10. Juli 2007 von Nick Lüthi

Das Ende lukrativer Träume

Nach genau einem Jahr wird sich die Goldbach Mediengruppe wieder von Moneycab und Swisscontent trennen. Die beiden Online-Medienunternehmen sollen von deren Management aufgekauft werden. Hitradio Z hingegen bleibt im Haus.

Das Angebot liegt auf dem Tisch. Bis Mitte Dezember wird sich der Verwaltungsrat der Goldbach Mediengruppe entschieden haben, ob er den Contentproduzenten und
-lieferanten Swisscontent an dessen CEO Fredy Hämmerli veräussert. Gleiches soll mit Moneycab geschehen; als Kaufinteressenten sind Georg Hess, IT-Verantwortlicher des Wirtschafts- und Börsenportals, und andere am verhandeln. Über die Höhe der Kaufofferten ist nichts bekannt. Am
1. November teilte die Goldbach Mediengruppe mit, dass sie sich auf die lukrative Werbezeitvermarktung konzentrieren wolle und deshalb Mehrheitsbeteiligungen an Hitradio Z und Moneycab/Swisscontent nicht mehr zwingend seien.

Externe Offerten untauglich
Für Moneycab/Swisscontent seien zwar auch externe Kaufofferten vorgelegt worden, unter anderem solche von Schweizer Medienhäusern, deren Interesse darin bestanden habe, nach einer allfälligen Übernahme das Unternehmen einzustellen, ist aus Verhandlungskreisen zu erfahren. Unter anderem deshalb habe der Goldbach-Verwaltungsrat auf die Karte Management-Buy-out gesetzt. Bis Mitte Dezember muss der Deal stehen, denn die Offerte von Hämmerli, Hess und Co. ist, wie in solchen Fällen üblich, befristet. Goldbach-Mediensprecher Paul Riesen will das bevorstehende MBO weder bestätigen noch dementieren. Nur so viel: Bis Ende Jahr sei für Moneycab/Swisscontent eine Lösung gefunden.
Gemäss Insidern hätte das MBO bereits am 29. November besiegelt werden sollen, für die MitarbeiterInnen der betroffenen Unternehmen war bereits eine Informationsveranstaltung angesetzt, die dann kurzfristig abgesagt wurde. Offensichtlich waren sich das kaufwillige Management und die Konzernleitung von Goldbach über die Konditionen des MBO noch nicht einig geworden. Klar ist hingegen, dass es sich um ein getrenntes MBO handelt: Swisscontent und Moneycab sollen je einzeln verkauft werden. Das in mühsamen und schmerzlichen Prozessen halbwegs zusammengeschmiedete Unternehmen würde dadurch – zumindest auf der Management-Ebene – wieder in seine beiden ursprünglichen Unternehmensteile zerlegt.
Zurzeit geht man davon aus, dass mit dem aktuellen Personalbestand die beiden Unternehmen rentabel weitergeführt werden können. Dies ist allerdings nur möglich dank bereits vollzogenem Stellenabbau im grösseren Stil. Seit rund einem Jahr wurde in mehreren Wellen, sowohl bei Swisscontent als auch Moneycab, mehrere Dutzend Arbeitsplätze abgebaut. Ende Oktober, also wenige Tage bevor die Suche nach Partnern oder Käufern losging, erfolgte die vorläufig letzte Kündigungswelle. Zwanzig MitarbeiterInnen wurden nach Angaben der Mediengewerkschaft Comedia freigestellt – das einstige New-Economy-Jobwunder Swisscontent wurde für das MBO “gesundgeschrumpft”. Für den Neustart per Anfang 2003 würden allerdings bereits wieder Leute gesucht, heisst es aus Verhandlungskreisen. Auch umsatzmässig muss Swisscontent derzeit unten durch. Während man im besten Jahr 20 Millionen Umsatz verbuchen konnte, wird es heuer gerade noch ein Viertel davon sein, wie die “Aargauer Zeitung” berichtet.

Hüst und hott mit Pay-Content
Und auch Moneycab ist nicht auf Rosen gebettet. Neben den Sparmassnahmen beim Personal hielt man nach neuen Einnahmequellen Ausschau. Ebenfalls zeitgleich mit dem Bekanntwerden der Veräusserungsabsichten (siehe KLARTEXT 5/02) wurden sämtliche redaktionellen und weitere Angebote der Kostenpflicht unterstellt. Fredy Hämmerli, CEO von Swisscontent/Moneycab, rechnete gar damit, mittelfristig bis zu 40 Prozent der Einnahmen von Moneycab über den Verkauf von Inhalten und Dienstleistungen zu generieren. Kaum zwei Wochen später folgte die überraschende Kehrtwende. Auf Grund von negativen LeserInnenreaktionen habe man die allgemeinen Wirtschafts- und Börsennews wieder gratis zugänglich gemacht, sagt Hämmerli. “Unsere Leser hatten das Gefühl, ihnen werde etwas weggenommen, deshalb haben wir schnell reagiert und die News wieder frei geschaltet.” Für die Kehrtwende gibt es aber noch eine andere Erklärung: Der Personalbestand bei Swisscontent/Moneycab war zum Zeitpunkt der Einführung des Pay-Channels bereits dermassen reduziert, dass an die Produktion von attraktivem und exklusivem Newscontent nicht mehr zu denken war. Derzeit hat Hämmerli aber andere Probleme als die Ausgestaltung des Pay-Content. Nach einem erfolgten MBO ist mit weiteren strategischen Anpassungen und allenfalls mit einer Neuausrichtung von Moneycab zu rechnen.

