11. Juli 2007 von Bettina Büsser

Der Monopolbrecher

Stefan Bühler gibt in Graubünden neu einen Gratisanzeiger heraus und bewegt damit im „Lebrument-Land“ einiges.

Casanova Druck und Verlag AG, Rossboden, Chur. Firmeninhaber Stefan Bühler führt durch den 2004 bezogenen vierstöckigen Neubau – Kostenpunkt: 7 Mio. Franken –, zeigt mit Stolz die Druckerei, zeigt Druckvorstufe, Ausrüsterei, Spedition, Buchbinderei, die Büros, das auf vier Stöcken verteilte Buchlager, die Buchausstellung, das Rechenzentrum. Er habe, erzählt der 58-jährige Bühler, die Detail-Pläne für den Neubau selber gezeichnet: „Ich weiss ja am besten, was es braucht, wie ich es will.“
1997 hat er die Firma übernommen, damals „eine reine Kundendruckerei mit 19 Mitarbeitern“. Heute zähle das Unternehmen, übrigens ein GAV-Betrieb, 50 MitarbeiterInnen. Es umfasst neben der Druckerei unter anderem zwei Buchverlage, den „Bündner Buchvertrieb“ und gibt eine ganze Reihe von Publikationen heraus. „Aber wir sind ein kleiner Player“, betont Bühler.
Das jüngste Produkt des „kleinen Players“ hat über die Kantonsgrenzen hinaus zu reden gegeben. Denn die Gratis-Wochenzeitung „Bündner Anzeiger“, die seit letztem Dezember in einer Auflage von 80’000 Exemplaren in alle Haushalte Nordbündens verteilt wird, erscheint im Zentrum von „Lebrument-Land“, in einer Region, in der fast alle Medien zum „Südostschweiz“-Verbund gehören.
Die erste Ausgabe des „Bündner Anzeigers“ erschien denn auch mit einer Kampfansage an das „Südostschweiz“-Monopol: „Der ‚Bündner Anzeiger‘ tritt an, damit der vielfältigste Kanton der Schweiz auch seine medienpolitische Vielfalt zurückbekommt. Monopole verleiten bekanntlich zu Willkür, Zensur und Preisdiktat. Konkurrenz kann das verhindern. (…) Die Anzeigenkunden in Graubünden sollen überdies wieder faire Preise und guten Service erhalten“, schrieb Bühler in seinem ersten Editorial.
Die Wege von Stefan Bühler und Hanspeter Lebrument haben sich 1998 definitiv getrennt – nach 25 Jahren intensiver Zusammenarbeit. Beide gelernte Lehrer, Bühler dazu mit einem nicht abgeschlossenen Geschichtsstudium, traten sie Anfang der siebziger Jahre in die Redaktion der „Bündner Zeitung“ (heute „Südostschweiz Graubünden“) ein, „ich etwa drei, vier Monate vor Lebrument“, wie Bühler präzisiert.

