9. Juli 2007 von Klartext

Zehn Jahre und kein bisschen leise

Für Journalisten darf Medienpolitik nicht länger darin bestehen, auf Angriffe politischer und wirtschaftlicher Interessengruppen bloss zu reagieren und zuzuschauen, wie dabei die für unsere Gesellschaft überlebenswichtige Meinungsäusserungsfreiheit Stück für Stück demontiert wird. Gefordert ist heute vielmehr das direkte Engagement der Medienschaffenden im Sinne ihres gesellschaftlichen Auftrags: Selbstbewusst und ohne fachfremde Rücksichten sollen sie an der medienpolitischen Meinungsbildung aktiv mitwirken.”
Das war vor genau zehn Jahren, an dieser Stellte, in der ersten Ausgabe des Medien-Magazins KLARTEXT zu lesen. Unterdessen bestand für Journalistinnen und Journalisten Medienpolitik ein weiteres Jahrzehnt lang darin, auf Angriffe politischer und wirtschaftlicher Interessengruppen bloss zu reagieren und zuzuschauen, wie dabei die für unsere Gesellschaft überlebenswichtige Meinungsäusserungsfreiheit Stück für Stück demontiert wurde. Vermisst wurde das direkte Engagement der Medienschaffenden im Sinne ihres gesellschaftlichen Auftrags: Ehrfurchtsvoll und allerlei fachfremde Rücksichten nehmend, verzichteten sie darauf, an der medienpolitischen Meinungsbildung aktiv mitzuwirken.
Also war wohl zumindest dieser Anspruch von KLARTEXT – mit Berichten über Medienpolitik das Selbstbewusstsein der Kolleginnen und Kollegen stärken zu wollen – ein vermessener. KLARTEXT lässt sich aber so schnell nicht verdriessen: Er wird weiterhin Machern und Managern, Politikern und Potentaten auf die Finger klopfen, wenn’s denn dazu dient, “Öffentlichkeit über einen Wirtschaftszweig herzustellen, der zwar öffentlich tätig ist, aber vieles am liebsten im Dunkeln abwickelt”. Diese zehn Jahre jedenfalls waren kein Grund, auch nur ein bisschen leiser zu werden.

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