10. Juli 2007 von Klartext

Von Kadis, Kassen & Konzessionen

Europaweites Pay-TV: Der deutsche Medienkonzern “Bertelsmann” und der französische Privatsender “Canal Plus” bauen zusammen ein europaweites Abonnementsfernsehen auf. Geplant sind für die nächsten drei Jahre Investitionen von zwei Milliarden französischen Francs.

Finanzfernsehen: Die internationale Nachrichtenagentur “Reuter” strahlt von London aus ein neues Multi-Media-Finanzfernsehen für Fachleute aus. Bereits hat “RFTV” 35 Kundenanschlüsse in Grossbritannien und zehn anderen europäischen Ländern.

Deutsche Telekom: Die “Deutsche Bundespost Telekom” ist bei der “Astra”-Satellitenbetreiberin “Société européenne des satellites” (SES) eingestiegen: mit 25 Prozent der zwei Drittel des Gesellschaftskapitals, welche das Grossherzogtum Luxemburg für Privatinvestoren offen lässt.

RTL: Die luxemburgische “CLT”, Trägerin der beiden Sender “RTL” und “RTL 2”, hat in Deutschland die Lizenz für ein weiteres Programm namens “RTL Club” beantragt. Geplant ist ein Spartensender, der vor allem Unterhaltung, Serien, Spielfilme bieten würde.

Focus: Im ersten Halbjahr 1994 hat “Focus” den “Spiegel” bei den Inseraten überrundet: mit 2672 gegen 2667,7 Seiten. Gegenüber der gleichen Vorjahresperiode legte “Focus” um 95,4 Prozent zu, während sein Konkurrent einen Verlust von 12,9 Prozent verbuchen musste.

Emma: Alice Schwarzer, Herausgeberin der deutschen Frauenzeitschrift “Emma”, muss dem Fotografen Helmut Newton Schadenersatz in noch festzulegender Höhe zahlen. Ohne Erlaubnis hatte sie zur Illustration einer Polemik gegen Newton 19 seiner Aktfotos abgedruckt.

Kisch-Preis: Der diesjährige “Egon-Erwin-Kisch-Preis” des Hamburger Magazins “Stern” geht im ersten Rang an den Schweizer Peter Haffner (“NZZ-Folio”). Ausgezeichnet wurde seine Reportage “Polski Blues”.
Ehrverletzung: Im Streit zwischen Auto-Partei-Nationalrat Michael E. Dreher und einer “Ringier”-Journalistin hat das Bundesgericht gegen diese entschieden: Medienschaffende können sich auch dann strafbar machen, wenn sie ehrverletzende Äusserungen Dritter mit Angabe der Quelle zitieren.

Frick-Prozesse: Ein Jahr nach dem Tod des Zürcher Anwalts Willy N. Frick ist der letzte Prozess um dessen angebliche Beziehungen zu Nazi-Grössen erledigt. Seine Töchter haben ihre Klage vor Bundesgericht gegen eine frühere Journalistin des “Blick” zurückgezogen.

Gasser vs. Weltwoche: Der Spinnereibesitzer Adrian Gasser hat vor dem Zürcher Handelsgericht gegen die “Weltwoche” verloren und gelangt nun ans Bundesgericht. Gasser hatte die Zeitung wegen einer Artikelserie über die “Lorze AG” (Baar) auf 15 Millionen Franken Schadenersatz verklagt. Der “Jean Frey”-Verlag der “Weltwoche” erhält nun von Gasser 210’000 Franken Prozessentschädigung.

Kopp vs. Tages-Anzeiger: Das Bundesgericht hat die Berichterstattung des “Tages-Anzeigers” zur Geldwäscheraffäre um die Firma “Shakarchi Trading AG” und deren Verwaltungsrat Hans W. Kopp als zulässig beurteilt: Von Vorverurteilung könne nicht die Rede sein, und der Bürger habe bei einer Person des öffentlichen Lebens das Recht auf Information. Kopp hatte auf Persönlichkeitsverletzung geklagt.

Bundesgericht: Die Auflage des Bundesgerichts, in der Berichterstattung über ein Bundesgerichtsurteil gegen Hans W. Kopp (“Trans K-B-Affäre”) dessen Namen nicht zu nennen, ist bei Staatsrechtlern und Medienspezialisten auf einhelliges Unverständnis gestossen. Das Verbot zuerst gebrochen hatte der “Tages-Anzeiger”.

Quellenschutz: Der Vorschlag des Bundesrates, ein Zeugnisverweigerungsrecht für Medienschaffende einzuführen, ist in der Vernehmlassung gut aufgenommen worden. Bis spätestens Ende 1995 soll die Botschaft für ein neues, medienfreundlicheres Strafrecht stehen.

SDA-Bilanz: Die “SDA” samt ihrer Tochter “Sportinformation” verbucht für 1993 einen betrieblichen Cashflow von 1,45 Millionen Franken (1992: 0,98 Millionen) und einen Reingewinn von 36’000 Franken (19’000).