Bühler und „er“
„Am Anfang war es eine Parteizeitung, wir waren die Jungen, Aufmüpfigen, die das ändern wollten“, sagt er und lacht. Im Gespräch erwähnt er den Namen Lebrument nur selten, nennt diesen meistens „er“. „Er“ war zuerst Chefredaktor, zehn Jahre lang, dann war es Bühler, ebenfalls für zehn Jahre, „mit allen Fasern, da wurde nie eine Zeitung gedruckt, ohne dass ich beim Andruck dabei war“. Er habe Bühler als Chef sehr geschätzt, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter, weil dieser hinter der Redaktion, hinter seinen Leuten gestanden habe. Dann – das Unternehmen war inzwischen ziemlich gewachsen – wurde Bühler Direktor sowie publizistischer und technischer Leiter und Mitglied des Verwaltungsrates. „Er“, Lebrument, war Delegierter des Verwaltungsrates.
Nein, sagt Bühler, das Gemunkel von Branchenleuten, ein Konflikt mit Lebrument habe 1997 zu seinem Ausscheiden aus der Firma geführt, stimme nicht. Er habe sich einfach seine Perspektiven überlegt und sie auch mit Lebrument besprochen. Bis zur Pensionierung zu bleiben, hätte 40 Jahre im gleichen Unternehmen bedeutet. Hätte Lebrument dann mit 65 Jahren die Unternehmensleitung abgegeben, wäre Bühler 58 gewesen, „in dem Alter hätte ich den Konzern nicht mehr übernehmen wollen“.
Also kaufte Bühler die Firma Casanova. Lebrument habe ihm das nicht übel genommen, sagt Bühler, habe ihn sogar aufgefordert, weiter im „Südostschweiz“-Verwaltungsrat zu bleiben: „Da war kein Konflikt. Ich habe auch die Buchverlage übernommen, die er nicht mehr wollte. Es ging ein Jahr lang gut – bis ich die Zeitschrift ‚Churer Magazin‘ lanciert habe. Seither ist der Zapfen ab, ist er sauer, weil ich verlegerisch tätig geworden bin. Er hat sich wahrscheinlich nicht vorstellen können, dass aus der Druckerei Konkurrenz erwächst.“

Ein spezielles Konkurrenzverhältnis
Mit dem „Bündner Anzeiger“ hat sich die Konkurrenz noch verstärkt, schliesslich gibt Lebrument die Gratiszeitung „Bündner Woche“ heraus. Bühler erzählt – mit offensichtlichem Vergnügen –, wie Lebrument auf die Ankündigung reagiert habe, der „Bündner Anzeiger“ werde in einer Auflage von 70’000 am Dienstag erscheinen. „Er“, Lebrument, habe die Auflage der „Bündner Woche“ von 30’000 sofort auf 75’000 Exemplare hinaufgesetzt und den Erscheinungstag auf den Dienstag vorverlegt: „Aber ich kenne ihn natürlich. Deshalb hatte ich schon vorher, im Vertrag mit der Post, eine Auflage von 80’000 Exemplaren und den Mittwoch als Verteiltag festgelegt. So habe ich das auch gemacht. Worauf er nach zwei Ausgaben wieder auf den Mittwoch als Erscheinungstag umgestellt hat.“
Bühler weiss eine Reihe von Geschichten über dieses besondere Konkurrenzverhältnis zu erzählen – mit besonderem Spass natürlich diejenigen, in denen er erfolgreich war. So habe Lebrument die Buchverlage, die Bühler von der „Südostschweiz“ übernommen hatte, zurückgefordert, als sie sich als erfolgreich erwiesen hätten: „Er wollte sogar eine gerichtliche Auseinandersetzung, gegen den Rat seines eigenen Anwaltes, musste dann aber einen Vergleich unterzeichnen. Der Vertrag, den wir abgeschlossen hatten, war niet- und nagelfest“, erzählt Bühler, und, lachend: „Er hat ihn ja schliesslich auch selber geschrieben!“
Erfreut ist Bühler auch über das Feedback, das er seit dem Erscheinen des „Bündner Anzeigers“ erhält – es hat viel mit der Mediensituation in Graubünden zu tun: 300 Mails und Leserbriefe habe er erhalten, „davon beziehen sich 90 Prozent auf die Situation mit der ‚Südostschweiz‘, einer hat sogar geschrieben, er habe sein ‚Südostschweiz‘-Abo gekündigt, weil es ja jetzt den ‚Bündner Anzeiger‘ gebe.“ Zwar glaubt Bühler nicht daran, dass sich Leserinnen und Leser allzu viele Gedanken über die Monopolsituation machten, doch gerade im Moment sei die Wut auf die „Südostschweiz“ gross, da das Abo 40 Franken teurer geworden sei – der Sonntagsausgabe wegen, die man aber nicht abbestellen könne.
Diese Preiserhöhung, aber auch das „Monopolverhalten“ der „Südostschweiz“-Gruppe sei, erzählt Bühler, sogar bei den Rotariern ein Thema: „Ich habe kürzlich dort referiert, bei den 80 Exponenten von Wirtschaft und Politik hat es geradezu gekocht beim Thema ‚Südostschweiz‘. Sie haben mich gefragt, was man tun könne, damit ich eine Tageszeitung herausgebe.“ Ja, Bühler kann sich eine neue Tageszeitung durchaus vorstellen; er hat eine entsprechende Idee: „In den Grossagglomerationen gibt es Pendlerzeitungen. Wir haben keine Pendler, aber Touristen. Es lohnt sich, darüber nachzudenken.“

