11. Juli 2007 von Hans Peter Gansner

Abpfiff

Unserem „Hans national“ Jean Ziegler gelang es, die Trash-Koch-Talk-Show „À côté de la plaque“ des Westschweizer Fernsehens intelligent umzufunktionieren, ein ansonsten die Vulgarität mehr als streifendes, vor lauter Quatsch mit Sosse und fadem Nonsens beinah überlaufendes Sendegefäss. Immer wieder gestichelt durch die mit rezenter Bosheit gespickten „Möcken“ der vor Energie und Sinnlichkeit überkochenden Manuella Maury, die ihn in die Pfanne hauen wollte, blieb er unbeirrbar beim Schnetzeln seines Poulets: „Wenn der Hahn stolz kräht, soll er immer daran denken, dass er vom Ei abstammt.“ Mit Messer und Saucieren hantierend erinnerte Jean Ziegler an die Tatsache, dass auch heute in der Schweiz immer noch 850’000 Menschen unter der Armutsgrenze leben. Das war wohl bisher Jean Zieglers listigster Streich: zu beweisen, dass man mit dialektischem Witz eine an der untersten Grenze der herrschenden Mediokratie dümpelnde Fernsehshow zu einem aufklärerischen Gefäss umfunktionieren kann.
Hans-Peter Gansner

TSR 1, 13. Januar 2006, 20.05 Uhr; Poulet à l’africaine: www.acotedelaplaque.ch

11. Juli 2007 von Klartext

Beschränkt seriös

hb./ Der „Schweizer Journalist“, herausgegeben vom Österreicher Verlag Oberauer, hat ein Problem. Denn der Berufsverband der JournalistInnen in der Schweiz, Impressum, nennt sich mit Zusatznamen „Die Schweizer JournalistInnen“. Diese Nähe der neuen Zeitschrift zum Verbandsnamen hat Impressum dazu veranlasst, beim Verleger vorstellig zu werden. Wie Impressum-Zentralsekretär Mathieu Fleury sagt, wolle man erfahren, welche Absichten und Ziele Oberauer in der Schweiz verfolge: „Das Ziel des ‚Schweizer Journalist‘ ist kommerziell, sein Inhalt nicht vollständig.“ Impressum wolle abklären, ob eventuelle Synergien mit dem eigenen Verbandsorgan möglich seien. Denn schliesslich sei die Präsenz von Sylvia Egli von Matt, Direktorin des Medienausbildungszentrums MAZ, Garantie für eine gewisse Seriosität des Produkts. Falls man jedoch nicht zusammenarbeiten könne, will Impressum eine Namensänderung des Produkts verlangen. Apropos Seriosität: Mit viel Aufwand verbreitete das Blatt in der ersten Nummer eine Bestenliste – „die 88 besten Journalistinnen und Journalisten“ der Schweiz. Gian Pozzy, bis vor kurzem stellvertretender Chefredaktor des Wirtschaftsblatts „L’Agefi“, wurde als Dritter in der Kategorie „Kolumne (Westschweiz)“ ausgezeichnet. Allerdings war er auch Mitglied der Jury. Die Vermeidung solcher Peinlichkeiten für den Betroffenen, die Jury und die Auserwählten war aber offensichtlich nicht das Ziel der Ranking-Organisatoren.

Aktuelles Heft:

 

EDITO
Ausgabe: 5 | 2018

  • Schaffhausen für Öffentlichkeitsprinzip
  • Fragen im “Opferzeitalter”
  • Umweltskandale in Chile
  • Regionaler Online-Journalismus
  • Ist vor “No Billag” nach “No Billag”?
  • Bilder von Flurina Rothenberger
  • und anderes mehr