6. Oktober 2010 von Claudia Salzmann

NZZ macht einen auf Gadget-Laden

Quelle: www.nzz.ch

Heute morgen springt der Leserschaft auf der ersten Seite der gedruckten NZZ ein Artikel in eigener Sache entgegen. Weiter hinten im ersten Bund prangt ein ganzseitiges Inserat, das die neuen E-Paper-Abonnemente der Tages- und Sonntagsausgabe anpreist: plus Ipad, plus Tastatur, plus Docking-Station, plus Schutzhülle gibts das Paket ab Fr. 900.00. Interessanter Preis für so viel moderne Technik. Und die Zeitungsinhalte für NZZ und NZZaS gibts ein halbes Jahr lang gratis dazu. Ist dies der erste Streich von Peter Hogenkamp, dem neuen Leiter digitale Medien der NZZ?

1. Oktober 2010 von Philippe Wenger

Schein und Sein

Dass sich Werbeabteilungen und PR-Büros alle Mühe geben, dem Publikum Dinge vorzugaukeln, die nicht sind, ist allgemein bekannt. Dass sich Medien dazu hergeben, diesen Schwurbel prominent zu transportieren leider auch. Ein Paradebeispiel für mehr Schein als Sein liefert  die sogenannte „Immobilien-Zeitung“, die heute der NZZ beiliegt. Aufgemacht in konventionellem Zeitungslayout, das zwar mehr nach Tagi als nach NZZ aussieht, liegt das Werbeblatt als zusätzlicher Bund bei.

Auf der Titelseite rührt Michael Ringier (bei dessen Verlag diese XXL-Publireportage gedruckt wurde) in einem Interview die Werbetrommel für den Herausgeber der Nicht-Zeitung, die Immobilienfirma Walde und Partner. In einem als „Kommentar“ verkleideten Beitrag schwadroniert Komiker Mike Müller über den Charme von Altbauten.

Klar als PR gekennzeichnet sind die Beiträge – abgesehen vom durchgängigen Heile-Welt-Ton – nur an wenigen Stellen. Autorenzeilen gibt es praktisch keine und Bildquellen werden auch nicht genannt (wobei angenommen werden darf, dass die meisten im Hause entstanden sind).

Warum das Blatt diesmal im Tagi-Layout daherkommt, ist nicht ersichtlich, zumal es der NZZ beiliegt. Begonnen hat diese versuchte Täuschung im Jahr 2006; damals imitierte Walde&Partner noch die Zürcher Landzeitungen.

Zu hoffen bleibt nur, dass die NZZ kräftig an dieser Un-Zeitung verdient und damit richtigen Journalismus finanziert – und dass die Leser diesen zwischen all dem Schein-Journalimus noch erkennen.

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Ausgabe: 5 | 2018

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