Goodwill für den Monopolbrecher
Doch vorerst geht es darum, dass der „Bündner Anzeiger“ überlebt. Man dürfe die Anfangsreaktion – viel Lob für den Monopolbrecher – nicht zu ernst nehmen. Auch wenn er auch von den Anzeigenkunden „viel Goodwill“ erlebe, weil viele „einfach sauer über das Monopolgebaren sind“, schliesslich müsse sich seine Zeitung am Markt behaupten. Das will Bühler mit „Primeurs und exklusiven Geschichten“ erreichen.
Diese Primeurs hat er, gut vernetzt im Kanton und deshalb gut informiert, bisher liefern können; der „Bündner Anzeiger“ berichtete als erster darüber, dass dem EHC Chur die liquiden Mittel ausgegangen sind und deckte einen grösseren Baukonflikt in Landquart auf. Ansonsten enthält seine Gratis-Wochenzeitung Reportagen, Kolumnen und Kulturseiten, auf denen Bücher und Autoren der Casanova-Verlage gut vertreten sind, Sport, Rätsel, Comics, Beratung, eine ausführliche Agenda, eine Party-Seite mit „tilllate“-Bildern – und natürlich PR, Publireportagen und „Public Relations“-Texte von Inserenten. Auch solche Texte schreibt Bühler momentan, wie er überhaupt den grössten Teil seiner Zeitung selbst bestreitet. Künftig soll die Zeitung mit zwei Redaktoren und einem Freienbudget von rund 3000 Franken pro Ausgabe bestritten werden. Der neue Redaktor, Peter de Jong, ist bereits gefunden. „Ich habe ihn der ‚Südostschweiz‘ abgeworben“, sagt Bühler und lacht.
Und was meint „Südostschweiz“-Verleger Hanspeter Lebrument zum „Bündner Anzeiger“ und dessen Herausgeber? Er findet es „gut“, dass wieder jemand etwas versuche, nachdem jahrelang die Verleger in der Region aufgegeben hätten: „Wettbewerb ist immer gut. Stefan Bühler war ein guter Berufskollege von mir, er war auf jeder Stufe mein Stellvertreter.“

11. Juli 2007 von Nick Lüthi

Auf dem Stolperpfad zum Medienrat

So nah an einer Beteiligung am Schweizer Presserat waren die Verleger noch nie. Trotz allseits optimistischen Bekundungen ist es aber noch ein weiter Weg bis zu einer Strukturänderung des Selbstkontrollorgans der Medienbranche.

Schon in einem Jahr könnte der Grundstein gelegt sein für einen Schweizer Medienrat, der die Nachfolge des heutigen Presserats antreten würde. An diesem Organ der medienethischen Selbstkontrolle wären neu auch die Verleger und die SRG beteiligt. Seit Mitte Oktober 2006 verhandelt die bisherige Trägerschaft des Presserats mit Vertretern des Verbands Schweizer Presse um eine Aufnahme in die Trägerschaft. Eine Mehrheit der Träger des Presserats hatte es bis im vergangenen Frühjahr stets abgelehnt, in dieser Sache mit den Arbeitgebern zu verhandeln. Die SRG nimmt an den Gesprächen nicht teil, da sie ihr Engagement von einer Einigung zwischen Verlegern und Presserat abhängig macht.

