11. Juli 2007 von Hans Stutz

Editorial

Die SRG will ab 2008 keine Formel-1-Rennen mehr direkt übertragen. Das hat SRG-Generaldirektor Armin Walpen Ende Januar angekündigt. Auch der geplante Kinderkanal soll (vorläufig?) nicht kommen und das Projekt TSI Italia wird gar ganz aufgegeben. Die SRG-Spitze reagierte mit diesen und einigen weiteren Massnahmen überraschend schnell auf den bundesrätlichen Entscheid, die Radio- und Fernsehgebühren nur um 2,5 Prozent, und nicht wie gefordert um 6,5 Prozent, zu erhöhen.
Wie viel durch den Verzicht auf die Formel-1-Übertragungen eingespart wird, kommunizierte die SRG nicht. Mit dem Vertragspartner sei Vertraulichkeit vereinbart worden. Aber der Aufschrei in den Medien war fast so laut wie der Start eines Formel-1-Rennens. In der „NZZ am Sonntag“ behauptete Stephan Ramming, Walpen reagiere wie ein „trotziger Dorfpolitiker, der vom Kanton weniger Subventionen bekommt“. Und in der „SonntagsZeitung“ meinte Markus Gisler gar, in den letzten fünf Jahren seien Zeitungsredaktionen und Verlage gezwungen gewesen, ihre Kosten massiv zu senken, „bei der SRG hingegen sind Sparübungen, wie sie in der Wirtschaft üblich sind, unbekannt“. Der Wirtschaftsexperte übersieht damit neoliberal gönnerhaft, dass die SRG bereits im Juli 2005 ein Sparprogramm von rund 45 Millionen Franken jährlich beschlossen hat.
Gisler tönt aber auch gleich an, welche Auseinandersetzungen der SRG nächstens ins Haus stehen. Im kommenden Jahr müsse die SRG-Konzession erneuert und die Werbeverordnung revidiert werden. Dabei sei Widerstand im Parlament „gewiss“. Und er regt in diesem Zusammenhang an, „ernsthaft über Formen der Privatisierung der SRG“ nachzudenken. Was Gisler und andere Propagandisten der seichten Privatsender übersehen: Die SRG hat immer noch bei weitem die beste ZuschauerInnen- bzw. HörerInnen-Beachtung und ist – wegen dem erbrachten Service public – politisch bestens abgestützt.
Apropos Radio- und Fernsehgebühren: Qualität kostet, die SRG liefert sie, zumindest viel häufiger als die Privaten.

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