11. Juli 2007 von Klartext

“Die Weltwoche” – reduced to the max

bbü./ Mit Sondernummern und allerlei Festivitäten hat die “Weltwoche” ihren
70. Geburtstag gefeiert. Auf der Redaktion gibt es offenbar weniger zu feiern – reihenweise verlassen die Leute ihren Chefredaktor Roger Köppel und heuern anderswo an. Und das hat System. Vergleicht man das jetzige Impressum mit demjenigen von Ende Februar dieses Jahres, sind nicht nur einige Namen verschwunden und einige neu aufgetaucht, sondern die absolute Zahl der RedaktorInnen (redaktionelle MitarbeiterInnen und Produktion nicht mitgezählt), ist deutlich geschrumpft: von – Chefredaktion inbegriffen – 37 auf 31 Personen. Rechnet man die neueren und neuesten Kündigungen und Rückzüge (acht) sowie die angekündigten Neuzugänge (zwei) dazu, besteht die Redaktion noch aus 25 Personen. Nur weg, scheint die Devise bei der “Weltwoche” zu lauten – doch vielleicht ist das alles wohl kalkuliert: Am Schluss gibts eine kleine, treu-ergebene Redaktion; was man nicht selber machen kann, kauft man von ausserhalb ein. Und zur Not und Platzfüllung wird sich, nach Christoph Mörgeli, aus den Reihen der SVP sicher noch der eine oder die andere KolumnistIn finden.

11. Juli 2007 von Klartext

Pas assez sexy?

hb./ Hat Martin Werfeli den Mund zu voll genommen? Die Zeitung “Le Temps” sei finanziell geschwächt, also müsse sie sich ändern, liess sich der Ringier-CEO in der Genfer “La Tribune” zitieren. Schwache Pressetitel würden vom Markt verschwinden – was eine allgemeine Regel sei und nicht bedeute, dass “Le Temps” bedroht sei.
Die Aussage aus dem mächtigen Zürcher Medienhaus, das soeben mit dem Segen der Wettbewerbskommission in das Aktienkapital von “Le Temps” eingestiegen ist, löste in der betroffenen Redaktion Bestürzung aus. Sie fürchtet, der Boulevardmagnat könnte dem für die Ringier-Palette allzu intellektuellen Blatt einen “sexy touch” geben wollen, um die Auflage zu steigern. Die Aufregung sei gross, kann man aus der Redaktion vernehmen. Verwaltungsratspräsident Stéphane Garelli und Chefredaktor Jean-Jacques Roth hätten die MitarbeiterInnen beruhigen müssen: Werfeli habe leichtfertig dahin gesprochen, an der redaktionellen Linie von “Le Temps” werde sich nichts ändern.
Auf die Insider-Aussagen angesprochen, bestätigt Garelli: Werfeli habe zwei allgemeine Kommentare gemacht, zum einen, dass “Le Temps” sich verändern müsse, zum andern, dass Zeitungen, die kein Geld bringen, vom Markt verschwinden. “Beide Aussagen sind korrekt, wir haben kein Problem mit ihnen”, unterstreicht Garelli. Er präzisiert allerdings: “Veränderungen bedeuten nicht unbedingt Änderungen der redaktionellen Linie oder beim Personal: Es geht vor allem um eine Steigerung der Effizienz der Zeitung.” Eine “drastische Profiländerung” stehe nicht auf der Tagesordnung, nur kontinuierliche Verbesserungen, an denen die Direktion arbeite.
Damit dürften die Sorgen der MitarbeiterInnen nicht vollends zerstreut sein. Denn bei “Le Temps” steht zwischen Frühling und Sommer 2004 die Umsetzung des “Plan Tapioca” an. Edipresse sei daran, – so die Aussagen von InsiderInnen – für seine Zeitungen ein neues Informatiksystem einzuführen, mit dem der Fluss der Informationen rationalisiert werden könne. Das beinhalte auch eine Neudefinierung der Arbeitsplätze, bis hin zum Bildschirmlayout für die RedaktorInnen. Man habe ihnen zwar versprochen, dass der Einstieg Ringiers bei “Le Temps” keine Auswirkungen auf die Stellenzahl habe, doch möglicherweise würden die Stellenkürzungen nach der technologischen Anpassung durchgezogen.
Seltsamerweise will Garelli nichts von einem “Plan Tapioca” wissen und versichert, es seien keine Entlassungen geplant, wenn das Budget 2004 – “ein im Bereich der Werbeeinnahmen sehr vorsichtiges Budget” – eingehalten werde.

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