SDA-Beteiligung: Die “Gesellschaft zur Förderung der schweizerischen Wirtschaft” (wf) steigt bei der “Schweizerischen Depeschenagentur” (SDA) ein. Die wf übernimmt gegen fünf Prozent des SDA-Aktienkapitals und verbreitet ihren Pressedienst via Agentur.

UBI: Laut Jahresbericht wurden bei der “Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen” – dank der Ombudsstellen – 1993 nur 16 Beschwerden eingereicht (1992:18).
Bakom-Gelder: Das “Bundesamt für Kommunikation” (“Bakom”) verteilt an 34 Gesuchstellende 1,9 Millionen Franken für Aus- und Weiterbildung von Radio- und Fernsehschaffenden.

SRG: Im Abstimmungskampf um das Antirassismus-Gesetz dürfen sich SRG-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen nicht persönlich engagieren. SRG-Chef Antonio Riva lehnte einen Antrag des Personals auf Lockerung der üblichen Verhaltensregeln ab.

TV-Marktanteile: “Fernsehen DRS” hat im zweiten Quartal 1994 Marktanteile gewonnen. Im Vergleich zum Vorjahr verbesserte es sich von 35 auf 37 Prozent in der Prime time. Alle Konkurrenten verloren je gut ein Prozent.

SF DRS: Undurchsichtige Kooperationen mit Privaten gefährdeten die journalistische Unabhängigkeit, kritisiert der DRS-Publikumsrat die SRG. Problematische Sendungen nennt der Rat vor allem auf “S plus”, so “Beoplus”, “Motorshow”, “Gsundheit” und “Maxi”.

Kassensturz: Mit einem Beitrag über Dioxin in Zürcher Böden im November 1992 habe die Fernsehsendung “Kassensturz” die Grenzen einer sachlichen Darstellung verletzt, so die “Unabhängige Beschwerdeinstanz” (UBI).

Videotex: Das schwer defizitäre elektronische Dienstleistungssystem “Videotex” (Vtx) soll privatisiert werden. Die PTT verhandeln derzeit mit dem Verband der privaten Vtx-Anbieter “Svipa” sowie mit Vtx-Grosskunden.

Regional-TV: Die zwei Jahre alte Bildschirmzeitung “Regio Text” will ab Oktober ein Regional-TV für die Innerschweiz aufziehen.

Radio DRS: Im Rahmen von Sparmassnahmen wird die Führung von “Radio DRS 1” nächstes Jahr gestrafft und in Zürich zentralisiert. Im vierköpfigen Spitzengremium sitzt keine Frau.

Schweizer Radio International: Mit einer neuen Sendestation in Französisch-Guyana will “Schweizer Radio International” eine bessere Ausstrahlung in Nord- und Südamerika sowie in Australien und Teilen von Afrika erreichen.

Radio Basilisk: Der Basler Lokalsender “Radio Basilisk” arbeitet wieder mit Gewinn; 1993 stiegen die Erträge gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent auf 4,2 Millionen Franken. Der Gewinn beträgt 40’000, der Cash-flow 155’000 Franken.

Radio Grischa: Das Bündner Privatradio “Grischa”, seit 1988 auf Sendung, konnte 1993 erstmals einen Gewinn von 23’000 Franken ausweisen. Gleichzeitig bezog es Geld aus dem SRG-Gebührensplitting.

Radio Matterhorn: Per September hat “Radio Matterhorn” in Zermatt ausgesendet. Die einstige Monopol-Station hatte Konkurrenz durch die Einspeisung anderer Lokalsender ins Kabelnetz erhalten, und Besitzer Stephan Perren hatte sich geweigert, mit der Konkurrentin “Radio Rottu” zusammenzuarbeiten.

TA-Media I: Bis Ende Jahr werden im Druckzentrum der “TA-Media AG” 12 von noch 50 Stellen im Rotationstiefdruck abgebaut. Zuvor hatten die Mitarbeiter eine vorgeschlagene 20prozentige Arbeitszeitverkürzung abgelehnt. Grund: Das “Biga” war nicht zur Übernahme eines Teils der Lohneinbussen bereit gewesen.

TA-Media II: Der italienische Versicherungskonzern “Assicurazioni Generali” hat von der “TA-Media AG” deren Anteile an der Versicherungsgesellschaft “Fortuna Holding AG” übernommen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Journal de Genève: 1993 schloss das “Journal de Genève” mit einem Verlust von 3,7 Millionen Franken ab (1992: 5,4 Millionen). Nach dem Ende der “La Suisse” sind letztes Jahr die Verkaufszahlen um 30 Prozent gestiegen. Die Zahl der Abonnemente hat leicht zugenommen.