Streitpunkt GAV
Unterschiedliche Interessen vertreten die Delegation der Verleger und die Vertreter der Berufsverbände insbesondere bei der Diskussion um die „Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten“. In diesem berufsethischen Kodex steht unter anderem festgehalten, dass die Medienschaffenden Anspruch „auf eine klare Regelung der Arbeitsbedingungen durch einen Kollektivvertrag“ haben. Mit anderen Worten: Anspruch auf einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Ein solcher existiert derzeit für die Deutschschweizer Medienbranche nicht mehr. Die Berufsverbände Impressum und Comedia haben ihre ablehnende Haltung gegenüber Verhandlungen mit den Verlegern über eine Aufnahme in die Trägerschaft des Presserats nicht zuletzt deshalb aufgegeben, weil sie sich – quasi als Gegenleistung – ein Entgegenkommen der Arbeitgeber in Sachen GAV erhofften.
Ob sich im Laufe der aktuellen Verhandlungen die sozialpartnerschaftlichen Punkte, wie sie im Ethik-Kodex des Presserats festgehalten sind, so auslegen lassen, dass alle Seiten damit leben können, ist unklar. Schliesslich werden nicht die Verhandlungsdelegationen alleine über die Aufnahme der Verleger entscheiden. „Die grösste Schwierigkeit sehe ich darin, von den zuständigen Gremien – vor allem des journalistischen Lagers – eine Zustimmung zum Verhandlungsergebnis zu erhalten“, sagt etwa Peter Studer. Doch Studer, der Ende Jahr als Präsident des Presserats zurücktreten wird, gibt sich grundsätzlich optimistisch. „Die Verhandlungen laufen ausgezeichnet. Alle bemühen sich, ein Resultat zu erreichen.“

Beredtes Schweigen
Über Inhalt und Verlauf der Gespräche ist nichts Genaueres zu erfahren. Solange die Verhandlungen andauern, haben die Beteiligten offiziell Stillschweigen vereinbart. Einer, der trotzdem spricht, ist der Winterthurer „Stadtblatt“-Verleger Guido Blumer, der für den Verband Schweizer Presse verhandelt. Er gehe davon aus, dass bis Mitte Jahr ein Ergebnis vorliege. Eine Beteiligung der Verleger würde dann per 2008 wirksam. Eine Prognose über den Ausgang der Verhandlungen will aber auch Blumer nicht abgeben. Nur so viel: Am Verband Schweizer Presse könne es nicht liegen, wenn sich die Verleger nicht am Presserat beteiligt würden. Damit spielt Blumer den Ball direkt den Mediengewerkschaften zu, die sich in der Vergangenheit stets gegen eine Einsitznahme der Patrons im Selbstkontrollorgan gewehrt hatten.
Für Stephanie Vonarburg, Zentralsekretärin von Comedia, stellt sich die Sache relativ einfach dar: „Wir haben kein Interesse daran, dass die ‚Erklärung der Pflichten und Rechte‘ zum Nachteil der Medienschaffenden verwässert wird.“ Comedia werde das Verhandlungsergebnis, sobald es vorliege, begutachten und dann entscheiden. Es sei verfrüht, jetzt schon abschliessend Stellung zu nehmen, „umso mehr, als die Gespräche noch laufen und die Verhandlungsdelegationen vorerst Stillschweigen vereinbart haben“.

