11. Juli 2007 von Klartext

Al-Jazeera, CNN und BBC in Biel

hs./ Auch dieses Jahr will das Bakom mit seinen “Partnern und Geschäftskunden” kommunizieren und lädt deshalb die ganze Kommunikationsbranche für zwei Tage zu den 2. Communication Days nach Biel. Während der erste Tag vorwiegend den ökonomischen und technischen Fragen der Telekommunikation gewidmet ist, unter anderem mit Auftritten von Jens Alder (Swisscom), Juhani Anttila (Ascom) und Solomon Trujillo (Orange), stehen am zweiten Tag zwei sehr aktuelle Medienthemen im Mittelpunkt. Bei der Diskussion über die Interpretation des Service public werden zwar noch die geladenen PolitikerInnen und Medienmanager die bekannten Positionen markieren. Für den Nachmittag kündigt das Bakom dann eine Podiumsdiskussion an zum Thema: “Die globale Information. Die Quelle der News in Krieg und Frieden”. Mit Ibrahim Helal (Chefredaktor Al-Jazeera), Nik Gowing (Hauptprogrammleiter BBC) und Chris Cramer (CNN) werden Vertreter von drei der wichtigsten Newslieferanten des Irak-Kriegs auf dem Podium diskutieren.
Die Eintrittspreise sind leider prohibitiv. Ein Zwei-Tages-Pass kostet 980, ein Tages-Pass 490 Franken. Medienschaffende können sich aber auch einfach akkreditieren lassen.

2nd Communication Days. Biel, Kongresshaus, 8./9. Mai 2003. Weitere Informationen unter www.comdays.ch.

11. Juli 2007 von Klartext

Spannend und genau

hs./ Es war Ostern 2002 und der dritte Sonntag, an dem drei Deutschschweizer Sonntagszeitungen um die Gunst der InserentInnen und LeserInnen buhlten. Der “SonntagsBlick” titelte auf der Frontseite: “Borer und die nackte Frau” und machte damit den ersten Zug im grössten Schweizer Medienskandal, der mehrere (Chef-)RedaktorInnen ihre Position und den Ringier-Verlag eine Überweisung von wahrscheinlich 1,7 Millionen Franken an Thomas Borer kostete. Wie die beiden “SonntagsZeitungs”-Autoren Oliver Zihlmann und Philippe Pfister in ihrem Buch “Der Fall Borer” deutlich machen, bleiben trotz mehreren eidesstattlichen Erklärungen und Gerichtsfällen einige Fragen offen. Eines allerdings ist klar, die Geschichte ist endgültig in die Schmuddelliga abgestiegen und hat nichts mehr mit Ringier, viel hingegen mit dem Umfeld des ehemaligen Schweizer Botschafters zu tun.
Zihlmann und Pfister beschreiben die ganze Geschichte ebenso detailliert wie spannend und – was die Quellen betrifft – meist transparent. Die Nacherzählung aus fast einjähriger Distanz ermöglicht auch das Erkennen von Zusammenhängen, insbesondere die Einsicht, wie dilettantisch Bundesrat Deiss und seine Chefbeamten sich verhalten haben. Nicht weiter untersuchen die beiden Autoren jedoch die vielen journalistischen Schaumschlägereien und Mutmassungen von Konkurrenzmedien, die sich im vergangenen Frühjahr gegen Exponenten des Ringier-Verlages richteten, insbesondere gegen Frank A. Meyer. Die Ringier-Affäre hat auch aufgezeigt, wie schnell Gerüchte und Mutmassungen von KollegInnen als Fakten in die Zeitung gebracht werden, vor allem dann, wenn es gegen einen Konkurrenzverlag oder eine missliebige Person geht.
In einem kurzen Nachwort macht der einstige “Blick”-Chefredaktor Karl Lüönd eine bedenkenswerte Einschätzung: “Boulevardzeitungen laufen unter dem Druck des Privatfernsehens und bei einem immer offener, kritischer und gescheiter werdenden Publikum Gefahr, ein Auslaufmodell zu werden.” Weniger kontrovers wohl eine weitere Lüöndsche These: Medien würden in “gesättigen und ‚reifen‘ Märkten” operieren und ein verschärfter Wettbewerb auf allen Stufen (ver-)führe zu “Fehlleistungen”. Selbstverständlich kann es sich der heutige Leiter des Medieninstituts des Verbands Schweizer Presse nicht verkneifen, noch zwei Seitenhiebe gegen das in der parlamentarischen Diskussion steckende RTVG (“zementiert die eigentlich wettbewerbswidrige Vormachtstellung der SRG”) und den vorgeschlagenen Medienartikel auszuteilen. Die Leistungsaufträge des Medienartikels würden “von der Mehrheit der Verleger und Journalisten als bedrohlicher Eingriff in die Pressefreiheit beargwöhnt”. Allerdings verliert er kein Wort darüber, wie die offensichtlich bedrohte Pressevielfalt einigermassen gewährleistet werden könnte.

Oliver Zihlmann, Philippe Pfister. “Der Fall Borer. Fakten und Hintergründe eines Medienskandals.” Werd Verlag, 2003.

Aktuelles Heft:

 

EDITO
Ausgabe: 5 | 2018

  • Schaffhausen für Öffentlichkeitsprinzip
  • Fragen im “Opferzeitalter”
  • Umweltskandale in Chile
  • Regionaler Online-Journalismus
  • Ist vor “No Billag” nach “No Billag”?
  • Bilder von Flurina Rothenberger
  • und anderes mehr