11. Juli 2007 von Klartext

Verleger ignorieren “20 Minuten”

bbü./ Mitte September werden sich die Mitglieder des Verbands Schweizer Presse zu ihrem Jahreskongress treffen. Die Verleger werden unter anderem einem Referat des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder lauschen dürfen – stilvoll im Lausanner Kongresshotel Beau-Rivage Palace.
Weniger Stilvolles hingegen entdeckt die aufmerksame Leserin im Heft “FLASHextra”, das der Verlegerverband wie jedes Jahr im Hinblick auf den Kongress herausgibt. Das Hochglanzprodukt publiziert unter anderem die Auflagezahlen der “15 grössten Tageszeitungen 2003”. Auf Platz eins findet sich der “Blick”, Platz zwei erringt der “Tages-Anzeiger”, Platz drei besetzt die “Mittelland Zeitung”. Und wo ist “20 Minuten”, fragt sich die Leserin? Schliesslich hat das Pendlerblatt – ob man es nun liebt oder nicht – den “Blick” punkto Auflage überholt. Gut, sagt sich die Leserin, vielleicht wird es nicht unter “Tageszeitungen” aufgeführt, weil es nur fünfmal wöchentlich erscheint. Doch auch eine Rubrik weiter hinten, unter “Auflagenentwicklung der 15 grössten Zeitungen 1983 bis 2003”, erscheint “20 Minuten” nicht, obwohl sich dort etwa mit “SonntagsZeitung” und “NZZ am Sonntag” Blätter finden, die noch seltener erscheinen. Es ist den Zeitungsverlegern zwar nicht zu verdenken, dass sie sich über die Gratis-Konkurrenz ärgern. Doch wie wir schon in Kindertagen gelernt haben: Was uns Angst macht, verschwindet nicht einfach, nur weil wir uns die Augen zuhalten.

11. Juli 2007 von Klartext

Lebenszeichen von DVB und DAB

nil./ Die Leidensgeschichte dauert an. Mit der Digitalisierung von Radio und Fernsehen tut sich die SRG SSR idée suisse weiterhin schwer. Darüber kann auch die positive Einjahresbilanz zur Einführung von Digitalfernsehen DVB-T im Tessin nicht hinwegtäuschen. Während in Ländern wie Schweden oder Grossbritannien der flimmerfreie Empfang Dutzender von Sendern über die Hausantenne längst Realität ist, hinkt die Schweiz hinterher.
Das sei Strategie, heisst es bei der SRG. Ein kleines Land könne nicht vorpreschen, die Standards würden andernorts gesetzt. Nur: Noch vor zwei Jahren liess das Bakom verlauten, dass das neue Sendernetz “so rasch als möglich” realisiert werden solle. Bis Ende 2004 war nach dem Tessin die Versorgung der Romandie und des Mittellands mit DVB-T-Signalen vorgesehen. Vor einem Jahr wurde zurückbuchstabiert: Nur noch die Romandie figurierte im Fahrplan. Inzwischen kommuniziert die SRG gar keine Termine mehr.
Gar totaler Stillstand herrscht beim digitalen Radio DAB. Zwar ist seit 1999 das gesamte Mittelland von Genf bis Romanshorn mit dem Radiostandard der Zukunft erschlossen, doch hören will es keiner. Eine beliebte Erklärung der SRG für den unbefriedigenden Zustand ist der Mangel an preisgünstigen Empfangsgeräten. In der Tat: Bis vor kurzem musste 500 Franken und mehr hinblättern, wer ein DAB-Radio erwerben wollte. Damit ist nun Schluss. Im Elektronik-Versandhandel ist inzwischen ein portables Digitalradio für billige 280 Franken erhältlich. Ob dieses Schnäppchen einen DAB-Boom auslösen wird, ist allerdings zu bezweifeln.

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