Alleingang der Verleger
Sollten die Verleger aussen vor bleiben, will der Verband Schweizer Presse einen Alleingang unternehmen – und damit im Prinzip das tun, womit Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument einst implizit gedroht hatte, als er dem Presserat „Beliebigkeit“ und „Geschwätzigkeit“ vorwarf. „Das wäre unsere Pflicht. Schliesslich geht Medienethik alle an, auch uns Verleger“, begründet Guido Blumer den Entscheid. Im Detail sei hierzu aber noch nichts ausgearbeitet, vorstellbar sei eine Internetplattform. „Aber“, relativiert Blumer, „selbst wenn wir etwas Eigenständiges aufbauen würden, hätten wir weiterhin Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Presserat; das hat ganz klar Priorität.“
Nimmt man indes die optimistischen Verlautbarungen von einem Grossteil der an den Verhandlungen Beteiligten zum Massstab, dann läuft alles auf die Umstrukturierung des Presserats in einen eigentlichen Medienrat hinaus. Quasi im Schlepptau der Verleger würde nämlich auch die SRG Teil der Trägerschaft. „Die SRG SSR ist der Ansicht, dass nicht allein die Journalisten für eine korrekte Publizistik verantwortlich sind“, sagt Unternehmenssprecher Daniel Steiner. „Auch die Arbeitgeber sollten für eine qualitative, glaubwürdige Publizistik einstehen.“ Diesen Anspruch habe die SRG mit ihrer Programmcharta bereits umgesetzt.
Die Unternehmen bei medienethischen Fragen in die Pflicht nehmen, darauf stützt auch Philipp Cueni seine Befürwortung einer Verlegerbeteiligung. Cueni, der die Mediengewerkschaft SSM im Presserat vertritt, plädiert dafür, zwischen arbeitsrechtlichen und medienethischen Fragen zu trennen: „Als Arbeitgeber nerven die Medienunternehmen die Journalistinnen und Journalisten zwar oft. In Fragen der Ethik und der Pressefreiheit müssen sie aber Partner der Medienschaffenden sein.“

Presserat: Nachsichtig bei rassistischen Schlagzeilen

hs./ Viele Menschen lesen das Boulevardblatt „Blick“ nur als Kioskaushang. Anfang November 2005 mussten/konnten sie da die Aufforderung „Schämt euch, ihr Türken!“ lesen. Auch auf der Titelseite prangte die gleiche Schlagzeile, allerdings zusätzlich angereichert durch den Ausruf „Pfui!“. Nur, warum sollten sich DIE Türken schämen? Am Vortag war die Schweizer Fussballnationalmannschaft auf dem Flugplatz von Instanbul von Zöllnern, Flugplatzangestellten, Journalisten und weiteren nationalistischen Schlachtenbummlern derb unfreundlich empfangen worden. Darüber war dann im Boulevardblatt ein ausführlicher Bericht zu lesen.
Gegen die „Blick“-Schlagzeile erhob ein unbekannter Leser beim Presserat Beschwerde. Er beanstandete einen Verstoss gegen die Richtlinie, wonach es zu den journalistischen Pflichten gehöre, dass auf „diskriminierende Anspielungen, die die ethnische oder nationale Zugehörigkeit, die Religion, das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, Krankheiten sowie körperliche oder geistige Behinderung zum Gegenstand haben“, verzichtet werde. Es werde, so der Beschwerdeführer weiter, „sinnbildlich mit Fingern auf Menschen türkischer Nationalität gezeigt; sie werden gescholten, obwohl sie unschuldig sind“.
Der Schweizer Presserat hat diese Beschwerde abgewiesen, die Schlagzeile richte sich „zumindest für eine unvoreingenommene Leserschaft nicht an die in der Schweiz lebenden türkischen Staats- und Doppelbürger“. Es ergebe sich „aus dem Kontext“, dass sich die Kritik „in erster Linie an die Beteiligten vor Ort“ richte. Der Presserat übersieht damit – und dies nicht zum ersten Mal –, dass die häufigste Form rassistischer oder nationalistischer Anklage gerade darin besteht, Einzelfälle aufzuzählen, aber auf alle zu zielen. Weiter werde ja, so der Presserat in offensichtlicher Anspielung auf die Gerichtspraxis bei der Rassismus-Strafnorm, die „Menschenwürde der über 100’000 in der Schweiz lebenden Menschen türkischer Nationalität“ nicht verletzt. Allerdings sind rassistisch oder nationalistisch motivierte „diskriminierende Anspielungen“ auch ohne Verletzung der Menschenwürde möglich.

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