtsantritt geprahlt (KLARTEXT 4/87). Inzwischen bewies der Chef aufs trefflichste, dass ihm schon Redaktoren und Redaktorinnen mit dem Profil eines abgefahrenen Veloreifens unheimlich sind. Kein Anflug von schüchterner Unbotmässigkeit ist ihm zu gering, um mit verbaler Kraftmeierei und Imponiergehabe zu demonstrieren, wer der rechtmässige Statthalter des Herrn im Hause ist.
Kunststück, dass bereits während der ersten 20 Monate der Ära Hurni – bis Spätherbst 1990 – nicht weniger als 35 Leute davonliefen. Inzwischen hat sich der Rhythmus der Abgänge beruhigt; nicht etwa weil der Chefredaktor auf einen zivileren Umgang mit seinen Untergebenen umgeschaltet hätte, sondern weil der derzeitige Arbeitsmarkt einen Stellenwechsel schwieriger macht. Dennoch spielt das Wort Kündigung im Alltag der “Berner Zeitung” nach wie vor eine zentrale Rolle: Hurni hat die Drohung mit Entlassung mittlerweile zum gängigen Führungsinstrument erhoben – vor allem, wenn’s um Frauen oder Frauenthemen geht.
Der langjährigen Kultur-Redaktorin Marie-Louise Zimmermann und ihrem Ressort-Kollegen Roland Maurer beispielsweise drohte der Chefredaktor aufgebracht den Rausschmiss an, weil ihm eine auf der Kultur-Seite erschienene Besprechung der Bühnenschwarte “Cats” missfallen hatte. In der von einer freien Mitarbeiterin verfassten Rezension war mild kritisiert worden, dass das Musical abgestandene Rollenklischees kultiviere.
Einer Redaktorin des Ressorts “Region” – als Mitorganisatorin der BZ-Aktion zum Frauenstreik ohnehin vom Chef beargwöhnt – legte Hurni unmissverständlich nahe, einen andern Job zu suchen, weil er sie für “ideologisch voreingenommen” halte. Grund für die durchaus ernstgemeinte Drohgebärde: Die Redaktorin hatte einen Rundgang durch Köniz nacherzählt, auf welchem sie den zahlreichen Bausünden der Berner Vorortsgemeinde begegnet war. Auch der Hinweis darauf, dass sie sich bei dem Spaziergang auf eine von der Gemeinde Köniz höchstselbst herausgegebene Karte gestützt hatte, vermochte den wildgewordenen Chefredaktor nicht zu beruhigen.
Redaktions-Männer, wenn Hurni sie als selbstbewusst und daher gefährlich einschätzt, sind vor dem Bannstrahl aber ebensowenig gefeit. Den Inlandredaktor Stefan Israel etwa, der sich mit Beiträgen zur Asylpolitik einen Namen gemacht hat, traktierte Hurni so lange mit der Empfehlung, doch zu gehen (Tenor: “Suchen Sie sich bitte in aller Ruhe eine neue Stelle, hier sind Sie am falschen Platz”), bis sich der junge Kollege entschloss, als freiberuflicher Korrespondent nach Wien zu wechseln. Was er denn falsch gemacht habe, erfuhr Israel nie.
Um sein von der Verlagsetage gern gesehenes autokratisches Regime zu festigen, nimmt sich Chefredaktor Hurni auch mal die ihm unterstellten Redaktionskader vor. Dabei ist es ihm glatt gelungen, ein Gremium kalt zu entmachten, das ihm allenfalls hätte Widerstand leisten können: die Konferenz der “G-Chefs” (Ressortgruppen-Leiter). Markus Zölch, weiland Chef vom Dienst, zog es schon vor einem Jahr vor zu kündigen. Otmar Kempf, wie Zölch ein Macher der sachlichen Art und darum in der Redaktion nicht unbeliebt, wurde von Hurni abgehalftert. Geblieben sind stille Schaffer wie Franz Hophan (“Tagesgespräch”), flexible Anpasser wie Emil Bohnenblust (Chef vom Dienst) oder schwache Schweiger wie Hans Kaufmann (“Lokales”).