La Suisse: Die Mehrheit der “La Suisse”-Gläubiger hat einem Konkordat zur Liquidierung der “Sonor AG” zugestimmt, das die 14 Millionen Franken Aktiven – gegenüber 64 Millionen Passiven – verteilt. Die Genfer Justiz untersucht, ob sich “La Suisse”-Verleger Jean-Claude Nicole strafrechtlich verantworten muss.

K-Tip: Die Zeitschrift “K-Tip” (Auflage über 300’000 Exemplare) der Fernsehsendung “Kassensturz” verbucht für letztes Jahr bei einem Umsatz von 5,34 Millionen einen Gewinn von 158’000 Franken. Ab September kooperiert der “K-Tip” mit der “Stiftung für Konsumentenschutz” und veröffentlicht dessen Warentests.

Photo/Video-Presse: Der Verlag “Novapress AG” der “Publicitas Holding AG” hat drei Zeitschriften abgestossen. “Photographie” und “Fotoheft” werden neu von der “FM Foto-Media AG” (Schaffhausen) publiziert. Das “Schweizerische Video-Magazin” übernimmt der Zeitschriftenverlag der “Aargauer Tagblatt AG”.

CH-Inseratemarkt: Die seit Januar festgestellte Erholung im Inserategeschäft hält an. Im Juni verkauften die schweizerischen Zeitungen 9,3 Prozent mehr Anzeigen als vor einem Jahr; Wochenzeitungen sogar 26,4 Prozent mehr.

FSF zu RTL, SAT1, PRO7

Die “Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen” (FSF), im November 1993 von den Privatsendern Deutschlands gegründet, hat einen ersten Bericht vorgelegt: 89 Filme hat sie überprüft und deren vier als nicht sendbar eingestuft. Wenig passiert indessen, wenn sich eines der Mitglieder im Verein FSF – RTL, SAT 1, PRO 7 und andere, die dank Mord und Totschlag am TV flotte Gewinne schreiben – nicht an die Empfehlung hält und einen indizierten Streifen doch sendet: Als drakonischste Strafe droht bloss der Ausschluss aus dem Verein – womit sich das Problem der freiwilligen Selbstkontrolle von selber erledigen würde. Das Ethik-Feigenblatt der Kommerz-TV-Stationen dient natürlich auch nicht der Prävention der Gewalt am Bildschirm, sondern der Prävention rigider gesetzlicher Massnahmen, die drohen.

10. Juli 2007 von Klartext

Die Leutschenbach-Maus

Im Fernsehen herrscht die Intrige. Alle wissen das. Nur: Wer blickt da heute noch durch? Wer weiss noch, wo Gut und Böse hockt? Wer sagt noch die Wahrheit? Die “Leutschenbach-Studio-Maus”. Sie spitzt ihre Ohren vor allem…
… wenn der Peter Schellenberg von seinen Absichten und Zielen spricht. Der Mann will ganz nach oben und ganz alleine das Sagen haben.
Gewiss, der Peter. Der Mann. Wenn er bloss nicht immer Ärger mit Roy hätte:
Wütend habe ich den Peter schon oft gesehen. Aber so wütend, wie damals, als man den Roy Oppenheim zum Chef von S-Plus machte, doch noch nie.
Das hatte Folgen für die Leute von “S-Plus”:
Im Leutschenbach war man…
…also Mann”.
…entschlossen, sie so zu ärgern und zu plagen, dass ihnen das Senden rasch einmal von selber vergehen würde. Und ich sage Dir, daran ist vor allem der Schellenberg schuld. Wie gemein! Wer fühlte da nicht mit der Maus: Mir taten die S-Plus-Leute richtig leid. Weisst Du, unter uns Mäusen hilft man sich gegenseitig, wo man kann. Das ist bei denen nicht Mode, um jedes Kabel, um jeden Raum, einfach um jedes blöde Bisschen, mussten die S-Plus-Leute betteln, bitten oder kämpfen.
Sind Schüsse gefallen, Granaten explodiert? Schlimmer. “S-Plus” wurde ein Opfer von…
…Mobbing. Es handelt sich um den Terror am Arbeitsplatz.
Roy, die Geisel in der Gewalt des Kommandos Peter Schellenberg. Ein Gebrochener:
Jetzt nahm er den Hut. Schade.
Allerdings: Ohne Hut sieht er auch nicht besser aus. Doch was kümmert das den Schellenberg:
Prompt nutzte der klevere Peter diese Situation und übernahm es, eine neue Struktur zu planen. Ich sage Dir, er reisst alle Macht an sich. Der macht alle zu Narren. Den Bundesrat, seinen Chef Riva, das Bakom, die Programm-Gremien – einfach alle.
Keibenschwierig für den kleveren Peter, ausgerechnet aus Ogi, Riva und Furrer Klowns zu machen. Erst recht, da sie gewarnt sind. Aber:
Einer muss doch endlich einmal sagen, wie es im Leutschenbach wirklich zugeht.
Den Mut, dies getan zu haben, hatte
Nationalrat Ernst Cincera im” Medien-Panoptikum” Nr. 75 vom Juli 1994.

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