11. Juli 2007 von Klartext

Übersetzerin

nl./ Es gibt Zitate von epochalem Gehalt, die einfach in einen Artikel müssen. Insbesondere dann, wenn das beschriebene Ereignis von welthistorischer Bedeutung ist. Wie etwa die Attentate auf das World Trade Center in New York. Es ist deshalb keiner Journalistin zu verübeln, wenn sie im Gleichklang mit unzähligen anderen Medienerzeugnissen Sätze wie den folgenden veröffentlicht haben will: “Wir müssen wissen, ob wir hier raus sollen, denn es hat eine Explosion gegeben.” Das Zitat entstammt den Ende August gerichtlich freigegebenen Abschriften von Notrufen aus den attackierten Türmen. In seiner deutschen Übersetzung hat der Satz in einen Artikel der US-Korrespondentin des Berner “Bund” Eingang gefunden. Interessant dabei ist, dass die Journalistin die gleiche Entscheidung trifft, wie die Zeitung “USA Today”. Beide eröffnen ihre Texte mit diesen dramatischen Worten. Offensichtlicher ist die Inspiration durch “USA Today” bei folgender Konklusion der “Bund”-Journalistin: “Der Fehlentscheid, den Südturm nicht augenblicklich zu evakuieren, ist eine der grossen Tragödien dieses Tages.” In seiner englischen Fassung steht der Satz noch heute auf der “USA Today”-Website zu lesen – und zwar nur dort. Hat sich die Korrespondentin etwa mehr als nur inspirieren lassen? Es ist nun beileibe nicht so, dass sie nicht ordentlich mit Zitaten umzugehen wüsste. Die renommierte “Washington Post” wird im “Bund”-Artikel als Quelle erwähnt.

11. Juli 2007 von Klartext

Einfach durchhören

bbü./ Alles wird gut – und wilder. Das jedenfalls hoffen DRS-3-HörerInnen, seit der Sender nicht mehr in erster Linie “durchhörbar” sein soll. Doch nix da. Das wurde klar, als unlängst in der Morgensendung angekündigt wurde, DRS 3 werde Ende Oktober fünf Tage lang die Wunschmusik seiner HörerInnen spielen: Quasi als Test durfte sich eine Anruferin ein Stück wünschen; sie wollte “One” von Metallica. Worauf Moderator Sven Epinay hörbar schluckte, etwas von “Metallica am heiligen Morgen” murmelte und schliesslich bekannt gab, “One” habe man nicht finden können. So spielte DRS 3 an diesem Dienstagmorgen nicht das düster-wilde “One”, in dem sich ein verstümmelter Soldat den Tod wünscht, sondern die Metallica-Liebesschnulze “Nothing else matters”. Wer noch im Bett lag, konnte sich umdrehen. Und einfach durchhören.

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