Gleichzeitig baut Hurni eine Reihe von loyalen Gefolgsleuten auf. Elsbeth Hobmeyer beispielsweise, die bisher hauptsächlich mit blassen Texten über so aufregende Lokalthemen wie den Bärengraben oder den Tierpark auffiel, schaffte den Aufstieg zur Chefin der Seite “Bern”. Ihr Vorgänger Otto Zutter durfte den – durch den Abgang von “Redaktions-Feldweibel” (Haus-Spott) Fredy Hämmerli – freigewordenen und einflussreichen Posten des Nachrichtenchefs übernehmen.
Die Stossrichtung solcher Personalpolitik ist klar: Souschefs, die nicht zu widersprechen wagen, sollen darüber wachen, dass die mehr und mehr zum Allerweltsblatt mutierende BZ selbst von leisesten Ansätzen kritischer Berichterstattung verschont wird. Und sie sollen dafür sorgen, dass die zu Hurnis Selbstdarstellungs-Arena geratene Mittagskonferenz auch weiterhin ohne Widerrede gegen den allmächtigen, bei Kritik an seiner Person aber höchst empfindsamen Vorsitzenden abläuft. Die Zeiten, da bei dieser Gelegenheit sogar Kaderleute eine Lippe gegen Hurni riskierten – wie vor Jahren etwa der damalige Kulturchef Martin Hauzenberger – sind sowieso längst vorbei.
Die auf diese banale, aber offenbar wirkungsvolle Weise in den Senkel gestellten Redaktorinnen und Redaktoren – selbst die, die nicht auf Hurnis Abschussliste stehen – werden folgerichtig auch die übrigen Disziplinierungs-Signale aus der Trickkiste des Chefredaktors verstehen. Gewissermassen als flankierende Massnahme müssen sie sich – trotz vergleichsweise flottem Geschäftsgang – regelmässig die zeitgeistige Leier vom Sparen anhören. Hurnis dazugehöriger Refrain: Wenn die Redaktion nicht wirksam spart, wird Personalabbau aus wirtschaftlichen Gründen unumgänglich sein.
In Wahrheit ist der Abbau schon im Gang. In den Ressorts “Stadt Bern” und “Kanton Bern” – für das Regionalblatt BZ von zentraler Bedeutung – ist je eine freigewordene Stelle unbesetzt geblieben, im “Kanton” wird möglicherweise noch eine zweite gestrichen. Zudem hat Hurni bereits die Mitarbeit bewährter freier Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aufgekündigt.
Hindernisse auf dem autoritären Pfad des Chefredaktors sind vorerst nicht auszumachen. Als sich vor wenigen Monaten die BZ-Betriebsgruppe von VSJ (“Verband der Schweizer Journalisten”) und SJU (“Schweizerische Journalistinnen- und Journalisten-Union”) immerhin zu einem Brief an Hurnis Vorgesetzten Peter Hausammann aufrafften und sich darin “beunruhigt” zeigten “über das Verhalten und Vorgehen von Chefredaktor Beat Hurni gegenüber Einzelpersonen und ganzen Ressorts”, verlief der Effort jedenfalls im Sand. Der Adressat bestätigte höflich den Empfang des Schreibens, formulierte ein paar Nettigkeiten und verblieb “mit freundlichen Grüssen”.
Direktor Hausammann weiss eben, was er an seinem Schriftleiter hat. Anders als bei seinen Geschäftspartnern vom verschwägerten Verlag in Zürich – die sich noch bis vor kurzem öfter über ihren Chefredaktor ärgern mussten – ist im Hause “Berner Zeitung” der Job schon seit bald fünf Jahren verlagskonform besetzt: mit dem Sozialdemokraten Beat Hurni.

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