12. November 2010 von Claudia Salzmann

Aus dem Beruf: Matthias Lauterburg

Quelle: zvg

Matthias Lauterburg ist der leise Radio-Pionier aus Bern. Guter Journalismus ist für ihn eine Mischung zwischen künstlerischer Kreativität und buchhalterischer Genauigkeit.

Was würden Sie nach einem Journalismus-Studium als Erstes tun?

Ich würde in den ersten Jahren die verschiedenen Medien kennen lernen wollen, auch Online und Nachrichtenagenturen. Ich finde es wichtig, zu wissen, wie diese Medien funktionieren. Bei Nachrichtenagenturen lernt man auch die Fliessbandproduktion von Nachrichten. Und somit auch, wie man richtig News schreibt. Auf Online würde ich setzen, weil es in 10-20 Jahren der primäre Zugang zu News sein wird.

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10. Juli 2007 von Klartext

Così fan tutte

Wenn sich Roger Schawinski verrechnet, sind prinzipiell die anderen schuld.

“Ich bin glücklich, denn mit diesem Radio können wir vielen Menschen in ganz Europa Lebensfreude vermitteln”, verkündete Roger Schawinski am 30. August letzten Jahres. Der Bundesrat hatte ihm soeben die Konzession für die Satellitenverbreitung seines Klassik-Senders “Opus Radio” erteilt. “Von Spitzbergen bis Sizilien” sollten die Fans von Edvard Grieg und Vincenzo Bellini an dieser Lebensfreude teilhaben können.
Heute, kaum drei Monate nach Sendebeginn, tönt es völlig anders: Paneuropäer Schawinski gibt sich nun ganz familiär. Der “Opus”-Boss treuherzig zu KLARTEXT: “Eigentlich mache ich das Radio für meinen Vater, Leute wie er finden das toll.”
Weniger toll fand das Bundes-rat Adolf Ogi, denn Schawinskis hat vor Sendebeginn nicht nur sein Zielpublikum, sondern auch sein Verbreitungsgebiet flugs neu definiert: Statt Eisbären und Mafiosi zu beglücken, soll “Opus” erst einmal die Schweiz zum “Land des Lächelns” machen. Jedes internationale Radio und Fernsehen müsse sich erst einen starken Heimmarkt sichern, so Schawinskis medienpolitische Lektion an Ogi.
Und weil sich Vater Schawinski “Diä chlii Nachtmusig” nur freudig reinziehen kann, wenn sie auf Mundart angesagt wird, liess Sohn Roger fürsorglich gleich das ganze “Opus”-Programm seit Sendestart auf Schweizerdeutsch moderieren. Eine klare Verletzung von Artikel 3 der Konzession -“Für Wortbeiträge (inklusive Moderation) ist die hochdeutsche Sprache zu verwenden” – , fand der Medienminister und drohte Ende Februar mit einer Busse von 50’000 Franken, falls die “Opus”-Macher weiterhin “Sümfoniä” ausstrahlten.
“Ist das Ogis Beitrag zur 700-Jahr-Feier?” stimmte daraufhin Schawinski wehleidig eine seiner berühmten Jammer-Arien an, die “Opus”-Programmleiter Hu-go Bigi willig zum Duett ausweitete: Schliesslich solle das Radio laut Konzes-sion ja auch Schweizer Kulturgut ins Ausland bringen, und dazu gehöre, so Bigi, eben auch die Pflege der Mundart.
Nur kann “Opus” dort kaum jemand hören, denn Schawinski hatte gar nie im Sinn, für ein ausländisches Publikum zu senden. Weil der Bundesrat vor Inkrafttreten des “Radio- und Fernsehgesetzes” keine neuen Lokalradios mehr bewilligen wollte, spekulierte der ehemalige Radiopirat darauf, via Satellitenkonzession zum ersten flächendeckenden Schweizer Privatradio zu kommen.
Da die “tapsigen Beamten in Bern” ihm jetzt auf die Schliche kamen und ihn beim Konzessions-Wort nehmen, fühlt sich Schlaumeier Schawinski ungeheuer beleidigt.
Gegenüber KLARTEXT gibt er zwar zu, dass er die Konzession verletzt habe, “aber alle Lokalradios ausser ,Radio 24′ tun das andauernd, und niemand stört sich daran”, versucht er sich mit “Così fan tutte” furios zu rechtfertigen, “ich bin ein Opfer einer Diffamierungskampagne, initiiert von der missgünstigen SRG.”
Doch schliesslich nützte alles Flennen und Schmollen nichts: Seit Ende März moderiert “Opus” sein Programm auf Hochdeutsch. Daneben werde es aber, teilen die Radio-Klassiker mit, wie bei der SRG und den Lokalradios auch in Zukunft Sendungen für “Minderheiten in anderen Sprachen” geben, “namentlich in Schweizerdeutsch”.
Inzwischen macht Schawinskis Trick bereits Schule. Anfang April schickte der Volksmusik-Sender “Radio Viva” (bisher ein Kurzversuch) sein Satelliten-Konzessionsgesuch nach Bern ab. “Viva”-Boss Hans-Peter Meng mag jedoch kein internationales Zielpublikum vorschwindeln: “Die Satellitenübertragung ist für uns nur ein erster Schritt. Wir streben klar ein flächendeckendes Schweizer Spartenradio an und hoffen, bald eine terrestrische Frequenz zu erhalten”. Selbstverständlich will er sein Musikprogramm auf Schweizerdeutsch moderieren lassen.
Mengs Chancen stehen nicht schlecht. Zwar wird der Bundesrat “Radio Viva” noch aufgrund des Satellitenbeschlusses bewilligen müssen, doch wenn “Viva” 1992 auf Sendung geht, ist wohl auch das Radio- und Fernsehgesetz in Kraft getreten, das Spartenradios zulässt. Unfreiwillig könnte “Viva” auch Schawinski helfen: Wird “Viva” erlaubt, auf Mundart zu senden, kann Schawinskis eben eingereichtes Gesuch um Konzessionsänderung kaum glaubwürdig abgelehnt werden.
Inzwischen hat Schawinski aber bereits eine neue Opera buffa inszeniert: Trotz dem Verbot von TV-Satiriker Viktor Giacobbo lancierte er in der Presse eine Anzeige, in der Giacobbo als “Opus-Fan” für seinen Sender wirbt (Slogan: “Dank ,Opus Radio’ kenne ich endlich den Unterschied zwischen Johannes Bremi und Ueli Brahms”). Als Giacobbo die Absetzung der Kampagne verlangte und von Schawinski als Entschädigung 4000 Franken zugunsten von “Greenpeace” forderte, fühlte sich dieser natürlich wieder unschuldig: “Dir geht es ja nur ums Geld”, schnauzte ausgerechnet Schawinski seinen Gast in der “Radio 24”-Talkshow “Doppelpunkt” an.
Wenigestens äusserlich versuchte sich Schawinski dieses Frühjahr zu läutern: Aus Protest gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein, und um allfälligen Verwechslungen vorzubeugen, liess er sich vom Barbier von Sevilla den Schnurrbart abrasieren. “Völlig unnötig”, konstatiert ein Privat-Radio-Konkurrent, “eine Verwechslungsgefahr besteht kaum – die beiden kann man doch gut auseinanderhalten: Roger ist derjenige mit dem Schlitz im Ohr.”

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