26. November 2010 von Claudia Salzmann

Medienkritik: Ein Verein hat Grosses vor

Quelle: C. Salzmann

Theoretiker und Praktiker sind sich einig: Was der Schweizer Medienlandschaft fehlt, ist institutionalisierte Medienkritik mit langem Atem. Ein Schritt nach vorne soll der Verein «Medienkritik Schweiz» sein.

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11. Juli 2007 von Zora Zensura

Recyclingklopapier

Für alle Nicht-“20-Minuten”-LeserInnen: Das Gratisblatt wiegt zwischen 65 und 115 Gramm und umfasst an guten Tagen 47’923,2 cm2, was immerhin der Fläche eines Badezimmers entspricht. Einer dieser guten Tage war der 25. März. Auf der Front prangt links das blau-weisse Logo von “20 Minuten”, darunter die Schlagzeile: “Ruinieren Sie uns!” Neben dem Logo hängt die Büste eines kapitalen Hirschs mit der Legende: “Das gabs zum 80-Jährigen des Jagdvereins Püntelen.” Front-Aufmacherbild: Eine Cyber-shot Sony DSC-P92. Zuunterst in dicken Lettern: “Media Markt – 10 Jahre in der Schweiz”. Man siehts und fragt sich, ob man über Nacht zur funktionalen Analphabetin wurde – die liest, aber nix versteht.
Seite zwei verspricht Nachhilfe. Da steht prominent: “Die Kampagne. Media Markt ist anders – auch in der Werbung. Mit der neuen Werbekampagne schiesst Media Markt den Vogel ab – im wörtlichsten Sinn: Motto ist die Jagd! Die Story: Die Jäger des fiktiven Dorfes Püntelen erhalten zum 80-jährigen Jubiläum ihres Vereins einen ausgestopften Hirsch. Media Markt Kunden dagegen machen zum 10-Jährigen richtig fette Beute!” Aha?!?
Ist es beginnender Alzheimer, wenn man nicht begreift, was imaginäre Pünteler mit abgeschossenen Vögeln, geköpften Hirschen und einer 399-fränkigen Digitalkamera gemein haben? Ist es ein Versuchsballon von Tamedia-Verleger Coninx, der künftig die besten Plätze seiner Blätter mit kryptischen PR-Texten zu füllen gedenkt? Oder ist es einfach an der Zeit, ehrlich zu sein? Inserate müssen nicht verständlich sein. Und vor allem sind sie nicht da, um Journalismus zu finanzieren. Es ist umgekehrt: JournalistInnen sind da, um Inserate zu generieren. “20 Minuten” ist das erste Blatt, das danach lebt. Seine Neuigkeitshäppchen dienen nicht der Information. Sie verfolgen keinen politischen Zweck, bieten keine Analysen, beziehen nicht Stellung. Sie haben nur eine Aufgabe: Sie müssen den Platz neben den Inseraten diskret füllen.
Zum Schluss noch drei Gründe, warum es “20 Minuten” trotzdem braucht: Erstens, um im Tram die Sitze trocken zu wischen, zweitens, um Altpapier für Recyclingklopapier bereitzustellen und drittens, um die Wälder zu entsorgen.

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