NRJ: Ein “Traumpartner” für Hitradio Z

nl./ Für Hitradio Z hat die Goldbach Mediengruppe mit dem französischen Radiokonzern NRJ, der in der Schweiz unter dem eigenen Brand in Genf und über Beteiligungen in Lausanne und im Baselland seine Ableger hat, einen “Traumpartner” geangelt. NRJ hält fortan die Hälfte des Aktienkapitals des Zürcher Lokalradios. Interessiert hatten sich viele, vor allem Medienhäuser aus der Schweiz. Und Gerüchte machten die Runde. Schawinski Roschee erwäge eine Rückkehr ins Radiobusiness – und dies ausgerechnet beim härtesten Konkurrenten “seines” Radio 24; dies wollte zumindest “Cash” seinen LeserInnen weismachen. Insgesamt zwölf Interessenten hätten sich gemeldet, erklärt Goldbach-Mediensprecher Paul Riesen gegenüber KLARTEXT. Davon seien drei in die Endausmarchung gekommen. “Ausschlaggebend war nicht in erster Linie, ob es sich um ein in- oder ausländisches Unternehmen handelte, sondern die Ausrichtung des zukünftigen Partners.” Und NRJ scheint mitzubringen, worauf Goldbach gewartet hat. NRJ sei ein Radiounternehmen, dessen “Programme ein bisher nie gekanntes Standardisierungsniveau erreichen, (sie) kommen mittlerweile mit 200 aktiven (Musik)-Titeln aus”, schreibt die Medienconsultingfirma Publicom in einer aktuellen Untersuchung über die Programmvielfalt von Privatradios. Für ein Formatradio wie Hitradio Z der ideale Partner.

10. Juli 2007 von Hans Stutz

Editorial

Der Mann spricht zwar gern und häufig von seinem Kampf gegen “Denkverbote”, doch nahe liegende Fragen mag er gelegentlich nicht beantworten. Im KLARTEXT-Interview weigerte sich “Weltwoche”-Chefredaktor Roger Köppel, zum Abgang von Autor Marcel Hänggi etwas zu sagen, obschon Hänggis Vorwürfe – veröffentlicht im “Tages-Anzeiger” – happig waren: Die “Weltwoche” sei “stark nach rechts” geschwenkt, was “ihr gutes Recht” sei, doch werde der “weltanschauliche Hintergrund der eigenen Position (…) verschleiert”.
Nun kündigt auch Vera Bueller, seit dreizehn Jahren “Weltwoche”-Autorin, kurzfristig ihren Abgang per Ende Jahr an. Auch sie begründet dies unter anderem mit Köppels Kurs: “Die ‚neue‘ ‚Weltwoche‘ praktiziert Denkverbote schon bei der Themenwahl und der Auftragsvergabe und publiziert (deshalb?) zu viele engstirnige, ja geradezu dumme Texte, zum Beispiel über den Umweltschutz, zum Beispiel über die Schweizer Politik, zum Beispiel über die Stimmung im Land.” Das Resultat sei ernüchternd: “Der Versuch, die ‚Weltwoche‘ als Antithese zum journalistischen und Meinungs-Mainstream zu positionieren, macht das Blatt so unoriginell wie es ‚Facts‘ in seiner Anfangsphase war und seine Themen so vorhersehbar wie eine Sonnenfinsternis oder so verspätet wie die alte Fasnacht.”
Zwar setzen sich AutorInnen ab, doch die “Weltwoche” hat mehr LeserInnen gefunden. Der Erfolg deutet darauf hin, dass auch ein Wochentitel mit rechter Schräglage kommerziell erfolgreich sein kann. So quasi nach dem Muster: Ulrich Schlüers “Schweizerzeit” für den ungehobelten nationalkonservativen Stammtisch, Köppels “Weltwoche” für die diskriminationswilligen Neoliberalen, jene, die beispielsweise den “durch Leid und Entbehrung” gestählten AsylbewerberInnen “tiefere Löhne für gleiche Arbeit” (Roger Köppel in der “Weltwoche”) zumuten wollen.
Radikal-aufklärerisch ist eine solche Botschaft nicht, eine Apologie der ungerechten Verhältnisse hingegen schon.

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