11. Juli 2007 von Klartext

Karrieren

hs./ “Plädoyer”, das Magazin für Recht und Politik, feierte vor kurzem sein 20-jähriges Bestehen und so ist es Zeit, eine eklatante Fehleinschätzung zu widerrufen. Nach der ersten Nummer hatte KLARTEXT nämlich über die Zeitschrift der Demokratischen Juristinnen und Juristen der Schweiz (DJS) geschrieben: “Mit billigem Composer-Satz, mit schräg in einzelne Bilder montierten Namenzeilen, mit einem wilden Durcheinander aus halbfetter, normaler und kursiver Schrift und merkwürdigen Rubrik-Titeln sind ausserhalb des linken Juristen-Verbands kaum Leser zu gewinnen.” (KLARTEXT 1/1983)
Es kam anders: “Plädoyer” hat heute eine Auflage, die grösser ist als die anderer juristischer Fachblätter, auch hat die Zeitschrift LeserInnen weit über den Kreis linker und grüner JuristInnen hinaus. In ihrer Jubiläumsnummer lüftet “Plädoyer” übrigens noch ein kleines Geheimnis: “Der im Impressum als Mitverantwortlicher für das Plädoyer-Layout aufgeführte ‚Hannes B.‘ hiess mit vollem Namen Hannes Britschgi.” Der damalige Berner Jus-Student hat inzwischen ebenfalls Karriere gemacht: Vom Mit-Layouter zum “Facts”-Chefredaktor – die unzimperliche KLARTEXT-Kritik hat also auch seiner Karriere keinen Anfangsknick beschert.

11. Juli 2007 von Klartext

Ringier gestoppt

kr./ Die ungarische Wettbewerbskommission (WEKO) hat Ringier Ende September untersagt, die absolute Mehrheit der bedeutendsten politischen Tageszeitung Ungarns, “Népszabadság”, zu erwerben. Sie begründete ihren Entscheid damit, dass Ringier mit dieser Übernahme eine marktbeherrschende Stellung im Printbereich einnehmen würde, was gemäss ungarischem Medienrecht unzulässig sei. Bei Ringier herrscht Konsternation.
Aber schön der Reihe nach: Im November 2001 erwarb der Ringier-Konzern 49,9 Prozent der Anteile der Népszabadság AG von der deutschen Bertelsmann-Gruppe. Bertelsmann hatte sich zum Verkauf entschlossen, da die WEKO damals der Bertelsmann-Gruppe vorwarf, mit “Népszabadság” und dem Besitz des Fernsehsenders RTL-Klub eine medienpolitisch marktbeherrschende Position in Ungarn einzunehmen. Im März dieses Jahres gab Ringier nun bekannt, weitere 17,7 Prozent der “Népszabadság”-Aktien von Gruner und Jahr erwerben zu wollen und somit die absolute Mehrheit über “Népszabadság” zu übernehmen. Dieser Entscheid löste bei der Belegschaft einige Besorgnis aus. Besuche aus der Schweiz konnten diese Besorgnis auch nicht zerstreuen. Insbesonders fürchten die ZeitungsmacherInnen eine “Boulevardisierung” ihres Blattes. Immerhin ist “Népszabadság” bereits ein neues Layout mit Farbdruck verpasst worden, und dies ist dem Blatt durchaus gut bekommen. Die Ankündigung Michael Ringiers dagegen, ein neues Mediengebäude, unter dessen Dach alle Ringier-Produkte in Ungarn untergebracht werden sollen, sowie ein neues Druckzentrum erstellen zu wollen, löste eher Kopfschütteln als Wohlwollen aus. “Das sind nicht die Investitionen, die wir benötigen”, erklärte der Betriebsratsvorsitzende gegenüber KLARTEXT. Durch den WEKO-Entscheid sind nun diese Pläne für Ringier wohl in weite Ferne gerückt. Ringier-Konzernsprecherin Eva Keller erklärte gegenüber KLARTEXT, man wolle alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um doch noch zu den begehrten Aktien zu kommen. Zur Frage, was geschieht, wenn der WEKO-Entscheid nicht gekippt werden sollte, mochte sie sich nicht äussern.

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