11. Juli 2007 von Klartext

Verlegerwechsel bei KLARTEXT

Hans-Jürg Fehr, Verlagsleiter des Schweizer Medienmagazins KLARTEXT, übergibt auf Ende Jahr seine Aufgabe an Bernhard Ott, Historiker, Journalist und Verlagsleiter der “Schaffhauser AZ”.
Hans-Jürg Fehr kam im Sommer 1996 zu KLARTEXT. Die finanzielle Lage des Verlags war damals alles andere als rosig. Dank dem grossen Engagement von Hans-Jürg Fehr und unserem langjährigen Leiter Anzeigen, Hannes WieLand, konnte der Verlag wirtschaftlich wieder auf gesunde Beine gestellt werden. Die umsichtige Verlagsarbeit ermöglichte KLARTEXT schliesslich Ende 2001 den lang ersehnten Relaunch.
Während den sieben Jahren der Zusammenarbeit spürten Redaktion und Stiftungsrat, dass Hans-Jürg Fehrs Herz immer stärker für die Politik schlug. Seine Ämter als Schaffhauser Kantonsrat, Nationalrat und Vizepräsident der SP Schweiz verlangten und verlangen viel Einsatz. Wir respektieren seinen Rücktrittswunsch und danken ihm von ganzem Herzen für seine erfolgreiche KLARTEXT-Tätigkeit.
Die Verlagsgeschäfte übernimmt der erfahrene Medienmann Bernhard Ott, 52, aus Schaffhausen. Er studierte Geschichte und englische Literatur in Zürich, arbeitete als Journalist und verfasste mehrere lokalhistorische Bücher. Von 1986 bis 1996 war er Geschäftsführer der Unionsdruckerei AG und Verlagsleiter der “Schaffhauser AZ”. Dann machte er eine vierjährige Pause vom Mediengeschäft, um sich als Mitautor ganz der neuen Schaffhauser Kantonsgeschichte zu widmen. Seit 2000 leitet Bernhard Ott wieder den AZ-Verlag und ist jetzt neu auch KLARTEXT-Verleger. Redaktion und Stiftungsrat heissen Bernhard Ott herzlich willkommen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!

Marianne Erdin Garbagnati,
Präsidentin Stiftungsrat KLARTEXT

11. Juli 2007 von Nick Lüthi

Nur kosten darf es nichts

“Bund” und “Berner Zeitung” haben das gemeinsame Ausgehmagazin aus Spargründen eingestellt. Aus dem Kulturbudget der Stadt soll nun ein Kulturblatt mitfinanziert werden.

Bereits im kommenden Frühling soll in Bern ein 14-tägliches Ausgehmagazin erscheinen, zumindest, wenn es nach dem Willen von Christoph Reichenau geht. Seit Ende Juni verhandelt der ehemalige BAK-Vizedirektor und neue Kultursekretär der Stadt Bern mit rund 25 Kulturinstitutionen und weiteren Interessierten über ein Nachfolgeprodukt für den im vergangenen April aus Spargründen eingestellten “Ansager”. Bis dahin hatten der Bund Verlag und die Espace Media Group arbeitsteilig die Wochenbeilage herausgegeben und ihren Zeitungen beigelegt. Davor führten die beiden Medienhäuser mit der “Berner Woche” und “Nonstopp” je eine eigene wöchentliche Kulturbeilage. Wer heute über kulturelle Veranstaltungen in Bern und Umgebung informiert sein will, kann dies nur noch mit einem gewissen Aufwand und unter Beizug verschiedener Quellen tun.

Kostenneutrales Experiment
Rund 3 Millionen Franken betrug das Jahresbudget der eingestellten Wochenbeilage der beiden Zeitungsverlage. Die Abteilung für Kulturelles der Stadt Bern kann allerdings höchstens 150’000 Franken locker machen. Diesen Betrag muss sie bei anderen Projekten abzwacken. “Das Ganze muss kostenneutral bleiben”, betont Kultursekretär Reichenau. Dass keine weiteren Gelder aus der Stadtkasse zu holen sind, gab unlängst auch der Berner Gemeinderat zu verstehen. In seiner Antwort auf ein Postulat der SP-Juso-Stadtratsfraktion hielt der Gemeinderat zwar fest, es sei “unhaltbar”, dass Bern als einzige grosse Schweizer Stadt über kein wöchentliches Veranstaltungsmagazin verfüge. Finanziell könne sich die Stadt an einem neuen Projekt aber nicht beteiligen.
Am 25. November hat sich die Projektgruppe Kulturblatt geeinigt. Sie wird ein 14-tägliches Ausgehmagazin konzipieren lassen. Auf der Wunschliste aller Beteiligten stand zwar ein wöchentliches Kulturblatt. Um ein solches erfolgreich unter die Leute zu bringen, wäre als Distributionsmodell nur die Beilage zu einer Tageszeitung infrage gekommen. Espace Media Group wurde zwar angefragt, aber ohne Erfolg. Im Moment habe man kein Interesse, hiess es. Nun sind fünf Verlage, die Reichenau noch nicht nennen will, eingeladen worden, der künftigen Trägerschaft bis Ende Jahr Offerten zu unterbreiten.

Sozialisierung des Aufwandes
Christoph Reichenau ist sich bewusst, dass mit dem Einsatz von Geldern der öffentlichen Hand ein problematisches Signal ausgesandt wird: Was die Verlage aus Spargründen herunterfahren, wird mit Staatsgeldern wieder auf die Beine gestellt. Reichenau sieht die Angelegenheit aus einem anderen Blickwinkel. “Die Mitfinanzierung des geplanten Ausgehmagazins sehe ich als eine mögliche Form der Kulturförderung.” Schliesslich habe die Stadt ein Interesse daran, dass auf die von ihr geförderten Projekte hingewiesen werde. “Wenn die Verlage die Chance nicht packen wollen, einzig mit der Übernahme der Distributionskosten ihre Zeitungen mit einer Kulturbeilage zu bereichern, dann weiss ich halt auch nicht mehr weiter.”
Aufgrund der beschränkten Ressourcen wird von den Berner Kulturinstitutionen ein aktiver Beitrag erwartet, um das Veranstaltungsmagazin erfolgreich zum Fliegen zu bringen. Vorstellbar ist in diesem Zusammenhang der Verzicht auf die eigenen Publikationen, um so Gelder für das gemeinsame Projekt freizuschaufeln. Bislang hat noch kein Veranstalter Bereitschaft in diese Richtung signalisiert. Was auch verständlich ist. Bevor klar ist, ob und was dereinst als Ersatz für die Hauspublikation entstehen wird, kann kaum damit gerechnet werden, dass auf ein erfolgreich eingeführtes Werbeinstrument verzichtet wird.
Eine weitere Möglichkeit, wie Bern quasi über Nacht zu seinem Ausgehmagazin kommen könnte, hat der Journalist und Satiriker Heinz Däpp unlängst am Berner Medientag kurz und bündig skizziert: der “Bund” als Kulturbeilage der “Berner Zeitung”.

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